Vivantes

Das Wenckebach-Krankenhaus zieht noch dieses Jahr um

Vivantes startet noch in diesem Jahr mit dem Umzug der stationären Patientenversorgung ins Auguste-Viktoria-Klinikum.

Das Wenckebach-Krankenhaus in Tempelhof.

Das Wenckebach-Krankenhaus in Tempelhof.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Länger wurde darüber diskutiert, nun werden schon bald die Umzugskartons gepackt: Die gesamte stationäre Patientenversorgung des Vivantes Wenckebach-Klinikums in Tempelhof wird ins drei Kilometer entfernte Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) in Schöneberg verlagert. Wie der Konzern am Dienstag verkündete, sollen die ersten 80 von 443 Krankenhausbetten noch in diesem Jahr umziehen.

Dann wird die Station für Inneres, also für Gastroenterologie und interdisziplinäre Endoskopie, nach Schöneberg wechseln. Im kommenden Jahr folgen dann die Kliniken für Chirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie, Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie sowie die Rettungsstelle. Schritt für Schritt folgen dann in den nächsten Jahren auch weitere Bereiche, zu guter Letzt Geriatrie und Psychiatrie.

Wie der Geschäftsführer Klinikmanagement, Dr. Johannes Danckert, erklärte, habe man in den vergangenen Monaten mehrere Optionen für den Tempelhofer Vivantes-Standort geprüft. Vor allem der hohe Instandsetzungsrückstau sowie die unzeitgemäße, verwinkelte Raumaufteilung hätten zu der Entscheidung geführt, den Standort aufzugeben.

„'Ein „Weiter so' ist finanziell nicht realisierbar“, so Danckert. Die Sanierungskosten für das 1878 als Königliches Militärhospital eröffnete Wenckebach-Klinikum beliefen sich auf etwa 154 Millionen Euro. Für den Neubau am AVK-Standort mit integriertem Wenckebach-Klinikum rechne man mit einer Investitionssumme von insgesamt 600 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt Schritt für Schritt. Der Grundstein für den Krankenhausneubau mit insgesamt fünf Bauabschnitten am Grazer Damm wurde im Frühjahr 2019 gelegt. 2024 soll der zweite Bauabschnitt fertig werden. „Wir erhoffen uns eine bessere medizinische Versorgung für unsere Patienten und ein attraktives Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter“, so Danckert.

Wenckebach-Klinik: Umzug auch für 530 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Für die 530 Mitarbeiter, davon etwa 110 Ärztinnen und Ärzte sowie 287 Pflegekräfte, bedeutet dies ebenfalls den schrittweisen Umzug nach Schöneberg. Für viele ist die Schließung des Tempelhofer Standorts ein emotionales Thema. Sie betrachten die Arbeitsbedingungen, die mit dem Verschmelzungsprozess entstehen, mit Sorge, wie Vivantes-Betriebsrätin Elke Pumpa berichtet. Viele setzten sich für den Erhalt des Standorts ein, weil sie die Gesundheitsversorgung der Stadt gefährdet sehen.

„Ein Problem ist, dass die Rettungsstelle mit als erste ins AVK verlagert wird“, so Pumpa. Die beiden Bereiche der Geriatrie und Psychiatrie, die zunächst im Wenckebach-Klinikum verbleiben, müssen dann über lange Zeit ohne Rettungsstelle weitergeführt werden. Sie kritisiert außerdem, dass es für die ersten 80 Betten, die in den nächsten Monaten umziehen sollen, derzeit kaum Platz im AVK gebe. Der Neubau wird dann noch nicht fertiggestellt sein.

Es zeichne sich ab, dass nicht alle Mitarbeiter beim Wenckebach bleiben werden. „Manchen schauen sich nach einer neuen Stelle um“, so Elke Pumpa. Dr. Oliver Altenkirch, ärztlicher Direktor beider Vivantes-Standorte schätzt die Entwicklung auch als problematisch ein: „Man kann keine Geriatrie oder Psychiatrie ohne Rettungsstelle betreiben.“ Jährlich werden etwa 21.000 Fälle in der Rettungsstelle des Wenckebachs betreut.

Was aus dem Tempelhofer Standort werden soll, dafür gibt es auch Ideen. Denkbar ist ein innovativer Gesundheitscampus mit ambulanter Medizin. „Die OP-Säle, die zwar dem heutigen Standard nicht mehr entsprechen, könnten im Rahmen eines Simulationstrainingszentrums genutzt werden“, so Dr. Johannes Danckert. Start-ups und Forschungseinrichtungen könnten sich ansiedeln und den Campus ergänzen, so Danckert. Für die Sanierung des Komplexes sei allerdings mit gut 144 Millionen Euro zu rechnen.

Wenckebach-Klinik: Schließung sorgt für Kritik

Die Schließung des Wenckebachs hat in der Politik sofortige Reaktionen ausgelöst. CDU-Bundestagsabgeordneter Jan-Marco Luczak sprach vom „Wegrationalisieren“ des Standorts. „Das Vivantes Wenckebach-Klinikum ist fest im Bezirk verankert und für die Menschen in Tempelhof die zentrale Anlaufstelle für eine vollumfängliche medizinische Versorgung“, so Luczak. Noch in dieser Woche sei er zu einem Gespräch mit Vertretern des Vivantes-Konzerns verabredet.

Die CDU-Fraktion der BVV Tempelhof-Schöneberg wolle nun einen Dringlichkeitsantrag in die BVV in der kommenden Woche mit der Forderung einbringen, den Umzug der Rettungsstelle zumindest zeitlich nach hinten zu verschieben. „Im Grunde halten wir es aber für notwendig, die Rettungsstelle am Standort zu belassen“, so Geschäftsführer der Fraktion, Christian Zander. Guido Pschollkowski, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagt, diese Entscheidung bedeute einen massiven Nachteil für die Bevölkerung in und um Tempelhof. „Das darf und kann nicht das letzte Wort zum Wenckebach-Krankenhaus sein.“ Die AfD-Fraktion im Bezirk hatte stets Erhalt und Weiterführung des Standorts gefordert.