Aktion

Frisches Brot bis an die eigene Haustür

Unternehmen werden aufgefordert, einen Lieferservice einzurichten. Im Internet vernetzen sollen sich unter #kauflokalts.

Bäcker Karsten Berning aus Schöneberg liefert am Mittwoch die erste Charge seiner Backware an Kunden.

Bäcker Karsten Berning aus Schöneberg liefert am Mittwoch die erste Charge seiner Backware an Kunden.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Es sind schwierige Zeiten für Unternehmen, die darauf angewiesen sind, dass die Kundschaft zu ihnen ins Geschäft kommt. Was für viele Restaurants nicht nur in Zeiten der Coronakrise Alltag ist, nämlich die Lieferung von Waren zum Kunden nach Hause, sollen nun auch andere in ihr Repertoire mitaufnehmen.

Die Wirtschaftsförderung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg ruft Unternehmer unter dem Hashtag #kauflokalts dazu auf, sich zu vernetzen und Lieferdienste einzurichten. Die Idee ist, alle Angebote auf einer durch die Betriebe geführten Plattform zu bündeln und Kunden so einen Überblick und Bestellmöglichkeiten zu verschaffen. So lautet die Idee. Nun sind die Unternehmen gefragt.

Angesprochen sind kleine, lokale Unternehmen aus Tempelhof-Schöneberg, „die sich engagieren, um die Bevölkerung kreativ zu versorgen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), unteren deren Verwaltungsbereich auch die Wirtschaftsförderung fällt. Denn obwohl Geschäfte wie Obst- und Gemüsehändler, Bäcker oder Fleischer weiter geöffnet haben dürfen – sie zählen zu den sogenannten systemrelevanten Betrieben –, bleiben Kunden häufig weg. Und gerade die gilt es nun anzusprechen, sagt Karsten Berning.

Einer der ersten: Bäckerei Johann Mayer aus Schöneberg

Er ist Geschäftsführer der Bäckerei Johann Mayer, ein Urgestein in Schöneberg und dort gleich mit zwei Filialen in der Ebersstraße sowie am Innsbrucker Platz vertreten. Weil Berning, dessen Urgroßvater Johann Mayer die Backstube 1912 eröffnete, viele Hotels in der Umgebung mit seinen Backwaren beliefert, würden auch ihm nun etwa 50 bis 60 Prozent des Umsatzes fehlen. Am Mittwoch haben er und sein Team mit den ersten Auslieferungen von Brot, Brötchen und Kuchen begonnen.

Er sagt, ein Lieferservice sei nun besonders wichtig für die, die nicht selbst einkaufen gehen können, weil sie unter Quarantäne stehen, nicht mobil genug sind, zu den Risikogruppen gehören oder aus Verunsicherung lieber zu Hause bleiben. „Wir wollen jetzt die unterstützen, die es wirklich brauchen“, so Karsten Berning. Freiwillige übernehmen die Auslieferungen.

Lokale Unternehmen sollen sich über den Hashtag #kauflokalts vernetzen

Bestellt werden kann über die Internetseite www.johann-mayer.de, per E-Mail an bestellung@johann-mayer.de oder telefonisch unter (030) 7812592. Gezahlt wird über das Bezahlsystem Paypal oder bar, indem das Geld kurz vor Lieferung an die Tür gehangen wird. So kommt es zu keinem Kontakt und keiner eventuellen Virusübertragung. „Wir wollen auch dazu beitragen, dass diese Zeit schnell vorübergeht“, so Berning.

Die Aktion soll nun Fahrt aufnehmen, indem die Betriebe in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter den Hashtag #kauflokalts, der wie ein Schlagwort funktioniert, verwenden. Der Bezirk will diese Beiträge dann weiter verbreiten. „Es wäre natürlich auch hilfreich, wenn sich die Unternehmen zusätzlich auf einer eigenen Plattform organisieren. Das können wir nicht leisten“, sagt Bezirksbürgermeisterin Schöttler. Auch hier ist die Initiative der Unternehmen gefragt.

Kontakt zur Wirtschaftsförderung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg: Tel. (030) 90277 – 4242/2835/2781/3644