Buchveröffentlichung

„Mittendrin in Tempelhof-Schöneberg“: Zweiter Band erscheint

Wo gibt’s echte Bauern? Welcher Promi wurde in Mariendorf beerdigt? Wissenswertes über Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD, l.) und Autorin Brigitte Schmiemann präsentieren das neue Buch „Mittendrin in Tempelhof-Schöneberg“ in der ufa Fabrik.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD, l.) und Autorin Brigitte Schmiemann präsentieren das neue Buch „Mittendrin in Tempelhof-Schöneberg“ in der ufa Fabrik.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

„Mittendrin in Tempelhof-Schöneberg“ gibt es nun als Fortsetzung. Die Autorin und ehemalige Morgenpost-Redakteurin Brigitte Schmiemann hat sich für Band II des Taschenbuchs die Ortsteile Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade genauer angesehen. Auf 132 Seiten hat sie im Auftrag des Bezirks Tempelhof-Schöneberg Sehenswertes und Geschichtliches zusammengetragen. Am 13. Oktober lesen Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, und Thomas Schleissing-Niggemann in der ufa Fabrik in Tempelhof aus dem neuen Buch.

Im Sommer vergangenen Jahres erschien der erste Teil, der sich den gemessen an ihren Einwohnern größten und dem kleinsten Ortsteilen, Schöneberg und Friedenau, widmet. Auch diesmal ist eine Auflage von 2000 Exemplaren produziert worden, die es nicht im Handel zu kaufen gibt, sondern die nur kostenlos herausgegeben werden. Zeitnah nach der Buchvorstellung werden die Geschichten und Tipps aus beiden Bänden auf der Internetseite des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg kostenlos zur Verfügung gestellt.

Für die Arbeit am zweiten Band hat die Journalistin Brigitte Schmiemann wieder viele Orte besucht und mit unzähligen Menschen gesprochen, die auch im Buch zu Wort kommen. Angefangen hat alles in der alten Dorfkirche in Alt-Tempelhof, in der sie dem Ordensbruder Wolf begegnete. Er erzählte ihr, dass der Orden der Templer, der Tempelhof vor vielen Jahrhunderten gründete, inzwischen zusammen mit den Johannitern regelmäßig zur abendlichen Andacht in die Kirche einlädt. Hier begannen Schmiemanns Erkundungen. Einige Tipps und Infos aus den vier Ortsteilen Tempelhof-Schönebergs gibt es hier:

Tempelhof

Bis heute von großer Bedeutung ist der Flughafen Tempelhof und das Tempelhofer Feld. Letzteres ist seit Stilllegung des Flughafens die weit und breit größte Freifläche. In den 20er- und 30er-Jahren war der „Zentralflughafen THF“ europaweit unter denen mit dem größten Verkehrsaufkommen. Neben Passagierstrecken entstanden auch sogenannte „Zeitungsstrecken“. Verlage wie Scherl und Ullstein transportierten ihre Zeitungen mit dem Flugzeug, damit diese schneller vor Ort ankamen.

Von 1936 bis 1939 wurde dann der Großflughafen für bis zu sechs Millionen Fluggäste im Jahr errichtet, den Berlin bis zu seiner Schließung Ende 2008 kannte. Die Tempelhof Projekt GmbH, die das riesige Baudenkmal verwaltet – allein das Flughafengebäude ist 1,2 Kilometer lang –, will den Flughafen zu einem zukunftsweisenden Ort für Kultur, Veranstaltungen und Kreativwirtschaft ausbauen. Der Sanierungsaufwand allerdings ist hoch. Der Weg dementsprechend weit. Angemeldet für einen Platz in dem Flughafengebäude haben sich auch zwei Museen: das Deutsche Technikmuseum und das Alliiertenmuseum. Auch der Platz der Luftbrücke soll modernisiert werden.

Nicht weit vom Tempelhofer Flughafen entfernt, in der Fliegersiedlung, hat sich die Manfred-von-Richthofen-Straße auf Höhe des Platz der Luftbrücke zu einer „lebendigen Einkaufsmeile“ entwickelt. Zu finden sind Cafés, Restaurants, Geschäfte. In einem dieser Geschäfte, „Madame Tee“, verkauft Britta Klar seit 2008 eine große Auswahl an Teesorten. Mit „La dolce velo“ hat sich Philip Feuerstein seinen Traum vom einem Fahrradladen erfüllt.

