Wassersport

Am Müggelsee ist man weit entfernt von einem Kompromiss

Der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick fürchtet am Müggelsee erhebliche Einschränkungen für Segler.

Der See ist bei Spaziergängern und Wassersportlern beliebt

Der See ist bei Spaziergängern und Wassersportlern beliebt

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture-alliance/ ZB

Die geplante Natur- und Landschaftsschutzverordnung für das Müggelsee-Gebiet wird erneut in Frage gestellt. Der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick, der rund 70 örtliche Wassersportvereine vertritt, lehnt die Erklärung der Senatsumweltverwaltung zur Unterschutzstellung "in der vorliegenden Fassung" ab. Das hat der Sportbund in einer Pressemitteilung und einem offenen Brief an Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) mitgeteilt.

Nach einem Treffen von Vertretern der Senatsverwaltung und des Bezirks mit betroffenen Vereinen und Verbänden der Sportler, Naturschützer und Anlieger am 10. Februar hatte Günther erklärt, die Konflikte um den Naturschutz am Müggelsee seien "weitgehend beigelegt". Auf der Versammlung habe es "weitgehende Zustimmung zu dem Kompromissvorschlag der Senatsverwaltung gegeben". Dem widerspricht nun der Bezirkssportbund. Anders als von Günther behauptet, sei keine Lösung "gemeinsam mit allen Beteiligten" gefunden worden. Auch von einem Kompromiss könne nicht die Rede sein, denn die Position der Senatsverwaltung habe sich auch in der überarbeiteten Schutzverordnung nicht wesentlich verändert.

Schutz für den Müggelsee gestoppt

Hauptgrund der Ablehnung sei das geplante Landschaftsschutzgebiet, das den gesamten See umfassen solle, schreibt der Sportbund. In diesem Gebiet sei dann die heute übliche Erholungs- und Wassersportnutzung "nur noch ausnahmsweise bei Einhaltung bestimmter Bedingungen gestattet". Es sei möglich, eine Alternative zur vorgesehenen Unterschutzstellung des gesamten Sees und seiner Ufer zu entwickeln. Dies lasse das Bundesnaturschutzgesetz zu, wenn ein "überwiegendes öffentliches Interesse" vorliege.

Und das sei gegeben, so der Treptow-Köpenicker Sportverband: "Der Müggelsee ist eines der wichtigsten Erholungsgebiete am Wasser für die Berliner und ihre Gäste. Er ist das herausragende Wassersportrevier im Südosten Berlins und daher für den Berliner Segelsport unverzichtbar." Der Bezirkssportbund fordert die Umweltsenatorin daher auf, die Ausweisung des Müggelsees als Landschaftsschutzgebiet zurückzunehmen.

Verhärtete Fronten

Wie berichtet, waren die Fronten in der Debatte um Natur- und Landschaftsschutz am Müggelsee zunächst sehr verhärtet. Ein wesentlicher Grund dafür war die suboptimale Kommunikation der Umweltverwaltung. Die neue Senatorin Regine Günther suchte dann den Konsens mit Anliegern und strebt eine Vereinbarung mit den Sportvereinen an, die Schutzgebiete verträglich zu nutzen. Die geplanten Naturschutzzonen, in denen striktere Auflagen gelten als in einem Landschaftsschutzgebiet, wurden deutlich verkleinert, insbesondere im Westen des Sees sowie im Osten, in Rahnsdorf.

Die Schutzverordnung soll einen Kompromiss schaffen zwischen Natur- und Landschaftsschutz einerseits und den Belangen des Wassersports, der Anrainer und der Freizeitnutzung andererseits. Doch der geplante Schutz ist nicht nur Ausdruck politischen Willens, es gibt auch eine rechtliche Verpflichtung. Denn das Land Berlin hatte das Müggelsee-Gebiet bereits 1995 bei der EU als Flora-Fauna-Habitat angemeldet. Damit sollen Lebensräume von seltenen Tier- und Pflanzenarten geschützt werden. Nun macht die EU Druck, dass der Landschafts- und Naturschutz auch rechtlich durchgesetzt wird. Fristen enden, es droht eine Klage.

