Schöneberg

Rathaus Friedenau: Zwischen Sanierung und Virusfolgen

Das Rathaus wird noch bis zum Herbst saniert, darunter auch Räume des Theaters „Morgenstern“. Das Theater musste am Montag schließen.

Eingehülltes Rathaus Friedenau: Hinter der Plane wird die Fassade erneuert.

Eingehülltes Rathaus Friedenau: Hinter der Plane wird die Fassade erneuert.

Foto: Julia Lehmann

Berlin. Während drinnen auf der Bühne Theater gespielt wird, wird von außen saniert. Die denkmalgerechte Sanierung des ehemaligen Rathauses Friedenau in Schöneberg geht voran. Seit Wochen schon ist es vollständig eingerüstet. Das sich im Rathaus befindende Theater „Morgenstern“ musste seinen Spiel- und Kursbetrieb zu Beginn dieser Woche nicht aber etwa wegen der Bauarbeiten einstellen. Das Coronavirus zwingt Schauspielern und Betreibern vorzeitig eine Pause auf. Planmäßig sollte diese erst ab Ostern beginnen. Dann wird auch das Theater selbst umgebaut. Die für Sonnabend (21. März) geplante Premiere des Stücks „Elsa & Heinrich“ soll auf den Herbst verschoben werden.

Bis zum Herbst soll das Friedenauer Rathaus am Breslauer Platz eine Rundumerneuerung erfahren haben. Bis dahin sollen gut 7,7 Millionen Euro in dem denkmalgeschützten ehemaligen Verwaltungsgebäude verbaut worden sein. Einer der Hauptmieter ist seit vielen Jahren das Theater „Morgenstern“ unter der Leitung von Pascale Senn und Daniel Koch.

Theater „Morgenstern“ bekommt neue Elektrik und Toiletten

Für die Theaterleute sind die Umbauarbeiten, die für das Kinder- und Jugendtheater eine neue Elektrik und Lüftung sowie barrierefreie Sanitäranlagen und einen instandgesetzten Saal (Schlesiensaal) bedeuten, eigentlich gute Nachrichten. Nach Ostern wollte das Team für die Sanierung regulär eine Pause einlegen und im Herbst mit neuen Stücken wieder durchstarten. Dann kam das Coronavirus.

Das Theater musste schon früher schließen. Einnahmen, mit denen das Team in den nächsten Wochen gerechnet hatte, sind nun dahin. Schon jetzt bleiben sie und ihr Mann auf gut 15.000 Euro sitzen, die eigentlich durch die kommenden Vorführungen ausgeglichen werden sollten, erzählt Pascale Senn Koch. „Das, was ausfällt, lässt sich nicht so einfach wieder einholen.“ Schließlich wolle man auch die Darsteller nicht im Regen stehen lassen. Die Theaterleiterin hofft auf Unterstützung vonseiten der Politik.

Rathaus Friedenau: Sanierung soll bis zum Herbst beendet sein

Deshalb sei das Spielhaus, das im vergangenen Jahr sein 25. Jubiläum feierte, nun besonders auf einen erfolgreichen Neustart im September angewiesen. Die Sanierungsarbeiten müssten bis dahin also dringend abgeschlossen sein. Das Theater stand vor gut zwei Jahren kurz vor dem Aus. Finanzielle Engpässe machten es den Betreibern schwer, die lange Geschichte des Hauses weiterzuschreiben. Finanzspritzen vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg und vom Senat hielten das kleine Team über Wasser.

Ob die Arbeiten rechtzeitig fertig werden, sei aber ungewiss. Derzeit würden Arbeiter auf der Baustelle fehlen, so Pascale Senn Koch. Die Arbeiten gehen etwas langsamer voran als geplant. Denn während im Inneren die Arbeiten erst im April beginnen sollen, wird an Fassade und Dachfläche schon gearbeitet.

Rathaus Friedenau: Fassade, Turm und Turmuhr werden erneuert

Erneuert werde vor allem der Turm und das Dach an der Seite zum Breslauer Platz, berichtet Katrin Polenz von der Berliner Immobilienmanagement GmbH, kurz BIM. Das Rathaus befindet sich im Eigentum des Landes Berlin. Die BIM, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Landes, tritt als Eigentümervertreter auf.

Neben der denkmalgerechten Sanierung der Fassaden- und Dachflächen werden auch Turm und Turmuhr instandgesetzt. „Der Turm erhält eine neue Dacheindeckung, die Kuppel aus Kupfer wird instandgesetzt, die Fassade aus Naturstein und Putz wird saniert und die Turmuhr funktionstüchtig gemacht“, so Katrin Polenz.

Rathaus Friedenau: Flüchtlingsunterkunft bleibt vorerst bis 2024

Bis August sollen die Arbeiten am Turm beendet sein, Restarbeiten an derzeit durch das Gerüst unzugänglichen Flächen im Erdgeschoss bis zum Herbst. Die Maßnahmen im Inneren zur Verbesserung der Barrierefreiheit im Gebäude würden sich derzeit noch in der Planungs- und Genehmigungsphase befinden. Damit könne voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte begonnen werden.

Neben dem Theater „Morgenstern“ befindet sich auch eine Flüchtlingsunterkunft in dem einstigen Rathaus. Bis zum Ende der Vertragslaufzeit 2024 bleibe die Unterkunft für geflüchtete Frauen und Kinder bestehen, sagt Katrin Polenz. „Wie es danach weitergeht, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“

www.theater-morgenstern.de