Gewobag

„Am Mühlenberg“: Bürger können Stellung nehmen

Die Gewobag will in Schöneberg 120 neue Wohnungen durch Nachverdichtung bauen. Anwohner wehren sich weiter gegen die Pläne.

Zu dem Bestandsgebäude in der Meraner Straße gesellen sich rechts und links daneben zwei neue Hochhäuser. Im Herbst 2021 könnten die Arbeiten beginnen. 

Zu dem Bestandsgebäude in der Meraner Straße gesellen sich rechts und links daneben zwei neue Hochhäuser. Im Herbst 2021 könnten die Arbeiten beginnen. 

Foto: brh Generalplaner

Noch stehen die Hochhäuser der Siedlung „Am Mühlenberg“ in Schöneberg luftig beieinander. Die Eigentümerin, die Gewobag, will aber im Herbst 2021 mit der lange geplanten Verdichtung des Quartiers beginnen. Freiflächen wie Wiesen oder Parkplätze werden dem Bauprojekt in nicht geringem Maße zum Opfer fallen. In welchem Maß genau, darüber können sich Bürger voraussichtlich ab dem 16. November selbst ein Bild machen. Dann sollen die aktuellen Pläne für die 120 neuen Wohnungen öffentlich ausgelegt werden. Bürger sowie Träger öffentlicher Belange können die baulichen Details dann einen Monat lang einsehen und dazu Stellung nehmen. Die Anwohnerinitiative, die die Pläne von Beginn an kritisiert hat, will die Gelegenheit nutzen, das Vorhaben auszubremsen.

Geplant war die öffentliche Auslegung eigentlich schon Ende September. Weil noch Unterlagen fehlten, verzögert sich der Prozess nun um ein paar Wochen, heißt es aus dem Bauamt des Bezirks. Die wesentlichen Eckdaten des Bauvorhabens stehen aber fest: Die 120 Wohnungen teilen sich auf drei Hochhäuser auf, die als Lückenschluss zwischen der bereits bestehenden Hochhaussiedlung mit insgesamt 400 Wohnungen entstehen werden.

Die beiden Zwölfgeschosser sind an der Meraner Straße geplant, ein Achtgeschosser soll am Ende des Wendehammers „Am Mühlenberg“ in die Höhe wachsen. Das geht nicht ohne Verluste. Für die Häuser, die entlang der Meraner Straße gebaut werden sollen, verschwinden unter anderem Grünflächen. Aber auch fast die Hälfte der Parkplätze, die sich derzeit noch im Wohngebiet befinden, werden für die Neubauten benötigt und fallen im Anschluss ersatzlos weg.

Am Mühlenberg: Zwei Kitas geplant

Zugleich entstehen auch zwei Gewerbeeinheiten und zwei Kindertagesstätten. Zwei weitere Bereiche, die die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft umgestalten will, stehen derzeit noch zur Diskussion. Die Mittelinsel an der Steinacher Straße könnte einerseits mehr Pflege und andererseits eine Überquerungshilfe für Fußgänger bekommen. Die Freifläche an der Seniorenfreizeitstätte, die anders als zu Beginn der Planungen nicht neu gebaut werden muss, könnte laut Gewobag zu einer Freizeit- und Bewegungsfläche umgestaltet werden. „Details müssen aber noch geklärt werden“, so eine Sprecherin.

Bereits bei der frühzeitigen Beteiligung vor etwa drei Jahren hatte es Einwände von Anwohnern gegeben. Die Bürgerinitiative mit dem Namen „Koordinierungsrat einer Mühlenberginitiative“ lehnt die Pläne der Gewobag in Gänze ab. Die Anwohner befürchten die Verschattung ihrer Wohnungen durch die zusätzlichen Hochhäuser und möchten die Nachverdichtung in dem Viertel verhindern. Um den Lichteinfall in die Wohnungen der Bestandsmieter so gut wie möglich beizubehalten, soll der Abstand zwischen den Gebäuden nun etwas größer werden als ursprünglich geplant, erklärt die Gewobag-Sprecherin. Dafür habe man bei Position, Volumen und Form der Gebäude nachjustiert.

Anwohnerinitiative wehrt sich weiter gegen die Pläne für Am Mühlenberg

Jörg Simon, der die Initiative vertritt, hat einiges an den Planungen zu beanstanden: „Bei den notwendigen Abständen geht es auch um den Sozialabstand, damit man sich nicht beim Zubettgehen zusehen kann.“ Eine Nachverdichtung in dieser Form erfordere zudem auch mehr Freiflächen und Parkplätze. Wie diese kompensiert werden sollen, tauche in den Planungen nicht auf. „Wir sind deshalb grundsätzlich gegen eine Nachverdichtung“, so der frühere Stadtplaner. Auch in der zweiten Stufe der Öffentlichkeitsbeteiligung im November wolle die Initiative Stellung zum Bauvorhaben beziehen, kündigt er an. Die Anwohner stünden in engem Kontakt zu zwölf anderen Initiativen in Berlin, die sich gegen Nachverdichtungsvorhaben richten.

Die Siedlung „Am Mühlenberg“ ist nur eine von 30 in Berlin, in der laut dem „Stadtentwicklungsplan 2030“ durch Aufstockung oder Nachverdichtung zusätzliche 23.000 Wohnungen entstehen sollen. Darunter sind auch Friedrichshain-West, das Märkische Viertel, die Gropiusstadt oder das Heinrich-Heine-Viertel.

Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) sieht in dem Bauprojekt „Am Mühlenberg“ vor allem eine Chance, um günstigen Wohnraum zu schaffen. „Die Hälfte der Wohnungen können mit einem WBS-Schein angemietet werden“, so Oltmann. Das bedeutet, dass zu einem Mietpreis von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden kann. „Dort nicht zu bauen, wäre eine vertane Chance.“ Zumal landeseigene Flächen wie dort nahe des Schöneberger Rathauses immer seltener würden. Er könne nicht verstehen, wie man gegen die Pläne sein kann. Die Mehrheit der Bürger hatte die Lösung mit zwei Zwölf- und einem Achtgeschosser bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung favorisiert, sagt Oltmann. Zu den Bedenken der Anwohner, dass es zu Schattenwurf kommen könnte, sagt er: „Wir können gesunde Wohnverhältnisse gewährleisten.“ Dennoch seien die Auswirkungen noch nicht abschließend bewertet.