Stadtumbauprojekt

Neue Mitte Tempelhof: Werkstattverfahren geht zu Ende

Bei dem Stadtumbauprojekt Neue Mitte Tempelhof konnten Bürger mitreden. Welcher Entwurf umgesetzt wird, könnte sich bald entscheiden.

Das Gebiet der „Neuen Mitte Tempelhof“ umfasst den Bereich zwischen Tempelhofer Damm, Götzstraße, Templerzeile und Franckepark. Unter anderem Bibliothek, Polizei und Stadtbad sollen neu angeordnet werden, Wohnungen kommen hinzu.

Das Gebiet der „Neuen Mitte Tempelhof“ umfasst den Bereich zwischen Tempelhofer Damm, Götzstraße, Templerzeile und Franckepark. Unter anderem Bibliothek, Polizei und Stadtbad sollen neu angeordnet werden, Wohnungen kommen hinzu.

Foto: H. Anders, S. Voss, C. Schlippes / bm infografik

Berlin.  Das Werkstattverfahren für das Stadtumbauprojekt am Tempelhofer Damm, zwischen Götz- und Albrechtstraße, zur „Neuen Mitte Tempelhof“ kommt in den nächsten Wochen zum Abschluss. Seit Oktober vergangenen Jahres bekamen Bürger und Anwohner mehrfach die Gelegenheit sich bei Infoveranstaltungen darüber zu informieren und mitzureden. Vier Planungsteams stellten dabei ihre Vorschläge, wie Wohnen, ein neuer Kultur- und Bildungsstandort sowie öffentliche Dienstleistungen miteinander vereinbart werden könnten, zur Diskussion.

Im September folgt nun eine letzte Abschlusswerkstatt, an deren Ende womöglich einer oder mehrere Entwürfe ausgewählt werden. Zuvor aber sollen Bürger online befragt werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen will schon bald näheres zur Onlinebeteiligung bekanntgeben.

Zwei Werkstätten gemeinsam mit der Öffentlichkeit sowie eine weitere für Mitglieder des Beratungsgremiums liegen bereits hinter den Planern des neuen Quartiers. Im Austausch mit der Öffentlichkeit wurden die einzelnen Vorschläge der vier Planungsteams Adept Aps mit Topotek 1, coido architects mit Bruun & Möllers und steg Hamburg, Superwien Urbanism ZT OG mit Siri Frech und OPG sowie Teleinternetcafe PartGmbB mit Treibhaus LA diskutiert und Anregungen aufgenommen. Bei den Veranstaltungen konnte jeder einen Blick in die Planungsunterlagen werfen.

Neue Mitte Tempelhof: Genaue Zahl der Wohnungen noch ungewiss

Zentrale Fragen des Projekts, das eines von 14 vom Berliner Senat beschlossenen Stadtumbauprojekten ist, sind unter anderem, wie man die vorhandene Kleingartenanlage sowie die Grünflächen vom Franckepark integrieren kann. Mit dem zu erwartenden Zuzug von Menschen werden auch die anderen Parks in der Nähe mehr in den Blick genommen. Alter Park, Bosepark und Lehnepark, die sich unmittelbar gegenüber vom Rathaus Tempelhof auf der Westseite des Tempelhofer Damms befinden, erfahren nach und nach einen Umbau und mehr Pflege. Denn es ist davon auszugehen, dass sie in den nächsten Jahren weit mehr Anwohnern zur Erholung dienen werden.

Im Falle der Kleingartenanlage sehen einige Entwürfe den Verlust einiger Parzellen vor. Ziel sei, diese Zahl so gering wie möglich zu halten, wie Jörn Oltmann, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen in Tempelhof-Schöneberg, kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss von Tempelhof-Schöneberg sagte. Wo Kleingärten zu verschwinden drohen, würde dies stets kontrovers diskutiert. Eine „sensible, politische Frage“, so Oltmann.

Ob Kleingärten bedroht sind, hängt auch davon ab, wie viel neuer Wohnraum entstehen soll. Wie viel Freiraum will man lassen? Die Vorschläge der Planungsteams, die unter anderem aus Hamburg oder Wien kommen, schlagen dabei eine Anzahl von 411 (Adept Aps mit Topotek 1) bis hin zu 681 (Superwien Urbanism ZT OG mit Siri Frech und OPG) Wohnungen vor. Anberaumt waren stets etwa 500 Wohnungen, die durch ein städtisches Wohnungsbauunternehmen realisiert und für nicht mehr als zehn Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete angeboten werden sollen.

Neugebaut werden Polizei und Stadtbad Tempelhof

Teil des Ensembles werden auch die beiden Neubauten der Polizeidirektion sowie des Stadtbads Tempelhof sein, für deren Umsetzung das Land Berlin verantwortlich ist. Die derzeitigen Bauten sollen dafür abgerissen und komplett neu errichtet werden. Lediglich der Kulturstandort mit Bibliothek, Volkshochschule (VHS), Bildungs- und Kulturangeboten liege in der Hand des Bezirks, hatte Jörn Oltmann erklärt. Geplant ist, gut 180 Millionen Euro in das Projekt zu investieren.

Bevor es am 23. September zum letzten Werkstattdurchlauf kommt, sollen alle Arbeiten öffentlich ausgestellt werden und die Online-Beteiligung stattfinden. Wegen der coronabedingten Auflagen kann voraussichtlich nur eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern die Veranstaltung vor Ort verfolgen. Deshalb wird sie zusätzlich in einem Live-Stream übertragen. Auch die Planungsteams und Sachverständigen werden live per Video hinzugeschaltet.

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Ergänzend dazu empfiehlt das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Ausstellung von Urte Beyer. Zu erleben ist eine kleine Zeitreise durch die Geschichte von Tempelhofs Mitte. Beyer hat diese mithilfe von Archivmaterial, Fotos und fiktionalen Werken aufgearbeitet und wird das Ergebnis vom 4. bis 6. September im Projektraum „Zwitschermaschine“, Potsdamer Straße 161 in Schöneberg, präsentieren. Genauer beleuchtet wird dabei das Nebeneinander von Natur und Urbanität. Stets müssen Städteplaner die steigende Nachfrage nach Wohnraum sowie die zu schützenden Grünflächen miteinander abwägen. Eine Herausforderung, die auch die Planer der neuen Mitte von Tempelhof beschäftigt. (Geöffnet ist Freitag 16 bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag 14 bis 19 Uhr).

Aktuelle Infos gibt es auch unter www.berlin.de/neue-mitte-tempelhof