Festival

Riesendrachen über dem Tempelhofer Feld

| Lesedauer: 5 Minuten

Nach zweijähriger Coronapause findet das Festival der Riesendrachen am Sonnabend auf dem Tempelhofer Feld erneut statt.

Berlin.  Bunt, groß und vermeintlich schwebend: Die Riesendrachen erobern am Sonnabend wieder das Tempelhofer Feld. Auf 200.000 Quadratmetern präsentieren sich internationale Drachensportler mit ihren Eigenkreationen in Übergröße. Am Himmel zu sehen sind Haie mit Lachgesichtern oder ein riesiger Gorilla. Nach zwei Jahren Pause während der Corona-Pandemie können es Drachenpiloten wie Robert Kirsch aus Berlin gar nicht erwarten, sich bei einem der größten Festivals dieser Art wieder zu zeigen und für den Sport zu werben.

Lesen und sehen Sie hier mehr über den Tag: Festival der Riesendrachen lockte zum Tempelhofer Feld

Kirsch betreut nicht nur die internationalen Teilnehmer des Festivals und moderiert die Veranstaltung. Er ist gleichzeitig auch das Sprachrohr der Drachenflieger beim Festival der Riesendrachen, das stets von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land organisiert wird. Zuletzt 2019 – mit der letzten Ausgabe des Fests vor der Pandemie – gab er der Berliner Morgenpost bereits einen Einblick in den Sport und in seine eigene Geschichte. Leserinnen und Leser erfuhren beispielsweise, dass der Berliner den Drachen schon als Kind verfallen war und es liebte, die bunten Fluggeräte über sich in der Luft aufsteigen zu sehen.

Festival der Riesendrachen: Neu mit dabei ist der Fisch mit Hut

Kirsch berichtete auch, wie viel Handwerk in einem einzigen Drachen steckt. Aus modernen Materialien gefertigt, stellt jeder Drachenpilot seine eigenen in Handarbeit her. „Dabei versuchen wir pro Drachen immer unter 30 Kilogramm zu bleiben“, berichtet Kirsch vor dem neunten Festival am Sonnabend. Und das hat einen ganz simplen Grund: Denn so könne man einen Drachen auch als Gepäck im Flugzeug aufgeben.

Insgesamt präsentieren sich in der Zeit von 11 bis 20 Uhr gut 80 Drachenflieger. Mit seinem Team „Aufwind extreme“ hat Robert Kirsch für die diesjährige Ausgabe mehrere eigene Drachen mitgebracht, die über dem Feld in die Luft gelassen werden sollen. Der Fisch mit Zylinder sei neu und während langer Corona-Monate entstanden. Man habe eben Zeit gehabt, fielen doch überall auf der Welt viele Veranstaltungen aus. Die Auswirkungen der Pandemie merke man in der Szene sehr deutlich.

Festival der Riesendrachen: Corona hat der Szene geschadet

„Die zwei Jahre Corona haben dem Drachensport nicht gut getan“, sagt der 38-Jährige. Einige große Veranstaltungen in Deutschland seien durch die Pandemie geschluckt worden. Als zu unsicher empfänden noch immer viele die aktuelle Zeit. „An den Drachenpiloten liegt es nicht. Wir sind ein reisendes Volk und präsentieren uns am liebsten jedes Wochenende woanders“, berichtet Kirsch.

Während der Ort den Drachen-Fans also beinahe egal ist, ist anderes wiederum elementar: Der Drachensport ist stark vom Wetter abhängig. Die Vorhersage für Sonnabend ist laut Kirsch „gar nicht so schlecht“. Sonne mit Wind, am Nachmittag wird jedoch Regen erwartet. Zumindest am Vormittag herrschen demnach gute Bedingungen für die fliegenden Figuren. Aus eigener Erfahrung weiß der 38-Jährige jedoch, dass sich das Wetter seit einigen Jahren deutlich häufiger spontan ändert. „Festivals nur mit Sturm habe ich früher nie erlebt“, sagt Kirsch. Heute sei das anders. Extreme Wetterlagen würden zunehmen.

Festival der Riesendrachen: Bei wenig Wind werden Figuren aufgepustet

Für den Fall, dass das Wetter nicht mitspielt, stellen die Drachenflieger ihr Angebot heutzutage auf deutlich breitere Füße. „Wenn wir keinen Wind haben, werden eben die Aufblasfiguren gezückt“, sagt Kirsch. Die lassen sich vom Boden aus bestaunen. Dazu gibt es „Boden-Painting“.

Wo Schweine fliegen können - 7. Festival der Riesendrachen
Wo Schweine fliegen können - 7. Festival der Riesendrachen

Dennoch: Der Fokus für Robert Kirsch und seine Mitstreiter liegt auf dem Drachenfliegen. Und inzwischen auch auf der Nachwuchsakquise. „Wir zeigen uns stets offen und auskunftsfreudig“, berichtet Kirsch, der selbst schon seit dem er zwölf Jahre alt ist, professionell dabei ist. Denn der Altersdurchschnitt unter den Drachenpiloten steige immer mehr. Deshalb werden Gelegenheiten wie das Festival der Riesendrachen auch immer dafür genutzt, Werbung in eigener Sache zu machen.

Festival der Riesendrachen: Vorführungen mit Lenk- und Großdrachen

Zu jedem Festival gehören auch Vorführungen mit Lenk- und Großdrachen sowie Ein- und Zweileinern. Darunter sind etliche Profis. Viele Welt- und Europameister sind am Start und zeigen ihr Können. Begleitet wird die Veranstaltung von einem Bühnenprogramm mit Live-Musik. Am Sonnabendabend soll es zudem ein kleines Feuerwerk geben. Der Eintritt ist frei.

Festival der Riesendrachen - die schönsten Bilder