Schöneberg

Am Mühlenberg: Bürgerbeteiligung noch in diesem Sommer

Das Bauvorhaben mit 120 neuen Wohnungen soll im Herbst 2021 starten. Die SPD-Fraktion will das Projekt für Anwohner attraktiver machen.

Für die drei neuen Hochhäuser „Am Mühlenberg“ müssen freie Flächen und Parkplätze genutzt werden. I

Für die drei neuen Hochhäuser „Am Mühlenberg“ müssen freie Flächen und Parkplätze genutzt werden. I

Foto: BRH Generalplaner GmbH

Durch Nachverdichtung sollen im Wohngebiet „Am Mühlenberg“ unweit vom Schöneberger Rathaus 120 neue Wohnungen entstehen. Zwei Zwölfgeschosser und ein Achtgeschosser sollen zwischen dem bereits vorhandenen Häuserkomplex in die Höhe wachsen.

Im August oder September dieses Jahres soll der Bebauungsplan für die Öffentlichkeit ausgelegt werden. Bürger können sich dann dazu äußern. Ursprünglich waren es 270 neue Apartments, die die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag hauptsächlich auf Parkplätzen und Grünflächen ergänzen wollte.

SPD-Fraktion: Carsharing und Fahrradstellplätze

Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung will nach einem mehrheitlich beschlossenen Antrag das Bauprojekt durch einzelne Ergänzungen attraktiver für die Anwohner machen. Die hatten sich in der Vergangenheit gegen die Nachverdichtung gewehrt, weil sie ihre Lebensqualität beeinträchtigt sehen, wenn weitere Wohnblöcke in das Viertel gesetzt werden.

Nun sollen Carsharing-Parkplätze für E-Fahrzeuge, mehr Behindertenparkplätze sowie Fahrradstellplätze den „Mehrwert für den Kiez sicherstellen“, wie der Antrag überschrieben ist. Besonderes Augenmerk soll auf die Grünanlagen gelegt werden. Sie sollen mehr im Sinne der Anwohner entwickelt werden, beispielsweise durch Flächen für Urban Gardening.

Besonders der Grünstreifen an der Innsbrucker Straße zwischen Bayerischem Platz und Rudolph-Wilde-Park soll dabei Beachtung finden. Der Bezirk ist aufgefordert, den Bezirksverordneten noch vor der Auslegung des Bebauungsplans Rückmeldung zu den Vorschlägen zu geben.

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne): Nachverdichtung mit Augenmaß

Dass das Bauvorhaben von den ursprünglich 270 auf 120 Wohnungen geschrumpft ist, habe nichts mit den Bürgerprotesten zu tun, sagt Bezirksbaustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann (Grüne). Es sei ein zwischen Senatsverwaltung, Gewobag und Bezirk gefundener Kompromiss, den er begrüße, so der Stadtrat. Man habe sich für eine Nachverdichtung nach Augenmaß entschieden.

Die Möglichkeiten, neue Wohnungen zu schaffen, würden immer weiter schwinden. „Es gibt kaum noch Grundstücke in städtischer Hand, wo Wohnungsbau stattfinden kann.“ Das Vorhaben „Am Mühlenberg“ ist eines der im Rahmen des Bündnisses für Wohnungsneubau entstandenen Projekte. Das Bündnis zwischen den 12 Berliner Bezirken hält fest, „alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um dringend benötigten Wohnungsneubau zu realisieren.“

Wegen der zum Teil kritischen Stimmen aus der Bevölkerung versuchten die Bezirksverordneten in der Vergangenheit immer wieder, auf die Einwände einzugehen. Zuletzt gab es da den Vorstoß der SPD-Fraktion, das Vorhaben im Baukollegium zur Diskussion zu stellen. Eventuelle Vorschläge sollten in die weitere Planung mit einfließen. Der Antrag bekam keine Mehrheit.

„Am Mühlenberg“: Baubeginn im Herbst 2021

Die Fraktion der Linken wollte den Bebauungsplan aussetzen lassen, bis Alternativen geprüft worden sind. Der Antrag wurde aber nicht weiter verfolgt. „Wir unterstützen den kommunalen Wohnungsbau, jedoch darf eine Nachverdichtung nicht auf Kosten der Lebens- und Wohnverhältnisse für die Mieter*innen in den bestehenden Gebäuden gehen“, schrieb die Fraktion, federführend Fraktionsvorsitzende Elisabeth Wissel und Bezirksverordnete Christine Scherzinger, in dem Antrag.

Gebaut werden soll dann ab Herbst 2021, teilt die Gewobag auf Nachfrage mit. Die Wohnungsbaugesellschaft investiere einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ in das Projekt.