Umweltschutz

Technologiepark Adlershof probt die Energiewende

Berlins erfolgreichster Technologiepark wächst und wächst. Dennoch soll der Verbrauch von Strom, Kälte und Wärme in wenigen Jahren um 30 Prozent sinken. Energiemix als Vorbild für ganz Berlin.

Foto: WISTA

Über Adlershof drehen sich die Baukräne. Fast im Wochentakt schickt die Presseabteilung von Berlins größtem Technologiepark die Erfolgsmeldungen in die Welt. Die Ahlberg Metalltechnik baut Büros und eine Produktionshalle. Der IT-Dienstleister Atos zieht mit 1000 Mitarbeitern ins frühere Gebäude des Solarpanelherstellers Solon. Das Studentendorf eröffnet. 121 neue Wohnungen entstehen. Ende des Jahres eröffnet der Neubau des Instituts für Produktqualität. Direkt am S-Bahnhof ist ein Bürohaus angekündigt.

Spätestens 2030, so sagt Peter Strunk als Sprecher der Managementgesellschaft Wista, werde Adlershof „vollständig entwickelt sein“. Der Technologiepark, der aus der Akademie der Wissenschaften der DDR entstand, wäre dann voll. Die bebaute Fläche von derzeit 120 Hektar hätte sich verdoppelt. Das 460 Hektar große Entwicklungsgebiet würde auch bis zu 60 Prozent mehr Strom, Wärme und Kälte benötigen als heute.

Diese Perspektive ist nach Ansicht des Managements unwürdig für einen der erfolgreichsten Technologiestandorte Europas, an dem sich viele Firmen und Forscher dem intelligenten Umgang mit Energie widmen. Wista hat ein ehrgeiziges Ziel ausgerufen: Trotz des Wachstums soll Adlershof in wenigen Jahren mit 30 Prozent weniger Primärenergie auskommen als heute. Insgesamt verbraucht das Entwicklungsgebiet 380 Gigawattstunden Energie jährlich. Mehr als ein Drittel davon wird gebraucht, um den Elektronenbeschleuniger Bessy in Schwung zu bringen und zu halten.

Blaupause für die Energiewende

„Adlershof ist eine Stadt in der Stadt“, sagt Beate Mekiffer, die bei Wista die strategischen Projekte leitet. Das Gebiet im Südosten Berlins könnte auch eine Blaupause für die Energiewende in der ganzen Stadt liefern. Entsprechend hoch aufgehängt ist das Vorhaben: Das Bundeswirtschaftsministerium hat der Wista 700.000 Euro Fördermittel bereitgestellt.

Anders als in Berlin insgesamt sieht Beate Mekiffer das Einsparpotenzial nicht in erster Linie bei der Wärme. Hier sei Adlershof schon ziemlich effizient versorgt. 90 Prozent der Wärme und 60 Prozent des Stroms liefert die Firma BTB aus einem mit Gas betriebenen Blockheizkraftwerk und einer Anlage zur Verfeuerung von Holzpellets.

Einen fertigen Masterplan, der in den nächsten zehn Jahren abgearbeitet wird, gibt es nicht. Beate Mekiffer spricht von einem „Teppich aus Einzelmaßnahmen“, den sie über das Gebiet ausrollen möchte. Dabei müssen möglichst alle mitmachen. Eine Firma erzeugt womöglich viel Wärme, die nebenan zu nutzen wäre, eine andere produziert Kälte im Überfluss. „Es geht darum, diese Dinge intelligent zusammenzuschalten“, sagt die Managerin.

Brandenburg soll Windstrom liefern

Karl Meyer vom Kraftwerksbetreiber BTB beschreibt den Energiemix. Man nutze Erdwärme, inzwischen seien Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 2,3 Megawatt installiert, Windstrom wolle man aus dem nahen Brandenburg importieren. Um die in stürmischen Zeiten anfallende überzählige Windenergie zu nutzen, arbeiten sie in Adlershof wie anderswo an Speichern. Am Blockheizkraftwerk stehen bereits fünf große Tanks, in denen mit günstiger Energie jeweils 400 Kubikmeter Wasser erhitzt werden und bei Bedarf in den Heizungskreislauf strömen. Die Power-to-Heat-Anlage wird Anfang 2015 erweitert.

Warten auf die Fördermittel

Geplant sind weiterhin die Umwandlung von Strom in Gas oder von Wasser in Wasserstoff. Die in Adlershof ansässige Firma Graforce Hydro ist in dieser Technologie stark. „Wir nutzen immer Standortpotenziale für die Umsetzung“, sagt Projektmanagerin Mekiffer. Davon gibt es reichlich. Die Firma Younicos zum Beispiel hat im September bei Schwerin Europas ersten kommerziell betriebenen Batteriespeicher erstellt. Auf der Azoren-Insel La Graciosa installieren die Berliner ein autonom funktionierendes System der Energieversorgung aus Wind und Sonne, um das Atlantikeiland vom Dieselgenerator unabhängig zu machen. Ein wichtiges Thema ist die Kälteversorgung, um unter anderem die riesigen Rechenzentren zu kühlen.

Neue LED-Lampen tun es auch

Beate Mekiffer denkt daran, das acht Grad kühle Grundwasser zu nutzen. Aber auch Solespeicher könnten geeignet sein. Forscher der Technischen Universität wollen ein Kältekonzept entwickeln, zunächst für acht eigene Gebäude von Wista. Noch warten die Wissenschaftler auf die Bewilligung der Fördermittel. Eine Bedingung für die Subventionen: Das System muss skalierbar sein, also auch in größerem Maßstab angewendet werden können.

Der Weg zur Musterstadt führt aber nicht nur über Hightech. Manchmal tun es schon handelsübliche LED-Lampen. Das Energiemanagement hat herausgefunden, dass in den Wista-Immobilien 40 Prozent der Energie allein für die Beleuchtung draufgehen. Jetzt hat Wista-Chef Hardy Schmitz grünes Licht gegeben, in zunächst zwei Gebäuden die Leuchten auszutauschen.