Treptow-Köpenick

Das Riesenrad im Spreepark soll sich wieder drehen

Viele Jahre dämmerte der Spreepark vor sich hin. Jetzt gehört er wieder dem Land Berlin und soll wachgeküsst werden.

Riesenrad im Spreepark

Riesenrad im Spreepark

Foto: Krauthoefer

Umgeben vom satten Grün der Bäume des Treptower Plänterwalds führt ein schmaler Weg zu einem mystischen Ort. Es ist ein Ort, an dem die Zeit zum Stillstand kam. An dem sich die Natur ein von Menschen gestaltetes Gebiet zurückerobert. Dort in der Flusseinmündung liegt der verlassene Spreepark. Verrostete Überreste der Achterbahnschienen ziehen sich wie Drachengerippe durch das Unkraut des Parks, in dem sich stillgelegte Karussells und verfallene Gastronomiehäuschen befinden.

Nun soll Dornröschen wieder wachgeküsst werden, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Am Freitag beginnt ein Dialogverfahren, in dem Bürger ihre Ideen zur künftigen Gestaltung des Areals einbringen sollen. „Wir wollen die Türen öffnen und die Berliner fragen: Was habt ihr für Ideen?“, erklärte Geisel am Donnerstag. Bisher habe die Landesregierung keinen fertigen Plan für das Gelände. Nur eines stehe jetzt schon fest: der grüne Charakter des Areals soll erhalten bleiben. Eine Bebauung des Standorts schließt der Umweltsenator aus. „Unsere Vorstellung ist es, hier einen Ort für Kreativität, Kunst und Kultur entstehen zu lassen.“ Dazu sollen auf dem Gelände Kreativräume und Ateliers angesiedelt werden, die ersten entstehen im „Eierhäuschen“, einer ehemaligen Ausflugsgaststätte. Auch Führungen durch den heute noch abgesperrten Park sind geplant. Geöffnet werden soll er, sobald das Gelände für Besucher sicher genug sei.

Die Sanierungsarbeiten an dem Haus haben bereits begonnen. Finanziert werden die Maßnahmen vom Land aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt“ (Siwa). Zehn Millionen Euro sollen insgesamt in den Spreepark investiert werden, sieben Millionen allein ins „Eierhäuschen“. Die hohen Kosten begründet Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, mit der komplizierten denkmalgerechten Wiederherstellung des Bauwerks. „Unter anderem sind die Dachbalken vollkommen vermodert. Es gibt Feuchtigkeitsschäden, die ins Mauerwerk gestiegen sind“, erklärt Schmidt. Diese Mängel müssten nun fachgerecht beseitigt werden. Die Sanierung soll bis Mitte 2018 beendet sein.

Seit Anfang des Jahres kümmert sich die landeseigene Grün Berlin GmbH um den 20 Hektar großen Spreepark. Momentan stellt die Servicegesellschaft ein Experten-Team zusammen, das die weiteren Aufgaben auf dem Gelände konkretisieren soll. Im Herbst sollen die ersten Zwischenergebnisse den Bürgern präsentiert werden. Im Frühjahr 2017 rechnet Schmidt mit einem Entwicklungskonzept. „Es ist ganz bewusst eine Rahmenkonzeption“, betont Schmidt, die richtungsweisend sein soll. Dennoch will man bei der Umsetzung innerhalb der gesetzten Grenzen flexibel bleiben.

Der verlassene Freizeitpark, einziger Vergnügungspark in der DDR, war mal ein Besuchermagnet. Eröffnet im Jahr 1969 unter dem Namen Kulturpark Plänterwald, zog er jährlich etwa 1,7 Millionen Besucher an. Nach der Wende wurde das Gelände 1991 an den Schausteller Norbert Witte verkauft. Der Schausteller hatte angekündigt, den Spreepark schrittweise zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umzugestalten. Witte aber ließ den Ankündigungen wenig Taten folgen, der Park verlor auch angesichts der Konkurrenz im Westen Deutschlands zunehmend an Attraktivität. Die Zahl der Besucher brach ein, zuletzt kamen nur noch 400.000 jährlich. Witte musste Insolvenz anmelden, 2001 wurde der Freizeitpark geschlossen. Das eingezäunte Gelände mit den alten Attraktionen entwickelte sich zum „Lost Place“, zog Fotografen, Filmemacher und Entdecker an, die illegal über den Zaun kletterten. 2014 kaufte der Berliner Liegenschaftsfonds den Spreepark zurück.

„Es wird kein Rummel werden“, sagte Grün-Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt zur Zukunftsperspektive des Parks. Es sei vorstellbar, dass die alte Parkeisenbahn wieder aktiviert werde. Das Gelände solle umzäunt bleiben – aber nicht zwingend Eintritt kosten. Alles Weitere liege aber in der Hand der Bürger. Die Verwaltung nennt das „Stadtentwicklung von unten“. Den Beginn macht die öffentliche Dialogveranstaltung am heutigen Freitag. Außerdem sollen regelmäßige Experten-Interviews, Bürger-Werkstätten und Führungen durch den derzeit abgesperrten Park dazu beitragen, öffentliches Interesse zu wecken.

Von den drei Millionen Euro, die für die Verwirklichung des Konzepts zur Verfügung stehen, floss die erste Million in die Verkehrssicherheit auf dem Areal. „Der Park ist an vielen Stellen renovierungsbedürftig. An der einen oder anderen Stelle werden auch Abrisse notwendig sein, um das Gelände für Besucher sicher zu machen“, so der Umweltsenstor. Dafür sei ebenfalls eine Million vorgesehen, der Rest fließt in die Projekte vor Ort. Wobei sich Geisel als Fan des Riesenrads outete, das sich seit Jahren gespensterhaft quietschend im Wind dreht. „Das würden wir gern wieder in Gang setzen.“

Am Freitag können Bürger von 16 bis 20 Uhr zum Dialog in die alte Werkstatthalle auf dem Gelände kommen: Eingang Dammweg.

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