Schöneberg

Gasometer: Bürgerinitiative gegen Ausbau-Pläne

Anwohner haben in einem offenen Brief ihre Bedenken gegenüber dem geplanten Büroturm geäußert.

Der Gasometer auf dem Euref-Campus in Schöneberg.

Der Gasometer auf dem Euref-Campus in Schöneberg.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Für manche zeugt der geplante Ausbau des Gasometers auf dem Euref-Campus von der positiven Entwicklung Schönebergs als Wirtschaftsstandort. Für andere droht das schon von Weitem gut sichtbare Wahrzeichen des Bezirks lediglich zu einem von vielen Bürotürmen der Stadt zu werden. Ihre Kritik an den Ausbau-Plänen haben Anwohner des Euref-Campus nun in einem offenen Brief formuliert. Sie fürchten den Schattenwurf des Bauwerks auf Wohnungen und Cherusker-Park sowie störende Lichter in den Abend- und Nachtstunden.

Matthias Osthaus begleitet den wachsenden Euref-Campus schon seit Jahren. Er wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft und ist überzeugt, dass sich der Ausbau des denkmalgeschützten Gasometers negativ auf den Kiez auswirken wird. Schon jetzt litten Nachbarn unter der Beleuchtung einiger eingemieteter Unternehmen des Campus, die auch in der Nacht angeschaltet bliebe, sagt Osthaus. „Darüber habe ich mich sogar schon mal beim Bezirksamt beschweren müssen.“

Gasometer in Schöneberg: Anwohnerinitiative sammelt Unterschriften

60 Anwohner haben sich nun an einer Unterschriftensammlung gegen den Gasometer-Ausbau beteiligt, die zusammen mit einem offenen Brief an Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) sowie den Landeskonservator Christoph Rauhut verschickt wurde. Schöttler und Oltmann zählen zu den Unterstützern des Gasometer-Ausbaus, der die letzte große bauliche Veränderung für den Unternehmensstandort bedeuten würde und noch einmal mehrere Hundert Mitarbeiter auf den Campus bringt.

Oltmann hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass es wichtig sei, die energie- und umweltoptimierte Entwicklung des Areals mit unzähligen Unternehmen aus den Bereichen Energie ordnungsgemäß zum Abschluss zu bringen. Seine Parteikollegin, Tempelhof-Schönebergs Stadträtin Christiane Heiß, hat sich hingegen mit ihrer Unterschrift gegen den Ausbau ausgesprochen. Auf eine Anfrage der Berliner Morgenpost von Montag dazu reagierte sie bislang nicht.

Neben dem Lichtsmog ist auch die geplante Höhe ein Problem für die Anwohner. Wenn der Gasometer, bislang ein filigranes Stahlgerüst, zu einem massiven Gebäude umgebaut ist, müssen etliche Anwohner mit dem Schatten des Büroturms leben. Sie fordern deshalb, dass mindestens drei Gerüstringe und die oberen beiden Baufelder frei bleiben. „Unbestreitbar stellt der Gasometer als einzigartiges Industriedenkmal eine weit über den Bezirk hinaus erkennbare Landmarke mit herausragender stadtbildprägender Wirkung dar“, schreiben die Initiatoren in ihrem Brief. Diese Landmarke gehe durch den Ausbau in der vorgesehenen Variante jedoch verloren.

Gasometer in Schöneberg: Denkmalschutz stimmt Ausbauhöhe zu

Wie das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg kürzlich verkündete, habe man die Gasometer-Höhe zugunsten Eurefs angepasst. Der einstige Gasbehälter soll nun bis zum vorletzten Gerüstring ausgebaut werden dürfen. Gemeinsam mit Denkmalschutz und Bauherr habe sich der Bezirk darauf verständigt, hatte Stadtrat Oltmann schon im August mitgeteilt. Über dem vorletzten Gerüstring soll zudem ein Staffelgeschoss entstehen.

Der Bezirk hatte außerdem die Gesamtquadratmeterzahl für alle Neubau-Projekte der vergangenen Jahre auf dem Euref-Campus auf 135.000 verringert. Euref-Chef Reinhard Müller hatte ursprünglich 165.000 Quadratmeter schaffen wollen.

Zwar ist der Ausbau des Euref-Geländes fast abgeschlossen, für die einzelnen Teil-Bauvorhaben hat es bislang aber nur die Planreife gegeben. Der B-Plan befindet sich noch immer im Verfahren. Um dieses nun zum Ende zu bringen, ist gesetzlich vorgegeben, eine erneute Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange und Bürgern zu gewährleisten.

Gasometer-Ausbau: Kritik kommt auch aus der Politik

Matthias Osthaus und seine Mitstreiter wollen diese Gelegenheit nutzen, um ihre Kritik zu Schattenwurf, Beleuchtung und Ausbauhöhe vorzutragen. Bisher habe er noch nicht erkennen können, dass die Ansiedlung der Firmen auf dem Euref-Campus Vorteile für den Bezirk gebracht hätte, so Osthaus. Neben Lärmbelästigung, die einzelne Mietergruppen durch abendliche Partys auf dem Campus verursacht hätten, störe ihn auch die Parkplatzsituation. „Auch tagsüber findet man auf der Roten Insel keinen freien Parkplatz.“

In der Bezirkspolitik werden die Entwicklungen bei Euref seit jeher sehr kontrovers gesehen. SPD und CDU, die den immer neuen Bauprojekten kaum etwas entgegenbrachten, mussten sich immer wieder mit den Einwänden der Grünen in Tempelhof-Schöneberg auseinandersetzen. Vor allem in Bezug auf die Beleuchtung in der Nacht und den Schattenwurf am Tag sehen die Grünen ebenfalls Nachteile für die Anwohner.

Die Fraktion der Linken der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg hat dem Bauherren, Reinhard Müller, indirekt ihr Misstrauen ausgesprochen, indem sie Sanktionsmöglichkeiten für den Bezirk bei Verstößen gegen Absprachen vertraglich festhalten will. Ein entsprechender Antrag war in der vergangenen BVV in den Ausschuss für Stadtentwicklung überwiesen worden.