„Starke Seiten“

Zerstörte Bücher: Dritte Lesung in der Bezirksbibliothek

| Lesedauer: 3 Minuten
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg entschied sich dafür, auf die Vorfälle, bei denen Bücher kaputt gemacht worden waren, durch eine Lesereihe aufmerksam zu machen.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg entschied sich dafür, auf die Vorfälle, bei denen Bücher kaputt gemacht worden waren, durch eine Lesereihe aufmerksam zu machen.

Foto: Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg

Das Format „Starke Seiten“ nimmt Bezug auf die von Unbekannten zerstörten Bibliotheksbücher. Am 9. Dezember liest Autor Andreas Speit.

Berlin. Als Reaktion auf die durch Unbekannte zerstörten Bücher in der Bezirkszentralbibliothek „Eva-Maria-Buch-Haus“ in Tempelhof hat der Bezirk eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Am 9. Dezember (19 Uhr) findet bereits die dritte Lesung zum Format „Starke Seiten“ statt. Diesmal liest Autor Andreas Speit aus zwei seiner Sachbücher.

Speits Werke „Verqueres Denken – Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus“ und „Völkische Landnahme – Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ beschäftigen sich beide mit Gruppierungen mit rechtsextremen Tendenzen. Das erst im Juni dieses Jahres erschienene Werk „Verqueres Denken“ nimmt dabei Bezug auf die coronakritischen Proteste der „Querdenken“-Bewegung.

„Starke Seiten“: Mehrfach Bibliotheksbücher zerstört

Bei den Demonstrationen, die häufig in Berlin stattfanden, fiel auf, dass verschiedenen Gruppen, darunter Rechtsradikale, Esoteriker oder Alternative, gemeinsam gegen die Corona-Politik wetterten. Speit beschreibt in seinem Buch, wie beispielsweise „vegane Ernährung“ und „Tierschutz“ mit rechtsextremem Gedankengut und Verschwörungstheorien heutzutage Hand in Hand gehen können. Speit ist Diplom-Sozialökonom und arbeitet als freier Journalist und Publizist.

Zur Veranstaltungsreihe „Starke Seiten“ wurden gezielt Autoren eingeladen, die sich kritisch mit rechtsextremen Tendenzen beschäftigen. Speits Werk ist noch dazu eines derer, die in der Bibliothek mutwillig kaputt gemacht worden waren. Weil dieses und andere zerstörte Bücher durchweg eine kritische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus beförderten, vermutete der Bezirk einen Angriff aus rechten Kreisen, wollte sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Im Gegenteil: Das Bibliothekskollegium ging in die Offensive und initiierte Diskussionen über Themen wie Rechtsextremismus. Weil die Veranstaltungen zu anregenden Debatten geführt hätten, wie Nadja Gragert-Klier von der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg sagt, will man im kommenden Jahr sogar noch einen Schritt weitergehen. „Wir erhalten weiterhin viele positive Signale für unseren Umgang mit den Vorfällen, was uns bestärkt und für die weitere Planungsarbeit inspiriert“, so Gragert-Klier.

Wachschutz beauftragt, seit dem keine Vorfälle mehr

So soll in die nächste Debatte auch die Frage einfließen, warum Bibliotheken bestimmte Titel überhaupt im Bestand haben. „Der Buchbestand einer öffentlichen Bibliothek bildet ab, was aktuell erscheint und nachgefragt wird. Doch was einige Menschen lesen möchten, ist für andere schwer zu ertragen“, so Gragert-Klier. Die Bibliothek werde so zur „Konfliktzone“.

Seit dem ein Wachschutz beauftragt wurde, habe es keine weiteren Vorfälle mit zerstörten Büchern gegeben, so Gragert-Klier. Auch weil man den Zugang zu den Toiletten, wo die Bücher in der Vergangenheit vermutlich zerstört worden waren, nur noch auf Nachfrage erhalte.

Der Eintritt zur Lesung ist frei. Es gilt die 2G-Regel sowie Maskenpflicht auch am Platz. Eine Anmeldung wird unter stabi-anmeldung@ba-ts.berlin.de erbeten.

Lesung mit Andreas Speit mit anschließender Diskussion, 9.12., 19 Uhr, Bezirkszentralbibliothek „Eva-Maria-Buch-Haus“, Götzstraße 8-12, 12099 Berlin