Wettbewerb

Gedenkort KZ Columbia wird neu gestaltet

Der Siegerentwurf sieht den knapp 42 Meter langen Schriftzug „nicht mehr zu sehen“ vor.

In großen mit roten Dachziegeln gelegten Buchstaben soll der Schriftzug „nicht mehr zu sehen“ am Tempelhofer Flughafen an die Gräueltaten der Nazis im KZ Columbia erinnern.

In großen mit roten Dachziegeln gelegten Buchstaben soll der Schriftzug „nicht mehr zu sehen“ am Tempelhofer Flughafen an die Gräueltaten der Nazis im KZ Columbia erinnern.

Foto: Martin Bennis und Weidner Händle Atelier / Topographie des Terrors

Äußerlich erinnert nur wenig an die dunkle Phase in der Geschichte des Tempelhofer Flughafens. Bevor der 2008 geschlossene Flughafen während der Luftbrücke zum Symbol der Solidarität wurde, befand sich auf dem Gelände, direkt am Columbiadamm, das durch die SS errichtete Konzentrationslager Columbia. Heute liegt all das lang zurück und unter einer dicken Schicht aus Erde und Rasen verborgen. Viel ist nicht mehr zu sehen. Das waren auch die Gedanken des Architekten Martin Bennis, der mit genau diesen Worten „nicht mehr zu sehen“ den Gestaltungswettbewerb der Tempelhof Projekt

GmbH und der Stiftung Topographie des Terrors gewonnen hat. Wo von 1934 bis 1936 gut 8000 Häftlinge untergebracht waren, soll bis zum nächsten Sommer dieser Wortlaut in großen Lettern zum Gedenken an diese Zeit zu lesen sein.

Das KZ wurde 1938 abgerissen. Es wurde insgesamt zwei Jahre für die Inhaftierung von Homosexuellen, sogenannten „Berufsverbrechern“, Juden, politisch Andersdenkenden oder Künstlern genutzt und war das einzige, das sich mitten in Berlin befand. Folter und Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Nach der Schließung wurden viele der Inhaftierten nach Sachsenhausen gebracht. Heute überlagert der in der NS-Zeit geplante Großflughafen Tempelhof sowie der Columbiadamm diesen historischen Ort. Wie Andrea Riedler, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, erklärte, habe die Herausforderung darin bestanden, dass an diesem Ort schlicht nichts mehr davon zu sehen sei. „Die Wichtigkeit des Ortes ist nicht erkennbar.“ Zusammen mit der Tempelhof Projekt GmbH wollte man diesen „Nicht-Ort“ stärker zu einem Ort des Gedenkens machen.

Eine Anspielung mit Doppeldeutigkeit

Das Satzfragment „nicht mehr zu sehen“ will auf diese Abwesenheit anspielen und ist gleichzeitig doppeldeutig. „Das Wort ,mehr’ könne sowohl als zeitlich als auch quantitativ verstanden werden“, sagt Martin Bennis. Zugleich wecke es die Aufmerksamkeit des Passanten, der sich frage: Was ist hier nicht mehr zu sehen? Antworten findet der Fragende auf den beiden schon vorhandenen Informationsstelen.

Um den knapp 42 Meter langen Schriftzug gut sichtbar anzubringen – der Columbiadamm wird durch Rad- und Autofahrer sowie Fußgänger täglich stark frequentiert –, nutzt Martin Bennis und das Team vom Weidner Händle Atelier die Neigung der dem Flughafengebäude vorgelagerten Böschung, die sich über dem historischen Garagenzug befindet. Die großen Lettern sollen in der Erde montiert und mit roten Dachziegeln aufgefüllt werden, die sich gut in die Umgebung einpassen würden.

Künstlerisch und einen Tick irritierend

Acht Bewerbungen sind im Rahmen des Wettbewerbs eingegangen. Die Ge

samtkosten für die Gestaltung des Gedenkorts durften 95.000 Euro nicht übersteigen. Zwei weitere Entwürfe kamen in die engere Auswahl und wurden mit einem Preisgeld gewürdigt. „Martin Bennis Entwurf hat vor allem deshalb überzeugt, weil er in seiner Klarheit und Dimension gut zum Flughafen Tempelhof passt“, sagte Jutta Heim-Wenzler, Geschäftsführerin der Tempelhof Projekt GmbH. Die Gestaltung des Gedenkortes habe mit der Größe des Flughafens mithalten müssen. „Das Künstlerische und einen Tick Irritierende hat den Ausschlag gegeben“, so Heim-Wenzler.

Wie lange der Schriftzug bleiben kann, ist wegen der dringend erforderlichen Sanierung des Flughafengebäudes ungewiss. Da aber nicht klar sei, so Heim-Wenzler, wann dieser Bereich des Flughafens erneuert werde, könnten es zwei oder auch zehn Jahre sein.

Den Anfang machte das in diesem Jahr eröffnete Besucherzentrum „Check-In“. Inzwischen sei auch eine vertragliche Abstimmung für den Umzug des Alliiertenmuseums in Dahlem in den Hangar 7 des Flughafens erfolgt. Im Moment saniere man den Tower, dessen obere Ebene als Ausstellungsfläche genutzt werden soll. „Die Sanierung des Flughafens ist ein Projekt, das Jahre dauern wird“, so Heim-Wenzler.