Ausflugs-Tipp

Spaziergang durch Schöneberg: Promi-Gräber, Parks und Gleise

| Lesedauer: 4 Minuten
Katrin Starke
Viele Grabstätten prominenter Berliner befinden sich auf dem St. Matthäus-Kirchhof in Schöneberg.

Viele Grabstätten prominenter Berliner befinden sich auf dem St. Matthäus-Kirchhof in Schöneberg.

Foto: Katrin Starke

Schöneberg entdecken: Ein Spaziergang entlang der S-Bahn durch den Nord-Süd-Grünzug und den Flaschenhalspark in Schöneberg.

Berlin. Es lohnt sich, mal einen Friedhof zu besuchen und beim Spazieren zwischen den Grabreihen zumindest etwas innere Ruhe zu finden. Der Spaziergang beginnt am U-Bahnhof Kleistpark in Schöneberg, von der Hauptstraße geht es in die Großgörschenstraße.

Dort, wo sich die Straße zu einem Fußgängerweg verengt, unterqueren wir die Bahngleise und erblicken hinter der Unterführung den Eingang zum Alten St. Matthäus-­Kirchhof. Durch das stählerne Tor treten wir ein und entscheiden uns, zunächst rechtsherum zu gehen. Egal, welchen Weg man einschlägt: Man wird man auf diesem Friedhof, auf dem 1856 die erste Beisetzung stattfand, an den Grabstätten Prominenter vorbeikommen. Mit den nebeneinander aufgereihten Grabsteinen gar nicht zu übersehen ist beispielsweise die Grabstätte der Familie Grimm, in der auch die „Märchen-Gebrüder“ Jacob und Wilhelm ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Unübersehbar, wenn man durch den Mittelgang wieder zurückgeht: das Grab von Boxweltmeister Graciano Rocchigiani (verstorben 2018), gestaltet wie ein Boxring mit roten Seilen und Boxhandschuhen aus buntem Sandstein auf dem schwarzen Grabstein. Nur wenige Meter entfernt befindet sich das weit unauffälligere Ehrengrab von Rio Reiser (verstorben 1996), dem Sänger der Band Ton Steine Scherben. Fans müssen dort wohl noch einmal auf ihr Idol angestoßen haben: Auf dem Grabstein liegen „Berliner Luft“-Fläschchen. Schräg gegenüber zieht das Koffer- Denkmal „Die letzte Reise…“ die Blicke auf sich, gestaltet vom Künstler Gerald Matzner (verstorben 2018). Dessen Grab befindet sich unmittelbar in Sichtweite des Denkmals.

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Von der beschaulichen Ruhestätte zum Park am Gleisdreieck

Vor dem Verlassen des Friedhofs pausieren wir im Café „Finovo“, das sich im ehemaligen Verwalterhaus auf dem Areal des Kirchhofs zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt hat. Gestärkt mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen geht es nach rechts in die Großgörschenstraße. Jetzt immer geradeaus, dann zwischen zwei sechsstöckigen Wohnhäusern neueren Baujahrs hindurch, bis die vor uns liegenden S-Bahngleise zu einer Richtungsänderung zwingen. Wir gehen rechtsherum, an den Gleisen entlang folgen wir dem Nord-Süd-Grünzug in südlicher Richtung.

Vorbei am Spielplatz Bautzener Straße unterqueren wir die Monumentenbrücke, bis wir die Kolonnenbrücke erreicht haben. Hier geht es die Treppe hinauf zur Kolonnenstraße, in die wir nach links einbiegen. Nach nur 200 Metern biegen wir hinter einem Discounter links ab und gehen zwischen dem Lokdepot des Technikmuseums zur Linken und den auffälligen Lofts mit den feuerwehrroten Balkonen zur Rechten die Straße Am Lokdepot entlang.

Wir unterqueren die Monumentenbrücke und spazieren weiter durch den Flaschenhalspark, quasi der südliche Ausläufer des Gleisdreieckparks. An der Yorckstraße halten wir uns links, wo sich die beiden S-Bahnhöfe sowie auch der U-Bahnhof Yorckstraße befinden. Wer hier noch nicht heim möchte, kann den Ausflug mit einem Spaziergang durch den Gleisdreieckpark beliebig ausdehnen.

Ausflugs-Info

  • Café Finovo Kaffeespezialitäten und Kuchen aus eigener Herstellung. Das Café macht jeweils 15 Minuten, bevor der Friedhof schließt, ebenfalls zu. Großgörschenstr. 12–14, Schöneberg, auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof, Di. ab 12 Uhr, Mi.–So. ab 10 Uhr
  • Alter St. Matthäus-Kirchhof Auf dem Friedhof finden sich viele repräsentativ gestaltete Grabdenkmäler. Bedeutende Künstler, Musiker und Wissenschaftler sowie erfolgreiche Unternehmer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. So sind der Mediziner und Politiker Rudolf Virchow (1821–1902), die Frauenrechtlerin Minna Cauer (1841–1922) und der Architekt Alfred Messel (1853–1909) hier bestattet. Mehr als 50 Ehrengräber des Berliner Senats sind hier zu finden.
  • Strecke und Dauer Die Strecke ist etwa 3,5 Kilometer lang. Je nachdem, wie lange man sich auf dem Friedhof aufhält, sollten aber rund 75 Minuten für den Spaziergang eingeplant werden.

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