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Windkanal Adlershof - Betonröhre als Science-Fiction-Kulisse

Der große Windkanal hat bereits im Film „Aeon Flux“ als Kulisse gewirkt. Errichtet wurde die Röhre 1932 bis 1934. Aber auch heute wird sie gerne für Film- und Fotoaufnahmen genutzt.

Foto: Reto Klar

Manche denkmalgeschützten Monumente wirken so modern, dass sie sich perfekt als Kulisse für Science-Fiction-Filme eignen – selbst wenn diese in ferner Zukunft spielen. So wie der Große Windkanal in Adlershof. Die gigantische Betonröhre, 1932 bis 1934 errichtet, bot etwa dem US-amerikanischen Blockbuster „Aeon Flux“ (2005) mit seiner düsteren Tunnelstimmung eine ideale Kulisse.

Der Film spielt im Jahr 2415. Nahezu die gesamte Menschheit wurde von einem heimtückischen Virus dahingerafft. Der Rest hat sich in eine von Mauern umgebene, totalitär regierte Stadt geflüchtet. „Ursprünglich diente der Windkanal jedoch dazu, Flugzeugmotoren samt Propeller zu testen – und zwar anders als üblich nicht im Modell, sondern in Originalgröße“, erläutert Frank Lauterbach.

An seiner größten Stelle misst der Tunnel deshalb zehn mal 15 Meter und ist damit nach wie vor einer der größten Windkanäle weltweit. Lauterbach, Ingenieur für technischen Umweltschutz, hat 1996 gemeinsam mit seinem Vater das Sanierungskonzept für den damals bereits sehr maroden Windkanal entwickelt.

„Der Tunnel bietet ein einmaliges Raumerlebnis“, schwärmt Lauterbach. Auch nach der abgeschlossenen Sanierung Ende der 90er-Jahre beschäftigt sich Lauterbach weiter mit der einmaligen Anlage. Der 51-Jährige ist Vorstand des Fördervereins Landschaftspark Johannisthal/Adlershof und setzt sich für den Erhalt sämtlicher Luftfahrttechnischer Denkmale auf dem Areal ein.

Die ganz besondere Atmosphäre in der Betonröhre hat dazu geführt, dass vor allem der Windkanal nicht gänzlich ohne Funktion ist. Für Film- und Fotoaufnahmen, Modenschauen oder Kunstinstallationen wird er immer wieder gerne gebucht. Die Eigentümerin des Windkanals, die Humboldt-Universität zu Berlin, nutzt die Anlage zudem als „UniLab“, um Schulklassen an diesem ganz besonderen Ort für die Naturwissenschaften zu begeistern.

Geforscht wird in der Betonröhre seit 1945 nicht mehr. Nach Kriegsende wurde die Technik ausgebaut und als Reparationsleistung Richtung Moskau geschickt. „Viele interessante Details geben aber bis heute Aufschluss darüber, wie die Ausstattung damals war“, sagt Lauterbach, der zusammen mit anderen Mitgliedern des Fördervereins am Führungen anbietet.

Führungen Sonntag, 14. September um 10, 11.30, 13 und 14.30 Uhr Zudem können die Anlagen von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Ort: Kroneckerstraße Ecke Newtonstraße in Adlershof.