Schöneberg

Gewobag-Mieter seit Sonnabend ohne Heizung

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Sechs Heizzentralen der Gewobag sind derzeit defekt. Von jeder Zentrale sind viele Mieter abhängig.

Sechs Heizzentralen der Gewobag sind derzeit defekt. Von jeder Zentrale sind viele Mieter abhängig.

Foto: Fernando Gutierrez-Juarez / dpa

Seit Sonnabend frieren Mieter in der Steinacher Straße in Schöneberg in ihren Wohnungen. Wann die Heizungen wieder laufen, ist unklar.

Berlin. Seit Sonnabend sitzen Schöneberger Mieter „Am Mühlenberg“ in kalten Wohnungen, die Heizungen sind ausgefallen. Von den Ausfällen betroffen sind laut Gewobag 1400 Mieter - auch in anderen Teilen Berlins. Die Gewobag will genaue Adressen nicht bekannt geben. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft hat auf Anfrage mitgeteilt, dass derzeit sechs Heizungsanlagen Störungen aufweisen. Davon sind zwei in Tempelhof-Schöneberg betroffen. Seit wann der Ausfall besteht und bis wann die Heizungen wieder laufen, kann das Unternehmen nicht sagen.

„Wir sind uns der Unannehmlichkeiten, die unseren MieterInnen entstehen, bewusst und bedauern diese sehr“, erklärt die Gewobag gegenüber der Berliner Morgenpost. Bei einem Bestand von über 72.000 Wohnungen und über 1200 Heizzentralen seien Ausfälle aber nie auszuschließen. Die Dienstleister würden Schäden „in der Regel am selben Tag“ beheben. Dies sei pandemiebedingt derzeit jedoch „durch Engpässe bei der Beschaffung von Ersatzteilen zusätzlich erschwert“. Heißt konkret: Die Heizungen bleiben auf unbestimmte Zeit aus.

Heizungsausfall bei der Gewobag: 16,9 Grad in der Wohnung

Mieter wie Andreas P. können bereits seit Sonnabend ihre Wohnung nicht heizen – und das bei Außentemperaturen zwischen sieben und neun Grad am Tag. 16,9 Grad hat P. am Mittwochvormittag in seiner Wohnung in der Steinacher Straße in Schöneberg gemessen. In seinem vierstöckigen Wohnhaus in der Nähe des Rathauses Schöneberg seien alle Mieter vom Heizungsausfall betroffen, berichtet er. Auch der Hausaufgang nebenan. „Hier leben kleine Kinder und ältere Menschen. Das geht eigentlich überhaupt nicht, gerade während Corona“, sagt P.

Er müsse sich auch um seinen eigenen Gesundheitszustand Gedanken machen. Er sei vorerkrankt. „Es zieht bis in die Knochen“, sagt P. Einen Heizstrahler habe er sich deshalb gleich gekauft. Einen zweiten habe er sich geliehen. Dabei hat P. durchaus Verständnis für den Ausfall: „Dass technische Elemente kaputtgehen, ist ja normal.“ Mit Blick auf den Zustand der Wohnanlage vermutet er aber ein größeres Problem: „Die Wohnungen hier verwahrlosen regelrecht.“ Insgesamt würden Gewobag-Wohnungen einen schlechten Ruf genießen. Seine Wohnung beschreibt er mit „Abriss“, als Frührentner sei er jedoch auf eine günstige Wohnung wie diese angewiesen.

Mieter sollen sich auf Gewobag-Kosten Heizlüfter kaufen

Aus einem Schreiben der Gewobag, das ein Mieter als Aushang in den Wohnblock gehängt hat, geht ebenfalls hervor, dass man den Schaden bisher nicht beheben konnte. Mieter können sich für maximal 80 Euro einen Heizlüfter kaufen, den Kaufpreis will die Gewobag „bei längerfristigen Ausfällen“ erstatten. Dadurch entstandene Stromkosten bis 20 Euro im Monat würden durch das Unternehmen übernommen.

Beschwerden über die Gewobag betreffen häufig Mängel an den Wohnungen und ausfallende Heizungen. Die Gewobag ist sich über die Schwächen ihrer technischen Ausstattung durchaus bewusst. Aus diesem Grund werden bei Modernisierungen der Heizungsanlagen „langfristige und nachhaltige Lösungen“ gesucht. „Überall dort, wo keine Fernwärme verfügbar ist, setzen wir bei Anlagenerneuerungen auf lokale Erzeugung von Wärme und Strom mittels Blockheizkraftwerken und bauen diesen Bestand kontinuierlich aus“, erklärt die Wohnungsgesellschaft. Modernisierung sollen Neubau- oder Verdichtungsquartiere ebenso wie den Bestand betreffen. Mieter müssen darauf jedoch häufig lange warten.

Das Ensemble „Am Mühlenberg“ will die Gewobag durch Nachverdichtung ergänzen. Dort sollen drei neue Gebäude mit 120 Wohnungen entstehen. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.