Friedenau

Theater Morgenstern zwischen Baustelle und Corona

Der Spielbetrieb kommt wegen Sanierungsarbeiten nur allmählich wieder in die Gänge. Das Team nutzt die Pause und schmiedet Pläne.

Selim Çınar (v. l.), Pascale Senn Koch und Daniel Koch im Saal des Theaters Morgenstern.  

Selim Çınar (v. l.), Pascale Senn Koch und Daniel Koch im Saal des Theaters Morgenstern.  

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Unsicherheiten und Krisen kennt Selim Çınar. Seit 15 Jahren steht der Schauspieler regelmäßig im Kinder- und Jugendtheater Morgenstern auf der Bühne. Immer wieder musste das Schauspielhaus um sein Fortbestehen kämpfen – und Çınar kämpfte mit. Coronabedingte Vorstellungsverbote und die lange Sanierungsphase des ehemaligen Friedenauer Rathauses, in dem das Theater seit vielen Jahren zu Hause ist, haben aber weder Çınar noch die beiden Leiter Pascale Senn Koch und Daniel Koch zum Verzweifeln gebracht. Sie haben die erzwungene Pause genutzt, sich neu zu organisieren und neue Projekte zu entwickeln. Jetzt kann es wieder losgehen.

Selim Çınar hat vor allem die Bewegung gefehlt. Auf der Bühne sei ausdrucksstarke Körpersprache ein wesentliches Element seines Schauspiels, sagt er. Von jetzt auf gleich, als der Lockdown kam, war damit Schluss. Das Team stand eine Woche vor einer Premiere, als es so weit kam. „Ich hatte schlaflose Nächte“, sagt Çınar. Da für ihn als freiberuflicher Schauspieler plötzlich jede Einnahmequelle versiegt war, habe er große Existenzängste gehabt. „Diese Phase zu überstehen, war nur durch meine Frau Giannina möglich.“ Nicht alle Darsteller sind wie Çınar beim Morgenstern geblieben. Manche hat es gleich in eine andere Stadt getrieben.

Theater auf der Baustelle

Im Juni konnte Selim Çınar zumindest die theaterpädagogischen Projekte

mit Kindern und Jugendlichen wieder aufnehmen. Die ersten Vorstellungen fanden am vergangenen Wochenende im Theater Morgenstern statt. Und das trotz Baustelle. Nachdem die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die das Rathaus für das Land Berlin betreut und saniert, ihr Okay gegeben hat, wurden halb fertiger Theatersaal und Baugerüste in das Spiel integriert.

Wenn die BIM erneut ihre Zusage erteilt, kann Çınar am kommenden Wochenende auch endlich selbst wieder auftreten. Zusammen mit einem Schauspielkollegen hat er in den vergangenen Monaten ein durch den Bezirk Tempelhof-Schöneberg gefördertes Stück über Rassismus einstudiert. „Ich bin doch kein Rassist“ soll am 31. Oktober Premiere feiern. „Ich bin sehr dankbar, dass es endlich wieder losgeht“, sagt Çınar. Er freue sich noch mehr auf das neue Theater, das am Ende der langen Bauarbeiten als Belohnung wartet.

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Fortbestand des Theaters bis Februar 2021 gesichert

Die Kombination aus den Einschränkungen durch Corona und die umfangreiche Baustelle in den Theaterräumen seien eine besondere Herausforderung, sagt Pascale Senn Koch. „Solange wir nicht komplett schließen müssen, können wir mit Corona aber ganz gut leben“, sagt sie. Der fehlende Spielbetrieb sei schlimmer. Rettung kam zumindest in finanzieller Natur. Eine Strukturförderung des Berliner Senats ermöglicht den Fortbestand des Theaters bis zum geplanten Ende der Baumaßnahmen. „Wir hätten sonst nicht gewusst, was wir machen sollen“, sagt Pascale Senn Koch. Eigentlich sollten die Arbeiten bereits Ende September beendet sein. Aber daraus wurde nichts. Auch deshalb gehen die Theatermacher mit kleineren Projekten wieder direkt in die Schulen.

Aber für das Theater hätte es auch weit schlimmer kommen können. Die Sanierung war dringend erforderlich und konnte zu großen Teilen auf die Sommerpause gelegt werden. „Dafür werden wir nach der Fertigstellung ein pandemieresistentes Theater haben“, ist sich Pascale Senn Koch sicher. „Wir haben mehrere Ausweichräume.“

Neue Toiletten, Brandschutz, Abluft

Noch immer ist einiges zu tun. Derzeit werden gerade neue Sanitäranlagen

verbaut. Zudem sind Brandschutzarbeiten und die Erneuerung der Abluftanlage dran. Der Denkmalschutz des mehr als 100 Jahre alten Rathausgebäudes erschwert das Vorankommen. Man hatte sich nach so vielen Jahren schon beinahe an alles gewöhnt, sagt Daniel Koch. „Wir arbeiten seit fast 20 Jahren in einem Provisorium.“ Diese Phase endet nun bald.

Die vergangenen Monate habe man aber sinnvoll genutzt, erzählen Pascale Senn Koch und ihr Mann Daniel Koch. Das Team haben sie erweitert. Neu dazu gekommen sind Mitarbeiter für den Bereich Theaterpädagogik, die Technik sowie Verwaltung und Projektplanung. Gesichert sind diese Posten auch nur für ein paar Monate. Danach müsse es schnell bergauf gehen.

Außerdem hat sich das Team weitere Programmpunkte überlegt, die inmitten der Baustelle stattfinden sollen. Dieses Wochenende thematisieren Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren in dem Stück „SehnSüchtig“ die Zwangsarbeit. Am Sonnabend, 16 Uhr, ist Premiere. Weitere Vorstellungen um 19 Uhr sowie Sonntag 16 Uhr.

Zuvor, ab 14.30 Uhr, präsentieren Kinder im Rahmen des Projekts „Kiez auf den Teppich“, welche Geschichten sie von den Friedenauer gehört haben. Der Kiezteppich wird auf dem Breslauer Platz ausgerollt.

Weitere Veranstaltungsinfos unter www.theater-morgenstern.de