Neue Mitte Tempelhof

„Neue Mitte“ – Blickfang am Tempelhofer Damm

Der Siegerentwurf für die „Neue Mitte Tempelhof“ steht fest. Neben Wohnungen wird das Kulturzentrum Blickfang am Tempelhofer Damm sein.

Neuer Hingucker: Fast klein wirkt das Tempelhofer Rathaus mit seinem 41 Meter hohen Uhrenturm aus den 70er-Jahren. Der Neubau links in der Visualisierung zeigt das Kulturzentrum, das im Zuge des Stadtumbauprojekts „Neue Mitte Tempelhof“ entstehen und 56 Meter hoch sein soll.

Neuer Hingucker: Fast klein wirkt das Tempelhofer Rathaus mit seinem 41 Meter hohen Uhrenturm aus den 70er-Jahren. Der Neubau links in der Visualisierung zeigt das Kulturzentrum, das im Zuge des Stadtumbauprojekts „Neue Mitte Tempelhof“ entstehen und 56 Meter hoch sein soll.

Foto: Teleinternetcafe & Treibhaus Landschaftsarchitektur

Eine neue Kulturstätte, etwa 500 neue Wohnungen, dazu viel Grün. Die Zielstellung für Tempelhofs neues attraktiveres Zentrum steht schon lange fest. Wie sich die „Neue Mitte“ rund um das Rathaus Tempelhof in den nächsten zehn bis 12 Jahren aber konkret entwickeln soll, ist nun auch klar.

Eine Jury aus Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg und Architekten haben die Planer von „Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur“ in dieser Woche öffentlich zum Sieger gekürt. Vier Planungsteams hatten in den vergangenen Monaten verschiedenen Entwürfe erarbeitet. Wie nun eine „Küstenlinie“ in Berlin entstehen und mit viel Grün verbunden werden soll, wurde am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert.

Kampf gegen die Kulturwüste Tempelhof

Im Zentrum steht dabei das Rathaus Tempelhof. Es soll durch voraussichtlich zwei Erweiterungsbauten mehr Platz für Mitarbeiter und Bürger bieten. Mit seinem 41 Meter hohen Uhrenturm wird es nach Fertigstellung des umgebauten Quartiers nicht mehr alleiniger Blickfang sein.

Gleich daneben, ebenfalls in erster Reihe zum Tempelhofer Damm, soll ein 56 Meter hohes Kulturzentrum entstehen. Etwa 90 Millionen Euro soll der Bau kosten. Bibliothek, Volkshochschule und Musikschule werden so in einem Gebäude vereint. Das Eva-Maria-Buch-Haus, in dem sich derzeit die Bezirkszentralbibliothek befindet, wird abgerissen. Eine Sanierung hatte sich als zu teuer erwiesen.

Im Kulturzentrum werden auch Veranstaltungen wie Ausstellungen stattfinden. Für Tempelhof-Schönebergs Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (CDU) ist dies ein wahrer „Leuchtturm“ im sonst kaum für seine Kulturlandschaft bekannten Bezirk. „Tempelhof gilt noch immer als Kulturwüste“, sagt Steuckardt. Er freue sich deshalb besonders, dass man dem nun entgegenwirken könne.

Neue Mitte Tempelhof: Drei Tiefgaragen geplant, dafür fallen Parkplätze weg

Zwischen Rathaus und Kulturzentrum findet sich einer von mehreren zentralen Plätzen, die das Quartier nach außen öffnen. Die finden sich auch zwischen den drei Neubaukomplexen an der Götzstraße, in denen die mehr als 540 Wohnungen entstehen.

Sie bilden sozusagen die von den Planern als „Küstenlinie“ bezeichnete neue Linie entlang der Götzstraße, sollen sich dabei aber locker in das heterogene Freiraumkonzept mit Wegen sowie den Grünflächen des Franckeparks einfügen.

Drei Kitas in Neubauten an der Götzstraße

Das gesamte Areal bleibt autofrei. Parkplätze finden sich in den drei Tiefgaragen unter den Neubauten. Sie gleichen auch einen Teil der Parkplätze aus, die am Tempelhofer Damm wegfallen werden.

In den Neubauten werden sich neben Gewerbe auch drei neue Kitas wiederfinden. Das Stadtbad wird abgerissen und in einem der Neubauten neu errichtet.

Erhalten bleiben auch Pfadfinderheim und die Jugendfreizeiteinrichtung. Beide Einrichtungen bekommen neue, frei stehende Gebäude. Ebenfalls neu errichtet wird auch die Polizeidirektion, die sich bisher noch nahe des Tempelhofer Damms in der Götzstraße befindet. Sie soll weiter ins Wohnviertel hinein verlegt werden.

Anwohner kritisieren diese Entscheidung, da sie gefährliche Situationen für Kinder und Senioren fürchten. Ihre Kritik gilt auch den insgesamt 17 Parzellen der Kleingartenanlagen „Friede und Arbeit“ sowie „Germania“, die für das Vorhaben komplett verschwinden müssen. Vollständig erhalten bleibt nur die Anlage „Feldblume“ mit 98 Parzellen.

Ab 2027 soll der Wohnungsbau beginnen

Der Zeitplan sieht vor, dass zunächst die neu zu errichtenden öffentlichen Gebäude wie Stadtbad, Polizei und Kulturzentrum gebaut werden. Dafür sind etwa fünf bis sechs Jahre Bauzeit eingeplant. Etwa ab 2027 könne dann der Wohnungsbau beginnen. Realisiert werden soll dieser durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, die aber noch nicht feststeht. Geplant ist außerdem, dass mindestens 20 Prozent durch Genossenschaften abgedeckt werden sollen.

Gut ein Jahr wurde geplant, berechnet und abgewogen. Tempelhof-Schönebergs Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jörn Oltmann (Grüne), ist überzeugt, dass man nun den besten Entwurf ausgewählt hat. „Sie sehen mich regelrecht begeistert“, sagte Oltmann am Donnerstag.

Bürger konnten in Werkstattverfahren mitdiskutieren

Man setze dort ein „Ausrufezeichen“ im Stadtraum, so Oltmann. Die Herausforderung des gut 185 Millionen Euro teuren Vorhabens habe darin bestanden, dass nicht etwa auf freier Fläche geplant wurde, sondern Bestandsgebäude integriert und zum Teil neu gebaut werden müssen.

Mehr als ein Jahr lang konnten auch Bürger in sogenannten Werkstattverfahren mitdiskutieren, wie sich die Gegend rund um das Rathaus verändern soll. Wie Gernot Schulz, freier Architekt aus Köln und Vorsitzender des Beratungsgremiums, betonte, wurden Bürgeranregungen aber nicht etwa eins zu eins in die Planungen aufgenommen.

„Aber es fand eine Auseinandersetzung statt“, so Schulz. In Kürze beginnt nun das B-Plan-Verfahren, im Zuge dessen auch eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden muss. Interessierte können sich dann in einem Vorort-Büro am Tempelhofer Rathaus über das Bauvorhaben informieren.