Schöneberg

Rathausturm: Die Freiheitsglocke läutet wieder

Mehrere Wochen blieb sie stumm. Nun ist die zehn Tonnen schwere Glocke wieder täglich zur Mittagsstunde zu hören.

Die Freiheitsglocke im Turm des Schöneberger Rathauses.

Die Freiheitsglocke im Turm des Schöneberger Rathauses.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Die wohl berühmteste Glocke Berlins wird wieder geläutet. Die Freiheitsglocke im Turm des Schöneberger Rathauses war über Wochen wegen Reparaturarbeiten verstummt. Das tägliche Läuten um 12 Uhr ist nun wieder zu hören. Laut Bezirksamt Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg schon seit dem 7. Mai. Die Arbeiten sind also abgeschlossen. Seit ihrem Einbau im Oktober 1950 hat sie ein Stück ihrer Bedeutung eingebüßt, nicht aber von ihrer Symbolkraft. Noch immer steht sie für Zusammenhalt, Frieden und vor allem Freiheit.

Mit fast 70 Jahren hatte Berlins Freiheitsglocke mit einigen Alterserscheinungen zu kämpfen. Mitte April war der Verschleiß einzelner Elemente so enorm geworden, dass der Glockenschlag gänzlich ausfiel. Besonders die beiden Elektromotoren, mit denen der zehn Tonnen-Koloss angetrieben wird, waren betroffen. 3300 Euro habe die Reparatur gekostet, so das Bezirksamt. Bei der anschließenden Wartung hätte sich nichts Auffälliges ergeben. Gute Aussichten also für die nächsten Glocken-Jahre.

Gegossen wurde die Schöneberger Freiheitsglocke in Großbritannien

Nachempfunden ist die Freiheitsglocke dem US-amerikanischen Vorbild der „Liberty Bell“ in Philadelphia, Pennsylvania. Lucius D. Clay, ein amerikanischer Militärgouverneur, hatte den Industriezeichner Walter D. Teague damit beauftragt, eine Nachbildung zu erstellen. Angelehnt an die tiefe Bedeutung der „Liberty Bell“ wollte Clay, der im Januar 1950 den Vorsitz des „Nationalkomitees für ein freies Europa“ übernahm, ein derart starkes Symbol auch für das besetzte West-Berlin. Die Glocke war im Zuge des Kalten Krieges als Zeichen der Freundschaft der Amerikaner zu sehen, die am Kopf der Westmächte standen. Sie steht aber auch für die Überwindung von 12 Jahren Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges. Gerade für das geteilte Berlin bekam sie eine besondere Bedeutung.

Von der britischen Gussfirma Gillert und Johnston in Croydon angefertigt, wurde die Glocke auf eine lange Reise bis nach Berlin geschickt. Nach dem „Kreuzzug für die Freiheit“ mit 26 durchquerten Städten und mehreren amerikanischen Bundesstaaten erreichte der zehn Tonnen schwere Bronzeguss schließlich das Schöneberger Rathaus, wo er von außen zum Turm emporgezogen und eingesetzt wurde.

Eine halbe Million im Publikum: 1950 erklang die Freiheitsglocke das erste Mal

16 Millionen Amerikaner hatten während der langen Rundfahrt für die Glocke gespendet und den Freiheitsschwur unterschrieben: „Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen.“

Am 24. Oktober 1950 erklang die Freiheitsglocke – die größte Glocke Berlins – zum ersten Mal in Schöneberg. Gut eine halbe Million Menschen folgten damals dem Ereignis auf dem heutigen John-F.-Kennedy-Platz. Damals war das Rathaus Schöneberg noch Sitz des West-Berliner Senats. Von diesem Herbsttag an ertönte die Freiheitsglocke jeden Tag zur Mittagszeit und wurde außerdem über Jahre jeden Sonntag vom Radiosender Rias übertragen. Seitdem erklingt ihr tiefer eindringlicher Ton außerdem am 1. Mai und Heiligabend.

Heute ziehen die auf der Glocke niedergeschriebenen Worte „That this world under God shall have a new birth of freedom – Möge diese Welt mit Gottes Hilfe eine Wiedergeburt der Freiheit erleben“ wohl kein großes Publikum mehr an. Der 60. Glockengeburtstag ging eher im Stillen vorüber. Ob sich das beim nächsten Jubiläum ändern wird, zeigt sich bereits in diesem Jahr. Dann wird Berlins Freiheitsglocke 70 Jahre alt.

Berlins Freiheitsglocke zum Anhören