Wohnen

Richtfest für den „Lebensort Vielfalt am Südkreuz“

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Das Wohnhaus der Schwulenberatung Berlin befindet sich an der Ella-Barowsky-Straße, ehemals Tempelhofer Weg.

Das Wohnhaus der Schwulenberatung Berlin befindet sich an der Ella-Barowsky-Straße, ehemals Tempelhofer Weg.

Foto: Julia Lehmann / Berliner Morgenpost

Die Schwulenberatung Berlin baut am Südkreuz 69 Wohnungen speziell für homosexuelle, transgender und intergeschlechtliche Menschen.

Berlin. Die Schöneberger Linse am Bahnhof Südkreuz ist im Wandel wie kaum ein anderes Stadtgebiet in Berlin. An vielen Ecken wachsen neue Gebäude in die Höhe. Darunter ist auch ein soziales Wohnprojekt der Schwulenberatung Berlin. Bis Jahresende entstehen an der Ella-Barowsky-Straße 27/28 69 Wohnungen gezielt für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und intergeschlechtliche (LSBTI*) Menschen. Am Freitag wurde Richtfest für den „Lebensort Vielfalt am Südkreuz“ gefeiert.

Die Schwulenberatung baut dieses Wohn- und Bürogebäude zur besseren Integration, Unterstützung und Sichtbarmachung der LSBTI-Community. Bislang mangelt es an Angeboten, die speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtet sind. „Diese sind aber wichtig, weil viele Menschen Diskriminierung erfahren haben“, sagt Marcel de Groot, Geschäftsführer der Schwulenberatung Berlin.

Kita bietet Platz für 45 Kinder

Neben Wohnungen werden auch zwei therapeutische Wohngemeinschaften sowie eine Pflege-Wohngemeinschaft realisiert. Darüber hinaus wird es Räume für Gastronomie und Büroräume für die Schwulenberatung geben. Eine Kindertagesstätte bietet Platz für 45 Kinder.

Wie groß die Wohnungsnot in Berlin ist, zeigt auch dieses Projekt. „Wir haben derzeit 500 Menschen auf der Warteliste“, sagt de Groot. Aufgrund der Schwerpunktarbeit, die die Schwulenberatung leiste, müsse und dürfe man bei der Auswahl der zukünftigen Bewohner und Mieter nach der sexuellen Orientierung fragen.

25 Millionen Euro soll das Projekt kosten

Die Hälfte der 69 Wohnungen kann ausschließlich mit WBS-Schein bezogen werden. Für alle anderen wird ein Mietpreis ab 15 Euro verlangt. Um Kredite zu bedienen, sei das nicht anders möglich, sagt de Groot. Dennoch ärgere ihn, dass es finanziell nicht möglich sei, zu günstigeren Mietpreisen zu bauen und somit Wohnraum für die Mitte der Bevölkerung zu schaffen. 25 Millionen Euro soll die Realisierung des Projekts kosten. Finanziert wird es durch Stiftungen, Kredite, Erbschaften, Spenden und Eigenmittel.

Die Planer des Gebäudes kommen vom Büro roedig shop Architekten und nahmen 2019 die Arbeit auf. Sie realisierten bereits andere Projekte für die Schwulenberatung Berlin. Der Bau war mit etwas Verzögerung gestartet, die Corona-Pandemie sorgte zusätzlich für Lieferengpässe bei Materialien. In diesem Jahr bereite zudem der Krieg in der Ukraine Schwierigkeiten bei der Versorgung.

Corona und Ukraine-Krieg führen zu Lieferengpässen

Im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine seien solche Projekte wichtig, so de Groot. „Für mich ist das Haus ein Zeichen der Hoffnung und ein Versprechen darauf, dass es eine bessere Zukunft geben kann.“

Aus Sicht der Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Angelika Schöttler (SPD), passe das Haus gut zum für seinen Regenbogenkiez bekannten Stadtteil Schöneberg. „Berlin braucht Orte, an denen sich bestimmte Zielgruppen wiederfinden.“ Für Tempelhof-Schöneberg ist es das erste Projekt dieser Art. Gerade durch die Kombination mit Pflege und altersgerechtem Wohnen erfülle es zudem eine weitere wichtige soziale Aufgabe, so Schöttler.

An einem „Tag der offenen Baustelle“(21. Mai, 12 bis 17 Uhr) kann das Gebäude besichtigt werden.

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