Kultur

Schöneberger Bibliothek führt nun hebräische Literatur

Dank einer privaten Initiative können in der Mittelpunktbibliothek ab sofort Bücher in hebräischer Sprache ausgeliehen werden.

Bezirkskulturstadtrat Matthias Steuckardt (v. l., CDU), Alexandra Meißner, Leiterin der Mittelpunktbibliothek, und Dirk Clausmeier nehmen die hebräischen Bücher in Empfang.

Bezirkskulturstadtrat Matthias Steuckardt (v. l., CDU), Alexandra Meißner, Leiterin der Mittelpunktbibliothek, und Dirk Clausmeier nehmen die hebräischen Bücher in Empfang.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Juden leben in Berlin. Hebräische Literatur in einer öffentlichen Bibliothek zu finden, war bisher aber eher selten. Die Mittelpunktbibliothek in Schöneberg hat vor Kurzem eine Auswahl von etwa 50 Werken in ihren Bestand aufgenommen. Zu verdanken ist das der privaten Initiative von Dirk Clausmeier. Zusammen mit in Berlin lebenden Israelis aus seinem Freundeskreis hat der Schöneberger eine kleine Büchersammlung zusammengetragen, darunter auch einige Kinderbücher, und spendete sie der Bibliothek. Noch sind nicht alle Werke in den Bestand aufgenommen worden und ausleihbar. Die Katalogisierung war nicht ganz leicht. Hebräisch spricht niemand aus dem Bibliothekskollegium. Unterstützung fanden die Mitarbeiter aber in der Bettina-von-Arnim-Bibliothek in Prenzlauer Berg – der wohl einzigen weiteren öffentlichen Bibliothek in Berlin, die hebräische Literatur führt.

Zu finden sind nun belletristische Titel namhafter, israelischer Autoren wie Zeruya Shalev, Eshkol Nevo oder David Grossmann. Aber auch Kinderliteratur wie ein Band von „Gregs Tagebuch“ und ein Bilderbuch ist dabei. Im Bestand gelandet sind auch deutsche oder US-amerikanische Bücher, die ins Hebräische übersetzt worden sind.

Bibliothek verfügt nun über Werke namhafter israelischer Autoren

Die Idee kam Dirk Clausmeier mit Freunden bei einem gemeinsamen Abendessen. „Ich habe einen großen israelischen Freundeskreis“, sagt Clausmeier. Privat beschäftige er sich seit Jahren mit der hebräischen Kultur und Sprache. Ein ganzes Buch auf Hebräisch zu lesen, gelinge ihm zwar noch nicht. Aber er sei ein großer Fan hebräischer Autoren wie Eshkol Nevo, dessen Werke es auch im Deutschen gebe. In Berlin sei hebräische Literatur allerdings kaum zu bekommen. „Die meiste Literatur kann man nur in Israel kaufen“, sagt Clausmeier, der das Land auch bereist hat. Auch im Internet bekomme man häufig nur eine Auswahl. Mit Freunden und Bekannten kam eine Sammlung zusammen, die über die Schöneberger Bibliothek nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Ein Großteil der gespendeten Bücher kam dabei aus der wohl größten privaten Bibliothek für hebräische Literatur Berlins. Michal Zamir besitzt gut 10.000 Bücher in hebräischer Sprache sowie etliche deutsche Übersetzungen hebräischer Werke. Einmal im Monat bietet die Berliner Israelin eine Art literarischen Salon in ihrer Wohnung an. Freunde, Bekannte, aber auch Fremde kommen dann zu Kaffee und Kuchen, Autoren lesen aus ihren Werken, im Anschluss wird darüber gesprochen. „Auch viele Deutsche, die Hebräisch sprechen oder lesen können, kommen zu uns“, erzählt Michal Zamir, die die Sprache selbst lehrt. Sie sei überrascht gewesen, wie viele Berliner Interesse an der hebräischen Literatur zeigen. Gäste können auch Bücher ausleihen. Alles ist kostenlos, Zamir freut sich aber über Spenden. Ihre Sammlung begann sie bereits weit bevor sie 2011 nach Berlin kam. Da diese schon lange nicht mehr in ihr Wilmersdorfer Appartement passt, hat sie diese auch auf Wohnungen von Freunden verteilen müssen. Ihr Traum ist es, ein hebräisches Kulturzentrum zu eröffnen. Im Internet ist Michal Zamir unter www.hasifriya.berlin zu finden.

Katalogisierung hebräischer Literatur ist „langer Prozess“

Die Bettina-von-Arnim-Bibliothek an der Schönhauser Allee sei bisher die einzige öffentliche Bibliothek gewesen, in der hebräische Literatur ausgeliehen werden kann. Und von dort kam auch die Hilfe beim Übersetzen und Einpflegen der Bücher. „Das war ein langer Prozess“, sagt Alexandra Meißner, Leiterin der Mittelpunktbibliothek in Schöneberg, der auch noch nicht abgeschlossen sei. „Niemand aus unserem Team spricht Hebräisch, deshalb brauchten wir dabei Unterstützung“, so Meißner. Mit den Berliner Bibliotheken teile man sich eine gemeinsame Datenbank, über die die Bücher ab sofort zu finden sind (www.voebb.de).

Tempelhof-Schöneberg Bezirkskulturstadtrat, Matthias Steuckardt (CDU), war gar nicht bewusst, wie wenige Möglichkeiten es in Berlin gibt, hebräische Literatur auszuleihen. „Ich bin Herrn Clausmeier für diese Bücher-Aktion sehr dankbar“, sagt Steuckardt. Wenn das Angebot gut angenommen wird, denke man über den Ausbau des Bestands nach.