Schöneberg

Jugendverkehrsschule am Sachsendamm bekommt die Kündigung

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Auf dem Gelände am Sachsendamm übernimmt die Wendepunkt gGmbH seit Jahren die Verkehrserziehung von Kindern des Bezirks. 

Auf dem Gelände am Sachsendamm übernimmt die Wendepunkt gGmbH seit Jahren die Verkehrserziehung von Kindern des Bezirks. 

Foto: Wendepunkt gGmbH

Damit fällt einer von zwei Standorten für die Verkehrserziehung von Grundschulkindern in Tempelhof-Schöneberg weg.

Berlin. Für die Jugendverkehrsschule am Sachsendamm in Schöneberg ist bald Schluss. Im Juni schon könnten Kinder dort ihre letzten Trainingsrunden mit dem Fahrrad gedreht haben. Der Eigentümer, die Familie Krieger, denen auch das benachbarte Möbelhaus Höffner gehört, hat dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg den Pachtvertrag für das Grundstück gekündigt. Die Fläche soll mit einem Hochhaus bebaut werden. Der Bezirk jedoch lehnt die Pläne des Eigentümers nicht nur wegen der wegfallenden Verkehrsschule ab.

Die Abstimmungen über das Projekt befänden sich zwar noch in einer sehr frühen Phase, teilt Bezirksbaustadträtin Angelika Schöttler (SPD) auf Nachfrage mit. „Der Neubau entspricht allerdings nicht den städtebaulichen Entwicklungszielen des Bezirks für den Bereich um den Bahnhof Südkreuz.“ Für das Gebiet um den S- und Fernbahnhof gebe es ein „Hochhausentwicklungsleitbild“, in dem neue Hochpunkte festgelegt wurden.

„Wendepunkt“ betreibt zwei Verkehrsschulen in Tempelhof-Schöneberg

„Das relativ kleine Grundstück in dem Dreieck Autobahn/Autobahnzufahrt/Sachsendamm wurde in dem Konzept nicht herausgearbeitet“, so Angelika Schöttler. Das bedeutet, hier widersprechen sich klar die Ziele des Bezirks mit denen des Grundstückseigentümers. Erste Gespräche über eine Bebauung des Grundstücks habe es bereits vor zwei Jahren gegeben, bisher jedoch ohne abschließendes Ergebnis.

Nun schafft der Grundstückseigentümer, die KGG GmbH, Tatsachen und kündigte dem Bezirk Anfang April den Nutzungsvertrag für die Fläche. Kündigungsfrist: drei Monate. Der soziale Träger „Wendepunkt gGmbH“ betreibt dort am Sachsendamm im Auftrag des Bezirks eine von zwei Jugendverkehrsschulen. Kinder im Grundschulalter lernen das sichere Fahrradfahren und trainieren Verkehrsregeln. Ein zweiter Standort im Bezirk befindet sich in der Friedenstraße in Tempelhof.

Verkehrserziehung: 21 Grundschulen nutzen Standort am Sachsendamm

„Allein die Schöneberger Verkehrsschule nutzen 21 Grundschulen aus dem Umkreis“, sagt Joachim Hampel von Wendepunkt. Das entspreche 1200 Kindern pro Jahrgang. Die Verkehrserziehung ist in den dritten und vierten Klassen fester Bestandteil des Unterrichts. Die Schülerinnen und Schüler kommen drei Mal im Schuljahr zum angeleiteten Unterricht auf der Übungsfläche sowie sechs Mal zum selbstständigen Training am Nachmittag.

Da die zweite Verkehrsschule in etwa dieselbe Anzahl von Schülern betreue, könne sie den Wegfall des Schöneberger Standortes nicht auffangen, so Hampel. „Es gibt keinen alternativen Standort für die Leistungen.“ Auch aus Sicht des Bezirks ist die Kündigung der Fläche ein Problem. Man suche derzeit nach Ersatzflächen, wie Tempelhof-Schönebergs Schulstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) kürzlich im Rahmen einer mündlichen Anfrage der Grünen-Bezirksverordneten Annabelle Wolfsturm mitteilte. Gegen die Kündigung könne man jedoch nicht vorgehen. Das Rechtsamt sei zu dem Ergebnis gekommen, dass diese rechtlich Bestand habe, so Dollase.

BVV stimmt für Erhalt der Verkehrsschule im Norden Tempelhof-Schönebergs

Auch unter den Bezirksverordneten in Tempelhof-Schöneberg hat es Reaktionen auf die Kündigung gegeben. Die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) stimmte einem Dringlichkeitsantrag der CDU zu. Damit sprach man sich gezielt für den Erhalt einer Jugendverkehrsschule im Norden des Bezirks aus. Unterstützt würden auch die Bemühungen des Bezirksamts, mit dem Grundstückseigentümer eine Möglichkeit zu suchen, die Nutzungsdauer zu verlängern.

Ob dies Aussicht auf Erfolg hat, ist allerdings unklar. Kontaktaufnahmen mit der Familie Krieger und der KGG GmbH blieben bislang ohne Erfolg.