Schöneberg

Jugendzentrum „Potse“: Suche nach Räumen geht weiter

„Potse“-Mitglieder halten die gekündigten Räume in der Potsdamer Straße noch immer besetzt, während der Bezirk nach einer Alternative sucht.

Die blauen Schilder von „Potse“ und „Drugstore“ hängen noch immer in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg.

Die blauen Schilder von „Potse“ und „Drugstore“ hängen noch immer in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Fast drei Monate ist es her, dass der Prozess zwischen dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, vertreten durch das Land Berlin, und dem Jugendzentrum „Potse“ aus Schöneberg unterbrochen werden musste. Das Bezirksamt hatte vor dem Berliner Landgericht auf Räumung geklagt, denn Mitglieder der Jugendeinrichtung halten die Räume trotz Kündigung weiter besetzt. Wegen eines Befangenheitsantrags gegen den zuständigen Richter, der diesem nicht stattgab, verließen „Potse“-Mitglieder sowie deren Rechtsverteidigung bei der Verhandlung Anfang Januar den Saal. Am 10. Juni soll das Urteil verkündet werden. Über den Befangenheitsantrag sei laut Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) noch nicht entschieden worden. Und auch in puncto Alternativräume für die Jugendlichen gibt es noch immer keinen Fortschritt.

Rückblick: Die Kündigung für die Räume in der Potsdamer Straße 180 – die beiden selbstverwalteten Jugendclubs „Potse“ und „Drugstore“ waren über viele Jahre unter einer Adresse zu finden – kam lange im Voraus. Der Vermieter hat seine Mieterstruktur offensichtlich verändern wollen. Laute Punkrockkonzerte passten da womöglich nicht mehr in sein Konzept. Erst recht nicht, als der Coworking-Space-Anbieter „rent24“ eine Etage drüber eingezogen war. Ende 2018 sollte also Schluss sein, die Räume sollten leergezogen werden. Während „Drugstore“ fristgerecht aus der Potsdamer Straße verschwunden war, hielten „Potse“-Mitglieder ihren alten Standort weiter besetzt. Und das bis heute, wie Oliver Schworck in dieser Woche auf Nachfrage sagte.

Weder „Drugstore“ noch „Potse“ haben derzeit feste Räume

Für beide Jugendeinrichtungen gibt es bislang keinen Ersatz, den diese tatsächlich nutzen können. Für die leise Nutzung des „Drugstore“ – Workshops, Kurse und dergleichen – gebe es neue Räume in der Potsdamer Straße 134. Allerdings muss das Bezirksamt dort erst umbauen. Bis Ende 2019 sollten die Arbeiten beendet, die Räume bezugsfertig sein. Bis heute ist das nicht der Fall, sagt Oliver Schworck. Bis zum Sommer solle der Umbau mindestens noch dauern. Er suche inzwischen schon wieder nach Räumen, um bis zur Fertigstellung zu überbrücken.

Dabei erweise sich die Suche für ein Jugendzentrum allein schon als schwierig. Freie Immobilien seien häufig ungeeignet, weil sie auch Wohnungen enthielten. Für spätnächtliche Konzerte also nicht gerade ideal. Im Falle von „Potse“ stellen die besonderen Anforderungen der Jugendlichen ein großes Problem dar. Bandproben, Konzerte, Aufenthaltsmöglichkeiten: All das müsste auch die neue Bleibe bieten. „Wir suchen weiter und sind auch mit einem Vermieter im Gespräch“, sagte Schworck in dieser Woche. Besonders optimistisch war er aber nicht. Er greife bei der Suche nach jedem Strohhalm, so der Stadtrat. Im Raum stehe auch, dass „Potse“ und „Drugstore“ sich wie zuvor die Räume in der Potsdamer Straße 134 teilen. Darüber sei man derzeit noch im Gespräch.

Während die Suche nach neuen Unterkünften für die Jugendlichen fortgesetzt wird, zahlt der Bezirk weiter für die noch immer besetzten Räume in der Potsdamer Straße 180 und für die noch nicht fertiggestellten in der Potsdamer Straße 134 Miete.

Beide Jugendzentren haben in einer Pressemitteilung verkündet, dass auch sie ihre Arbeit wegen des Coronavirus derzeit eingestellt haben.

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