Aufruf

Jugendzentrum „Potse“ bittet um Hilfe

Weil Anfang Juli das Urteil im Räumungsprozess gesprochen wird, versuchen die Jugendlichen, über einen Aufruf selbst eine neue Bleibe zu finden.

Noch hängen die Schilder: Ob die „Potse“ geräumt wird, entscheidet sich am 8. Juli, wenn das Urteil am Landgericht in Moabit gesprochen wird.

Noch hängen die Schilder: Ob die „Potse“ geräumt wird, entscheidet sich am 8. Juli, wenn das Urteil am Landgericht in Moabit gesprochen wird.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Nur noch wenige Tage bis das Urteil im Räumungsprozess gegen das selbstverwaltete Jugendzentrum „Potse“ gesprochen wird (8. Juli, Landgericht Moabit). Die Verzweiflung wächst, denn noch immer ist für die Jugendlichen keine Ersatzimmobilie gefunden. In einem Aufruf, den das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg unterstützt, bittet das Jugendkollektiv nun um Mithilfe im Rahmen einer Kampagne. „Kennst du Immobilienfirmen? Genossenschaften? Eigentümer*innen? Oder hast du selber Räume zu vermieten?“, schreiben die Mitglieder. Man brauche jede Hilfe. Gesucht werden Immobilienbesitzer und -makler, die wiederum die Suche nach Räumen, in denen der Verein sowohl Konzerte und Bandproben organisieren als auch „leise“ Angebote machen kann.

„Potse“ könnte das Aus drohen

Unterstützt wird das Gesuch vom Bezirksamt, das noch immer für die Miete der seit eineinhalb Jahren besetzten Räume in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg aufkommt. Wenn der Räumung durch das Gericht zugestimmt wird, darf der Bezirk, vertreten durch das Land Berlin, die Jugendlichen mit Hilfe der Polizei zum Auszug zwingen. Der Schöneberger Institution, die es seit den 1980er-Jahren gibt, könnte dann das Aus drohen, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Fachbereich von Oliver Schworck (SPD).

Der Bezirksjugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg bittet darum, sich bei Hinweisen auf passende Immobilien zu melden. „Die Jugendlichen sind nicht immer einfach. In Berlin muss es aber auch Orte für unangepasste Jugendliche geben. Deshalb bitte ich jeden, der über geeignete Immobilien verfügt, mit der Potse oder mit mir Kontakt aufzunehmen. Die Zeit drängt. Ein Jugendzentrum ohne Räume hat keine Chance zu überleben.“

Weil der Hauseigentümer den Mietvertrag für die einstigen Potse-Räume nicht verlängerte und das Bezirksamt bisher keine Ersatzräume finden kann, entschieden sich die Jugendlichen dazu, aus Protest nicht aus den Räumen auszuziehen. Der befreundete Jugendverein „Drugstore“ war fristgerecht ausgezogen. Der Bezirk klagte. Anfang des Jahres kam es zum Prozess, der auf der Straße vor dem Landgerichtsgebäude in Moabit von einer Kundgebung und Musik begleitet und schon nach wenigen Minuten durch die Verteidiger der „Potse“ abgebrochen wurde.

Kontakt zur „Potse“: helppotse@riseup.net