Schöneberg

Grüne beraten zur Zukunft des Euref-Campus

In einer Video-Konferenz wogen etwa 50 Teilnehmer das Für und Wider des Gasometerausbaus ab. Nicht alle sind überzeugt.

Der Gasometer auf dem Euref-Campus in Schöneberg.

Der Gasometer auf dem Euref-Campus in Schöneberg.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Die Bezirksgruppe der Grünen Tempelhof-Schöneberg kam am Dienstagabend zu einer Online-Diskussionsrunde zum Thema Euref-Campus und Ausbau des Gasometers zusammen. Der Ausbau des denkmalgeschützten ehemaligen Gasbehälters auf dem Euref-Campus in Schöneberg ist für viele ein Leuchtturmprojekt und zugleich Abschluss der über Jahre andauernden Entwicklung des Energie- und Forschungscampus. Er ist aber eben auch nicht ganz unumstritten.

Die Mitglieder bekamen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern. Ziel ist es, eine gemeinsame politische Linie zu finden. Zur Beantwortung waren Jörn Oltmann, grüner Bezirksstadtrat für Bauen und Stadtentwicklung in Tempelhof-Schöneberg, und Wirtschaftsstaatssekretärin Barbro Dreher mit dabei.

Viele der Teilnehmer wollten genauer wissen, wie der Gasometer nach seiner Fertigstellung eigentlich aussehen wird. Auch die Ausbauhöhe war zuletzt nicht ganz klar. Die Tendenz des Bezirks gehe inzwischen dazu, einen der Ringe des Gerüsts frei zu lassen, erklärte Jörn Oltmann. Platz müsse aber dennoch für etwa 2000 Mitarbeiter sein. Für die Denkmalschutzbehörde sei ausschlaggebend, dass das Gerüst selbst erhalten und weiterhin erkennbar bliebe. Dies gelinge dadurch, dass das Gerüst nur von innen ausgebaut werde und mittels bestimmter Technik durch die Fenster verdunkelt werden könne.

Stadtrat Oltmann: „Das Stadtbild wird ein anderes sein“

Auch die Belange der Anwohner rund um den Gasometer spielen bei der zukünftigen Gestaltung eine entscheidende Rolle. Befürchtungen gab es darüber, dass der Bau in der Nacht blenden könnte, am Tage werfe er Schatten. Zumindest in Bezug auf ein Blenden bei Nacht konnte Oltmann beruhigen. „Ich gehe nicht von einer Leuchtkerze aus“, sagte er. Stattdessen zeigte er sich überzeugt, dass die Interessen der Anwohner berücksichtigt würden. Aber: „Das Stadtbild wird ein anderes sein“, so Oltmann.

Fragen kamen auch zum Nutzen für die Allgemeinheit. Auf einige wirke das Areal als abgeschottet. Ob es ausreichend Infrastruktur für 2000 weitere Mitarbeiter gibt, wollte jemand wissen. Der Gasometer werde zumindest auch eine eigene Kantine bekommen, sagte Oltmann.

Gasometer-Ausbau: Vorteile und Nachteile

Kritik gab es aber auch am Bauherren und Investor, Reinhard Müller. Dieser habe sich hin und wieder als unzuverlässiger Vertragspartner gezeigt, warfen ihm einige Grünen-Mitglieder vor. Jörn Oltmann appellierte trotz aller Bedenken an die Wichtigkeit, den Euref-Campus nun in Gänze fertigzustellen und das Bebauungsplanverfahren zum Abschluss zu bringen. Denn darin enthalten sei auch die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowie der Bürger.

Knackpunkte wie der Schattenwurf würden durch andere Dinge ausgeglichen: Bezirk und Investor hätten sich darauf geeinigt, dass im Zuge der Fertigstellung die Torgauer Straße auf Kosten des Investors zur Fahrradstraße umgebaut, eine Fußgängerbrücke vom S-Bahnhof Schöneberg zum Campus gebaut sowie durch den Verzicht auf die Planstraße Platz für den Schulbau gewonnen werde.

Barbro Dreher zeigte sich indes begeistert von dem Projekt und betonte die Bedeutung des Euref-Campus als Wirtschaftsstandort. „Euref ist einer von elf Zukunftsstandorten.“ Auch Oltmann will weiter an der Fertigstellung des Campus festhalten und dazu gehöre der Ausbau, der noch dazu schon von Beginn an, Teil des Bebauungsplan gewesen sei. Renate Künast schlug eine genaue Gesamtanalyse vor, die alle Kriterien gegenüberstellt und beim Abwägen hilft.