Drogenkonsum

Bezirk lässt neue Behälter für benutzte Spritzen aufstellen

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Von zurückgelassenen Spritzen wie diesen können erhebliche Krankheitserreger ausgehen.

Von zurückgelassenen Spritzen wie diesen können erhebliche Krankheitserreger ausgehen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Drei neue Auffangbehälter sind im Nelly-Sachs- und Alice-Salomon-Park zu finden. In Schöneberg eröffnet ein Kontaktladen für Süchtige.

Berlin. Immer wieder hinterlassen drogensüchtige Menschen ihr Konsumbesteck an sensiblen Orten wie Kinderspielplätzen, Bahnhöfen oder Parks. Um Spritzen und andere Utensilien bei einem Fund korrekt und ungefährlich entsorgen zu können, hat der Bezirk Tempelhof-Schöneberg insgesamt drei weitere Spritzenabwurfbehälter im Nelly-Sachs-Park und im Alice-Salomon-Park aufstellen lassen. Weitere Behälter sollen folgen. Sie sind Teil des umfangreichen Maßnahmenkatalogs, den Bezirk zur Eindämmung des öffentlichen Drogenkonsums entwickelt hat.

„Spritzenabwurfbehälter bieten Menschen, die im öffentlichen Raum Drogen konsumieren, die Möglichkeit, ihre Konsumhinterlassenschaften sicher zu entsorgen“, schreibt das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg in einer Mitteilung. Tatsache ist jedoch, dass es häufig Passanten oder die Mitarbeitenden des Drogennotdienstes Berlin sind, die benutztes Spritzbesteck aufheben und entsorgen. Damit sich niemand daran verletzt, werden diese stichundurchlässigen Behälter aufgestellt. Gerade im Schöneberger Norden, entlang der U-Bahnhöfe, halten sich besonders viele Drogenkonsumenten auf.

Benutztes Spritzbesteck kann Krankheiten übertragen

Von benutztem Spritzbesteck können „massive Gesundheitsgefährdungen“ ausgehen, so das Bezirksamt weiter. Durch Stichverletzungen können Krankheitserreger übertragen werden. „Neben der mobilen Straßensozialarbeit durch das Team des Drogennotdienstes Berlin und dem nunmehr gut angenommenen und etablierten Drogenkonsummobil von Fixpunkt an der Apostel-Paulus-Kirche kann auch die Aufstellung von Spritzenabwurfbehältern im öffentlichen Raum dazu beitragen, Gesundheitsgefährdungen zu minimieren.“

Damit auch die Konsumenten selbst für das Problem von öffentlich zurückgelassenem Spritzbesteck sensibilisiert werden, gehen die Straßensozialarbeiter und Mitarbeitenden des Parkmanagements proaktiv auf Konsumenten zu und weisen sie auf die Behälter hin. „Gleichzeitig können die Straßensozialarbeiter Hilfsangebote machen, saubere Konsumutensilien ausreichen und zudem auf das Drogenkonsummobil verweisen, in dem ein cleaner Konsum möglich ist“, erklärt das Bezirksamt die weitere Vorgehensweise.

Drogenkonsummobil kommt jede Woche nach Schöneberg

Denn das Ziel lautet eigentlich, Drogenkonsum möglichst gar nicht erst im öffentlichen Raum stattfinden zu lassen. Dafür kommt jede Woche, Montag bis Freitag von 9.30 Uhr bis 13.30 Uhr, das Drogenkonsummobil zur Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg.

An diesen Standorten in Tempelhof-Schöneberg gibt es zudem weitere Spritzenabwurfbehälter: Bayrischer Platz, U-Bahnhof Eisenacher Straße, U-Bahnhof Alt-Tempelhof, S-Bahnhof Tempelhof, U-Bahnhof Bülowstraße, Bülowstraße/Ecke Goebenstraße, Kurfürstenstraße, Frobenstraße, U-Bahnhof Yorckstraße und Kurt-Hiller-Park.

Kontaktladen für Drogensüchtige eröffnet in der Bülowstraße

Wie der Bezirk darüber hinaus am Dienstag mitteilte, wird der Drogennotdienst in der Bülowstraße 106 in Schöneberg einen Kontaktladen für Drogensüchtige eröffnen. Derzeit werden die Räume vorbereitet, sodass dort ab dem Frühsommer niedrigschwellige Beratungs- und Versorgungsangebote unterbreitet werden können. Wer es benötigt, bekommt dort auch Kleidung, Kaffee, Tee, Wasser und kleine Mahlzeiten. Auch sauberes Konsumbesteck wird ausgegeben.

Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) unterstützt die Eröffnung des Kontaktladens ausdrücklich: „Der Kontaktladen ist für die Betroffenen zunächst einmal ein fester, verlässlicher Ort, an dem sie akzeptiert und unterstützt werden, zur Ruhe kommen und sich mit dem Nötigsten versorgen können. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, dass solch eine feste Anlaufstelle die gesundheitliche und soziale Situation von Wohnungslosen, Heroinabhängigen, Substituierten und Sexarbeiterinnen stabilisiert.“

All diese Maßnahmen sowie die kontinuierliche Netzwerkarbeit mit der aufsuchenden Straßensozialarbeit „sind Bestandteile dieser bezirklichen Gesamtstrategie der Suchthilfe“, wie das Bezirksamt erklärt. „Allen Anstrengungen liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Sicherheit und Lebensqualität aller Beteiligten mit der Anerkennung eines Problems und der Entwicklung von wirksamen Maßnahmen besser und nachhaltiger erreicht werden kann als durch die Verdrängung des Problems in andere Kieze.“