Schöneberg

Zum Spaziergang mit dem Euref-Chef

Die Torgauer Straße soll Fahrradstraße werden. Am Freitag lud Reinhard Müller Bezirksbürgermeisterin Schöttler auf den Campus ein.

Die berühmte „Jauch-Kuppel“ im Inneren des Gasometers. Reinhard Müller, Vorstandsvorsitzender des Euref-Campus, und die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler warfen beim Rundgang auf dem Campus gern noch einen Blick hinein. Die Kuppel wird nämlich ins Ruhrgebiet umziehen.

Die berühmte „Jauch-Kuppel“ im Inneren des Gasometers. Reinhard Müller, Vorstandsvorsitzender des Euref-Campus, und die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler warfen beim Rundgang auf dem Campus gern noch einen Blick hinein. Die Kuppel wird nämlich ins Ruhrgebiet umziehen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Euref-Chef Reinhard Müller will die Zufahrtsstraße zu seinem Campus in Schöneberg, die Torgauer Straße, bis zum Ende des Jahres zu einer Fahrradstraße umgebaut haben. Die Bezirksverwaltung Tempelhof-Schöneberg hatte mit Müller ausgemacht, dass die Straße auf Kosten des Investors ausgebaut wird. Mitte bis Ende September sollen die Arbeiten beginnen.

Nach Ausbau des Gasometers – Fertigstellung voraussichtlich 2023 – werden gut 5000 Mitarbeiter, Studenten und Forscher auf dem Euref-Campus in Schönberg wirken. Die müssen derzeit noch über das holprige Kopfsteinpflaster der Torgauer Straße. Für Fahrradfahrer eine echte Herausforderung. Beim Sommerspaziergang über den Campus, zu dem Müller Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeisterin, Angelika Schöttler (SPD), eingeladen hatte, ergriffen beide auch eine der letzten Chancen, den größten Wirtschaftsstandort für Unternehmen der Energie- und Mobilitätswende im Bezirk und berlinweit von oben zu betrachten. Gemeinsam ging es ein Stück den Gasometer hinauf.

Euref-Campus bekommt eine Bäckerei und ein Restaurant

Ist der Gasometer erst zu einem Bürogebäude ausgebaut, wird es die abenteuerlichen

Besteigungen, an denen auch Besucher von außerhalb teilnehmen können, nicht mehr geben. Zumindest ein kleines Stück traute sich Angelika Schöttler die rostigen Treppen hinauf. Sie habe Höhenangst, verriet sie. Ein kurzer Blick noch ins Innere des Gasometers und ein paar Worte zur sogenannten „Jauch-Kuppel“, die dem Campus durch Günther Jauchs einstige Talkshow im Ersten weit über Berlins Grenzen hinaus zu Bekanntheit verhalf.

Die bauliche Entwicklung des Euref-Campus ist nach dem Ausbau des Gasometers abgeschlossen. Im Januar ziehen zunächst etwa 1000 Mitarbeiter unter anderem von der Gasag, der Deutschen Energie-Agentur (DENA) sowie des Fraunhofer Instituts ins Haus 23/24. Mitte nächsten Jahres folgen dann die Mitarbeiter der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, für dessen neu gebautes Haus 1-2 erst Mitte August Richtfest gefeiert wurde. Besonders „schön“, findet es Angelika Schöttler, dass sich der Bezirk dank des Euref-Campus auch zu den Universitätsstandorten zählen dürfe. Die Technische Universität bietet auf dem Gelände nahe dem S-Bahnhof Schöneberg mehrere Masterstudiengänge an. Positiv finde sie, dass Unternehmen mit unter 20 Euro pro Quadratmeter moderate Mieten vorfänden. Ob sich seine Mieter auf stabile Mietpreise verlassen können, ließ Müller unbeantwortet.

Auch im kulinarischen Bereich bekommt der Campus in nächster Zeit noch Zuwachs. Das Restaurant „The Cord“ will nicht nur Mitarbeiter zum Abendessen anlocken, sondern auch für Campus-Gäste ein lohnendes Ziel sein. Als Bäckerssohn freut sich Reinhard Müller aber besonders über die Bäckerei, die ins Haus 1-2 einziehen wird. „Dort werden dann besonders ökologisch und nachhaltig hergestellte Backwaren angeboten“, sagte Müller. Die Backstube sei dann von Torgauer Straße zu erreichen und so für jeden gut zugänglich, erklärt Müller. Ein absoluter Gewinn, ergänzte Schöttler. Eine gute Bäckerei vermisse sie in der Umgebung.

Probeweise Öffnung zur Parkseite geplant

Wer nicht auf dem Campus arbeitet, kommt in der Regel nur selten mit ihm in

Berührung. Bei manch einem erzeugte dies in der Vergangenheit den Eindruck, als sei der Campus abgeschottet. Für Besucher sei der Campus dennoch kein abgesperrter Bereich. Regelmäßig werden Führungen angeboten. Das Gelände in Gänze offen zugänglich zu machen, sei allerdings undenkbar, sagte Müller. Viele Materialien oder Maschinen, mit denen die Unternehmen auf dem Campus arbeiteten, seien teuer und müssten geschützt werden. Aber zumindest probeweise wolle man im nächsten Jahr eine Öffnung zur Parkseite angehen.

Der Campus ist aus Sicherheitsgründen mit Kameras ausgestattet. Erst vor zwei Wochen zeigte sich, warum. Müller spricht von einem „Anschlag“. Unbekannte hätten Steine und mit einer ätzenden Flüssigkeit gefüllte Flaschen auf Kameras und Häuser geworfen. „50.000 Euro Schaden ist dabei entstanden“, berichtete Müller. Vorfälle wie diese habe es schon einige gegeben.

Gespräche mit Deutscher Bahn zur Gasag-Brücke laufen

Apropos Öffnung nach außen. Der Bezirk hatte ebenfalls ausgehandelt, dass Müller eine Fußgängerbrücke vom S-Bahnhof auf das Gelände wieder nutzbar mache. Die sogenannte Gasag-Brücke. Wie Müller nun berichtete, sei man mit der Deutschen Bahn AG bereits in Gesprächen dazu. Das wäre dann der fünfte Zugang zum Campus. Aus Schöttlers Sicht besonders wichtig, weil viele Mitarbeiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden und sich den Weg über die Kreuzung am Sachsendamm sparen könnten, so Schöttler.

Was er mache, wenn der letzte Campus-Baustein, der Gasometer, fertiggestellt ist? „Ich werde dann der Super-Hausmeister“, sagt Reinhard Müller. Es klingt nicht nach einem Scherz. In jedem Fall wolle er sich darum kümmern, dass alles funktioniere und seine Mieter zufrieden sind seien. „Das ist für mich das größte Lob.“