Naturschutz am Müggelsee: Der Senat rudert zurück

Die Umweltverwaltung betont, dass alle muskelbetriebenen Wassersportarten auf dem Müggelsee weiter möglich seien und nicht eingeschränkt würden. Dies soll nun auch in der Schutzverordnung festgeschrieben werden, in der ersten Fassung war es nicht vorgesehen. Zudem sei der Schutz der Wasserflächen für Zug- und Rastvögel nur von Oktober bis März notwendig, betonen Umweltverbände. Für den Winter würden nun Vereinbarungen mit den Nutzern getroffen, insbesondere Befahrungsregelungen mit den Wassersportlern abgestimmt.

"Die Nutzbarkeit dieser Flächen für Wassersportler insbesondere im Sommerhalbjahr war zu keinem Zeitpunkte von Seiten der Naturschützer in Frage gestellt", erklärte der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Tilmann Heuser. Es gebe keinen Konflikt zwischen Wassersport und Landschaftsschutzgebiet. Alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, sei dort erlaubt. Das gelte auch für das Baden, selbst im Naturschutzgebiet sei es nur an gekennzeichneten Stellen verboten.

Naturverträgliche Kompromisse finden

Jetzt gehe es darum, das geltende Naturschutzrecht in konkrete Nutzungsregelungen umzusetzen und hierbei naturverträgliche Kompromisse zu finden, sagen Naturschutzverbände. Tatsächliches Problem sei ohnehin weniger die rechtliche Regelung, sondern dass die naturverträglichen Nutzungsregelungen auch tatsächlich eingehalten würden. Dazu gebe es gute Gespräche mit den Sportverbänden. Schwieriger sei indes der nicht an Vereine gebundene, häufig rücksichtlose Wassersport etwa mit Motorbooten oder Jet-Skis.

Naturschützer sehen beim Bezirkssportbund ein tiefes Misstrauen. Es gebe dort offenbar Befürchtungen, dass Naturschutzverbände und -beamte die Schutzgebietsverordnung nutzen könnten, um den Wassersport auf dem Müggelsee weitgehend einzuschränken. Sowohl der Landessportbund als auch die Fachverbände der Segler, Ruderer und Kanuten hätten diese Bedenken weitgehend nicht mehr.

Insofern sei es notwendig, klar darzulegen, welche Nutzungen in Zukunft möglich sind. BUND und Naturschutzbund fordern aber, erst die Schutzgebietsverordnung zu erlassen und erst dann die Vereinbarung mit den Wassersportlern zu treffen.

Zugang zu Wassergrundstücken ungeklärt

Auch Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) erklärte, er könne die Schärfe des Bezirkssportbundes nicht nachvollziehen. Der Senat habe sich auf einen langen Diskussionsprozess eingelassen. Es sei ein großer Erfolg für Verbände und Vereine, dass nun die Regeln für den Wassersport explizit in der Schutzverordnung stünden, sagte Igel der Berliner Morgenpost. Man könne nicht im Vorhinein alles abblocken, vielmehr sei dann zu prüfen, wie die Schutzverordnung praktisch umgesetzt wird. "Ohne ein Mindestmaß an Vertrauen wird es nicht gehen", so der Bezirksbürgermeister.

Ungeklärt ist aber noch die langfristige Zugänglichkeit etlicher Grundstücke, die sich nur über das Wasser erreichen lassen. Eigentümer befürchten, dass sie ihre Stege abbauen müssen. Dazu finden derzeit Gespräche zwischen Senat und Bezirk statt. Senatorin Günther wolle die Schutzverordnung bald unterzeichnen, sagte ihr Sprecher Matthias Tang am Freitag der Morgenpost. Sie soll zum Beginn der Sommersaison in Kraft treten.

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