Bürgermeister Oltmann

„Einsamkeit ist die schleichende Krise unserer Zeit“

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Der Grünen-Politiker Jörn Oltmann ist seit der Berlin-Wahl im September 2021 Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg.

Der Grünen-Politiker Jörn Oltmann ist seit der Berlin-Wahl im September 2021 Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Tempelhof-Schönebergs Rathaus-Chef Jörn Oltmann (Grüne) blickt auf die aktuellen Herausforderungen – und wie sein Bezirk sie angehen will.

Berlin.  Einen knappen Monat ist das Jahr 2023 nun alt. Für Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) Zeit, einen genaueren Blick auf die zentralen Themen in dem Bezirk zu werfen, für den er seit eineinhalb Jahren an der Rathausspitze sitzt. Welche Anforderungen gibt es in den Bereichen Wirtschaft, Wohnen, sozialer Zusammenhalt, Klimawandel? Fragt man den Rathaus-Chef, dann kann es für Tempelhof-Schöneberg nur einen Kurs geben: gemeinschaftsfördernder und umweltfreundlicher werden.

Vor allem die Energiekrise habe gezeigt, dass Deutschland und damit auch die Hauptstadt zu abhängig von bestimmten Energieformen sind. „Wenn wir ehrlich sind, wurde in Deutschland viel zu lange auf billige fossile Energieträger wie Erdgas gesetzt und den Ausbau der erneuerbaren Energien ausgebremst. Klimaschutz, Nachhaltigkeit und das legitime eigene Interesse an bezahlbarer Energie müssen aber keine Gegensätze sein“, sagt Oltmann.

Neue Mitte Tempelhof als Blaupause für andere Quartiere

Dabei seien die kostengünstigsten Energieträger erneuerbar. „Erneuerbare Energien werden in der Regel vor Ort erzeugt und verbraucht“, so der Grünen-Politiker. Um Energieunabhängigkeit zu erreichen, können auch die Bezirke einiges tun. Beispielgebend könne dabei etwa das Großprojekt „Neue Mitte Tempelhof“ werden. Ein Mix aus neuen Wohnungen, einem Kulturhaus und Neubauten von Polizeidienststelle, Schwimmbad und Bibliothek. „Abwasserwärme, Geothermie und Solarenergie werden nicht nur den Energiebedarf des neuen Quartiers, sondern auch den des benachbarten Bestands decken können“, so Oltmann.

Diese Konzeption sei im Auftrag des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg erarbeitet worden und könne als Blaupause für andere Quartiere angepasst und nutzbar gemacht werden.

Als Anreiz für Unternehmen umwelt- und klimafreundlicher zu werden, hat der jedes Jahre vom Bezirk verliehene Umweltpreis, der „Green Buddy Award“, eine neue Preiskategorie. Erstmals wird am 29. Juni dieses Jahres ein Projekt oder ein Unternehmen für seine Arbeit im Bereich „Erneuerbare Energien“ gewürdigt.

„Grüner Hirsch“ sucht weitere Mitgliedsunternehmen

Gesucht werden auch noch Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeitscharta „Grüner Hirsch“ anschließen wollen. Einem Zusammenschluss von Firmen, die sich zur Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsziele verpflichten. „Wir wollen zahlreiche neue Unternehmen dazu gewinnen“, so der Rathaus-Chef.

Doch Unternehmen – Gewerbetreibende im Allgemeinen – stehen genau wie Wohnungsmieter vor der Schwierigkeit, sich ihren Gewerbestandort durch steigende Mieten kaum noch leisten zu können. Auch hier will sich Oltmann einbringen und das Land Berlin dazu anregen, erneut eine landeseigene Gesellschaft zu gründen, die Mietflächen für Gewerbe anbietet.

An vier Standorten finden Bürger im Bezirk bereits Mieterberatungsangebote. Diese sollen 2023 weiter ausgebaut werden. „Schwerpunktthemen der Beratungen sind Betriebskostenabrechnungen, Anpassungen der Vorauszahlungen für die Energieversorgung und die Wohngeldreform ab dem 1.1.2023“, erklärt Jörn Oltmann. Dies sind die vier Standorte: AG SPAS, Großgörschenstraße 39, 10827 Berlin, gesoplan gGmbH, Viktoriastraße 13, 12105 Berlin, AG SPAS, Hildburghauserstraße 29b, 12279 Berlin und AG SPAS, Großziethener Straße 94, 12309 Berlin.

Würdigung von ehrenamtlichem Engagement

Tempelhof-Schöneberg will seine Bewohner über neue Projekte zuverlässiger informieren und auch mehr Möglichkeiten der Mitsprache schaffen. Damit Bürgerbeteiligung in Zukunft besser gelingt, soll eine Auftaktveranstaltung am 28. März zunächst klären, was es dafür braucht. Auf der Internetseite mein.berlin.de will der Bezirk seine Vorhaben transparenter kommunizieren und die Möglichkeiten der Beteiligung darlegen.

Nicht zuletzt möchte Jörn Oltmann die hervorheben, die ihr Leben die meiste Zeit allein bestreiten und nicht auf ein stabiles soziales Netz zurückgreifen können. „Einsamkeit ist die schleichende Krise unserer Zeit. Sie ist da und wird oft übersehen“, sagt Oltmann. Ehrenamtliches Engagement kann den sozialen Zusammenhalt stärken. Weshalb er die Berliner dazu motivieren will, so gut es geht etwas für andere zu tun. „Im neuen Jahr will ich die großartige Arbeit des Ehrenamtsbüros weiter stärken.“ Und auch die alte Tradition der Verleihung vom Ehrenarbeitskarten und Verdienstmedaillen an besonders Engagierte will der Bezirk fortsetzen.

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