Berliner Modemesse

Die Bread & Butter will kühn sein

Die Modemesse findet dieses Jahr wieder in der Treptower Arena statt – unter einem ganz besonderen Motto.

Carsten Hendrich von Zalando rechnet mit mehr als 30.000 Besuchern bei der diesjährigen Bread & Butter

Carsten Hendrich von Zalando rechnet mit mehr als 30.000 Besuchern bei der diesjährigen Bread & Butter

Foto: Reto Klar

Aktuelle Fashiontrends, urbaner Lifestyle und Sport werden im Mittelpunkt der nächsten Modemesse Bread & Butter stehen, die der Berliner Online-Modehändler Zalando am ersten September-Wochenende in der Treptower Arena veranstaltet. Carsten Hendrich, als Marketing-Chef der Verantwortliche des Projekts, rechnet mit mehr als 30.000 Besuchern – das wären 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

"Bold" soll das Motto der diesjährigen Bread & Butter lauten, die sich als Leitmesse für Alltagskleidung versteht, aber auch als Fashion-Happening und Musik-Event. Das Motto bedeutet so viel wie kühn, wagemutig und stark. "Dieses Motto gibt die Richtung vor", sagt Hendrich. Die präsentierten Produkte sollen "bold" sein, die Menschen auf den Bühnen auch – Musiker ebenso wie die Models der verschiedenen Label. Die Bread & Butter soll die Vielfalt der urbanen Alltagsmode zeigen, vor allem aber ihre Highlights. "Da kommen wir als Zalando her", sagt Hendrich.

50 Modemarken sollen vertreten sein

Zalando bietet seinen Vertragsmarken auf der Messe Gelegenheit, mit den Kunden in Kontakt zu treten. Insgesamt 50 Marken sollen auf den mehr als 10.000 Quadratmetern Eventfläche vertreten sein – überwiegend mit Ständen, einzelne auch mit Schauen. Adidas, Reebok, Lee, Converse, Vans und Alfa Industries haben bereits fest zugesagt. "Bei den Besuchern gibt es eine extrem hohe Nachfrage nach Schauen", sagt Hendrich. Im vergangenen Jahr habe man sich da am Limit bewegt. "Sie haben eine große Faszinationskraft", sagt der Marketing-Experte. Voraussichtlich werden die gleichen Marken wie im Vorjahr ihre Models auf die Laufstege schicken. Einige neue kommen hinzu.

Die Stadt Berlin findet zunehmend zurück zu ihrem Image als Modestadt, das in der Zeit der Industrialisierung wurzelt. Ab 1837 siedelten sich Modemacher rings um den Hausvogteiplatz an, in den Berliner Gewerbehöfen entstanden Fabriken. Um 1860 hatten sich in Mitte bereits 20 Unternehmen niedergelassen, zehn Jahre später waren es schon doppelt so viele. Bis in die "Goldenen Zwanziger" war der Hausvogteiplatz das Zentrum einer Branche, die durch Krieg und Holocaust ein jähes Ende fand. Das Branchenblatt "Der Konfektionär" zählte 1927 mehr als 800 Betriebe in der Damenoberbekleidung in der damaligen Reichshauptstadt, davon 272 Mäntelmanufakturen und 355 Kleider- und Blusenanbieter.

3,8 Milliarden Euro Umsatz

Heute zählt Berlin zehn Modeschulen und Hochschulen, die modespezifische Studiengänge anbieten. Mehr als 2400 Unternehmen sind in der Hauptstadt im Modebereich tätig. Nach Berechnungen der Senatswirtschaftsverwaltung sind die Umsätze der Modebranche von 2009 auf 2013 um 118 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Euro gestiegen. Parallel stiegen auch die Beschäftigtenzahlen um 42 Prozent auf 21.500 Erwerbstätige. Und das war noch vor dem Zalando-Boom.

Die Berlin Fashion Week mit zehn angeschlossenen Messen zieht jährlich 200.000 Fachbesucher an, ihre 70 Modenschauen und Präsentationen weitere 50.000 Besucher. Die Investitionsbank Berlin hat errechnet, dass allein diese Veranstaltung für Einnahmen in Höhe von 120 Millionen Euro sorgt.

Die Bread & Butter wurde mit dem Ziel, Leitmesse für Alltagsbekleidung zu werden, im Jahr 2001 unter anderem von Karl-Heinz Müller in Köln gegründet. Nach Zwischenstopps in Berlin und Barcelona kehrte die Messe, die inzwischen Kultstatus erlangt hatte, 2009 fest in die Hauptstadt zurück und fand in den leer stehenden Hangars des Flughafens Tempelhof ihr Quartier, wo sie 2010 insgesamt 100.000 Fachbesucher anzog. Die Veranstalter verhoben sich dann aber mit ihren Expansionsplänen und einer neuen Standortbestimmung als Publikumsmesse und Verkaufsplattform. Im Dezember 2014 stellte die Geschäftsführung einen Insolvenzantrag.

Ein "Mehrwert" für Kunden von Zalando

Zalando übernahm die Messe Mitte 2015, sagte die Modeschau in den inzwischen mit Flüchtlingen belegten Flughafen-Hangars aber ab. 2016 fand sie in der Treptower Arena statt. "Die Marke Bread & Butter hatte für Berlin eine hohe Bedeutung", sagt Carsten Hendrich zurückblickend. Mit der Übernahme der Kultveranstaltung wollte Zalando einen "zukunftsweisenden Impuls setzen". Doch nicht nur das: "Wir wollen unseren Online-Kunden einen Mehrwert bieten, ihnen ein Modeerlebnis verschaffen."

Hendrich versteht die Veranstaltung mehr als ein Marketing-Instrument denn ein Geschäftsmodell. "Die Bread & Butter ist keine Verkaufsausstellung", sagt er. Gleichwohl sollen Besucher die Möglichkeit erhalten, Entdeckungen direkt zu kaufen und im Idealfall noch am gleichen Tag geliefert zu bekommen. "Unsere Kunden erwarten, dass sie sofort kaufen können." Die technische Lösung aus dem vergangenen Jahr, als Besucher QR-Codes einscannen mussten, wurde als zu umständlich verworfen. In diesem Jahr könnten "Beacons" eingesetzt werden, Bluetooth-Sender, die sich mit Smartphones vernetzen und einen Link zu den Onlineshops öffnen.

Zalando auf Wachstumskurs

Kunden: Die Zalando-Onlineshops verzeichnen monatlich mehr als 160 Millionen Besuche, von denen im dritten Quartal 2016 mehr als 65 Prozent von mobilen Endgeräten kamen. Die Zahl aktiver Kunden stieg auf 19,2 Millionen.

Marken: Das Sortiment reicht von über 1500 globalen Marken über lokale und Fast-Fashion Brands bis hin zu selbst designten privaten Labels.

Gewinn: Im Geschäftsjahr 2016 machte Zalando einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden Euro und einen Gewinn in Höhe von bis zu 225 Millionen Euro (bereinigtes EBIT). Das entspricht einer Gewinnmarge von 5,6 bis 6,2 Prozent.

Wachstum: Im vergangenen Jahr ist der Umsatz des Online-Modehändlers um etwa 23 Prozent gewachsen.

Aktie: Zalando ist eine AG. Die Aktie notierte am Mittwoch mit 36,70 Euro, fünf Euro mehr als vor einem Jahr.

Mehr zum Thema:

Zalando steigert Gewinn und plant neue Modemesse

Zalando macht bei Bread & Butter alles neu

Die Bread & Butter kehrt zurück - präsentiert von Zalando

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.