Grossflughafen

BBI bringt Arbeitsplätze und Bevölkerungs-Boom

Am geplanten Großflughafen in Schönefeld entstehen 350 Hektar Flächen für Gewerbe und bis zu 40.000 Arbeitsplätze. Zudem soll sich auch die Einwohnerzahl in der Gemeinde bis zum Jahr 2020 verdreifachen. Im November wird ein Masterplan dazu beschlossen.

Foto: DDP

Es ist eine alte, verblichene Landkarte, die im ersten Stock des Gemeindeamtes Schönefeld hängt. Sie stammt aus dem Jahr 1958 und zeigt die Vision der DDR für einen dortigen Großflughafen. Mit Autobahn- und Bahnanbindung aus östlicher Richtung und einem zentralen Terminal. Er ähnelt jener Vorlage, die der Berliner Senat und die Gemeinde Schönefeld im November beschließen wollen: den „Masterplan Gateway BBI“ zur Entwicklung des Flughafenumfeldes. Er soll die Grundlage für Tausende neuer Arbeitsplätze, milliardenschwere Investitionen und sprudelnde Steuerquellen schaffen, so die Hoffung der Politik.

Rund 350 Hektar sieht der Plan für Gewerbeansiedlungen vor. Die Namen der Gebiete sind austauschbar: „Businesspark“ oder „Airport-City“. Doch wenn Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) über sie redet, bekommen seine Augen einen erwartungsvollen Glanz. Viereinhalb Milliarden Euro würden investiert, damit entstünden zusätzlich 40.000 Arbeitsplätze am Flughafen und den angrenzenden Orten Schönefeld, Waßmannsdorf und Bohnsdorf. Eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, dass Schönefeld nur 13.000 Einwohner hat.

Aus Haases Sicht ist dies kein Problem. Bis 2020 werde die Zahl der Einwohner in Schönefeld auf bis zu 36.000 Einwohner wachsen, schätzt er. Schließlich würden viele Mitarbeiter der neuen Unternehmen am Flughafen auch in dessen Nähe wohnen wollen.

Als wenn es eines Beweises dazu bedurft hätte, blickt Haase aus seinem Büro. Es liegt im dritten Geschoss des Gemeindeamtes, das wie verloren inmitten von Feldern steht. Es ist die Keimzelle für das, was kommen soll. Für Wohnhäuser, Hotels und Betriebe. Es ist ein retortenhaftes Bild. Eines, das auf Zukunft setzt. Dass diese positiv wird, bezweifelt Haase nicht.

2008 würden die ersten Projektentwickler mit ihren Bauten in den Gewerbegebieten beginnen. Momentan verhandle er mit einem Investor, der für 400 Millionen Euro Boardinghäuser und ein Hotel errichten wolle. Selbst Anfragen von Investoren „aus dem asiatischen Raum“ gebe es. Namen und Details könne er vor Vertragsabschlüssen jedoch nicht nennen, das wäre schließlich „unseriös“. Aber es gehe um „handfeste Jobs“. Etwa in Schönefelds Nachbarort Waßmannsdorf.

Dort baute die Firma AdStep 2006 ein Callcenter mit 1000 Arbeitsplätzen auf. Nun sucht sie weitere 200 Mitarbeiter. Auch im Jobcenter am Flughafen hängen viele Stellenangebote aus. Ein Segen für die Gemeinde. Schon heute ist ihre Arbeitslosenquote von um die zehn Prozent eine der niedrigsten in den neuen Bundesländern. Zum Vergleich: In Berlin liegt die Quote bei mehr als 15 Prozent.

Das kleine Wirtschaftswunder im Süden der Hauptstadt erklärt Haase auch mit den Anreizen für Unternehmen. So biete die Gemeinde mit 200 Punkten „den rechtlich niedrigstmöglichen Gewerbsteuerhebesatz“. In Berlin liegt er bei mehr als 400 Punkten.

Vergessen ist die Zeit, als die Flughafengesellschaft Mitte der 90er-Jahre im „Baufeld Ost“ zu überhöhten Preisen Ackerland kaufte. Immer in der Hoffnung, dieses zügig zu lukrativen Gewerbeflächen umzuwandeln. Schnell war die Rede von „Goldbauern“, die sich dort auf Kosten des Steuerzahlers Millionen verschafften. Doch falsch war der Kauf nicht. Nun gehört das Baufeld zu den aussichtsreichsten Flächen für Gewerbe am Flughafen.

Mit 2,1 Milliarden Euro Investitionssumme ist der Flughafen das teuerste Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland. Ende 2011 soll er eröffnen. Profitiert haben die Gemeinden im sogenannten Speckgürtel Berlins aber schon jetzt. Im Mai 2008 eröffnet der Flughafenzubringer A 113, die den Airport an die Autobahn nach Dresden und an den Berliner Stadtring anbindet. Richtung Potsdam wurde die Bundesstraße 96a vierspurig ausgebaut, und Waßmansdorf bekommt einen S-Bahnhof.

An Unterstützung für die ehrgeizigen Pläne der Gemeinde Schönefeld fehlt es nicht. Brandenburg und Berlin wollen die Flughafenregion offensiv vermarkten. Diese soll unter die Top Five der europäischen Flughafenregionen gebracht werden. Die Wirtschaftsfördergesellschaften beider Länder wollen gezielt Firmen aus den Branchen Logistik, Luft- und Raumfahrt, Gesundheitswirtschaft, Optik und Mikrosystemtechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien/Medien, Verkehrssystemtechnik, Automotive sowie dem Dienstleistungssektor für den Standort anwerben, da diese Firmen besonderen Wert auf exzellente Verbindungen legten.

In jedem Fall wird etwa die Anbindung des Flughafens durch die Autobahn A 113 lange vor dem Flughafen fertig sein. Wie berichtet, drohen bei seinem Bau Verzögerungen. Aufgrund zu hoher Preisangebote für das zentrale Flughafenterminal sollen die Aufträge neu ausgeschrieben werden. Fachleute befürchten, dass sich die Inbetriebnahme des Flughafens deshalb um bis zu eineinhalb Jahre verschieben könnte, von 2011 auf das Jahr 2013.