Ausstellung abgesagt

Streit um Nacktfotos im Köpenicker Rathaus eskaliert

Alle Jahre wieder stellt ein Verein von Laienfotografen auch Aktfotos aus. Immer wieder gibt es Ärger. Nun eskalierte der Streit.

Musste 2016 abgehängt werden: die lesende Nackte

Musste 2016 abgehängt werden: die lesende Nackte

Foto: Jan Gießmann

Seit 20 Jahren stellt die Gesellschaft für Fotografie, ein Verein von Laienfotografen, im Frühjahr ihre Bilder für ein paar Wochen im Köpenicker Rathaus aus. Ebenfalls fast traditionell: Der Streit über Aktfotos, die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden. In diesem Jahr ist dieser eskaliert, und es scheint so, als wäre es das endgültige Aus der langjährigen Zusammenarbeit. Der Verein hat die diesjährige Ausstellung abgesagt.

Wie kam es zu diesem Eklat um eine eigentlich harmlose Ausstellung? Auf der einen Seite des Konfliktes steht das Rathaus Köpenick, das die Austellung in seinen Räumen beherbergt. Da es im vergangenen Jahr im Rahmen der Ausstellung einen Eklat gab, nachdem die zuständige Kulturamtsleiterin Annette Indetzki zwei Aktbilder hatte abhängen lassen und dies zunächst mit angeblichen Beschwerden von Muslimen begründete, die es wohl so gar nicht gab, wollte die jetzt zuständige Stadträtin für Kultur und Bildung, Cornelia Flader (CDU), in diesem Jahr alles richtig machen. Sie lud die Vorsitzenden des Fotovereins zu einem Vorgespräch und schickte ihnen im Anschluss einen Verfahrensvorschlag, darin erwähnt sie einen Rundgang des Bezirksamtes, in dem die Fotos abgenickt werden sollen. Das empfinden die Fotografen als "Zensur" und kündigen ihre Teilnahme an der Austellung beim Bürgermeister auf.

"Wir können nicht nachvollziehen, dass angesichts weniger Aktfotos ein solcher Aufriss gemacht wird. Wir fühlen uns zensiert", sagt Hans-Joachim Kühn, Vorsitzender der Gesellschaft für Fotografie. Man sehe in jeder Zeitschrift anzüglichere Motive als die in der Austellung. Flader wiederum fühlt sich zu Unrecht ausgebuht, weil sie sich an Vorschriften hält. "Es geht nicht um Zensur", sagt sie. "Wir müssen uns an das Jugendschutz- und Arbeitnehmerschutzgesetz halten. Würde einer unserer Arbeitnehmer wegen der Bilder vor Gericht ziehen, hätte er eine rechtliche Grundlage. Als Hausherr sind wir in der Haftung", sagt sie.

Zuvor hatte sie ihre Mitarbeiterinnen gefragt, wer sich durch die Akte gestört fühle. Acht von zehn hätten mit "Ja" geantwortet. Einen ähnlichen Eklat gab es schon im Jahr 2010, als eine Ausstellung mit einigen Nacktbildern des Köpenicker Fotografen Wolfgang Hiob von der damaligen Bürgermeisterin verlegt wurde und nicht in den Räumen des Rathauses stattfinden durfte.

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