Mariendorf

Was viele sicher bisher nicht wussten: Die bekannte Mitbegründerin der „Roten Armee Fraktion“ (RAF), Ulrike Meinhof, wurde nach ihrem Tod 1976 in Stuttgart auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Mariendorf beerdigt. Aufgrund ihrer schwierigen Geschichte, die aus der Studentenbewegung der 1960er heraus gewachsen war, war es schwer, für die Linksterroristin überhaupt einen Friedhof zu finden. Helfen konnte dabei die Verwaltung der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg, mit der die RAF seit deren Besetzung Kontakt hielt. Sie verwaltet auch den Mariendorfer Friedhof. Im Taschenbuch kommt auch eine der Zwillingstöchter Meinhofs, Bettina Röhl, zu Wort.

Der Gewerbepark Mariendorf entwickelt sich rasant. Etliche Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahr angesiedelt. Neben dem schottischen Bierbrauer „Brew Dog“, Hersteller verschiedener Craft-Bier-Sorten, ist auch das „Dörrwerk“ dort zu finden. Ausrangiertes Obst wird zu getrockneten Obstsnacks wie Fruchtpapier oder Chips aufgewertet.

Marienfelde

Nicht mit Mariendorf zu verwechseln ist das noch südlicher liegende Marienfelde. Einige der letzten Landwirte der Stadt sind in Marienfelde zu Hause. Bauer Lehmann ist für seinen Weihnachtsmarkt bekannt. Bauer Wiese produziert seit Jahren die Futterrüben für den Berliner Zoo. Auf dem einstigen Gutshof Marienfelde ist heute das Bundesinstitut für Risikobewertung untergebracht. Wissenschaftler beschäftigen sich dort mit der Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln.

Im Naturpark Marienfelde lässt es sich so richtig ausspannen. Dank Naturranger Björn Lindner, der die angrenzende Naturwacht mit Naturschutzstation leitet, konnten sich unzählige Tier- und Pflanzenarten dort ansiedeln. Auf Spaziergänger warten Wiesen und lauschige Pfade. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat erst vor wenigen Tagen einen neuen Kooperationsvertrag mit der Naturwacht für die nächsten zehn Jahre unterzeichnet. Damit ist der Betrieb der Station im Diedersdorfer Weg weiterhin gesichert.

Lichtenrade

In den letzten Zügen befindet sich der Umbau der Alten Mälzerei zum neuen Kulturstandort in Lichtenrade. Neben Volkshochschule und Musikschule wird es dort auch Bibliothek und eine Lehrküche für Schüler geben. Von den 5500 Quadratmetern wird allein der Bezirk Tempelhof-Schöneberg 3000 anmieten. Zum Jahresende soll es ein Soft-Opening geben.

Mit dem Umbau hat die UTB Projektmanagement GmbH, der das Areal gehört, ihre Pläne aber noch nicht abgeschlossen. Auf dem Gelände soll ein neues Stadtquartier entstehen. Das „Lichtenrader Revier“ bietet Wohnen, Aufenthalt- und Einkaufsmöglichkeiten.

Für Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler ist mit dem zweiten Band von „Mittendrin in Tempelhof-Schöneberg“ ein ganz besonderes Werk entstanden. Denn es unterstreicht die Besonderheiten des Bezirks. „Durch meine monatlichen Kiezspaziergänge, die allen Interessierten offen stehen und die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, entstand die Idee, diese Spaziergänge irgendwann in einem Buch zusammenzufassen“, sagt Schöttler.

Die beiden Bände sollen in einer Zeit, in der das Reisen komplizierter geworden ist, dazu animieren, die eigene Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Das handliche Taschenbuch vereint dabei Reiseführer und Wissenswertes.

Ein letzter Tipp: Aufgrund der andauernden Pandemie-Situation sollten Interessierte vorher prüfen, ob das ausgewählte Ziel auch zugänglich ist oder ob es Einschränkungen gibt.