Verkehrswende

Schöneberger sollen vier Wochen lang auf Auto verzichten

Das Projekt „Kiez erfahren“ will im Schöneberger Norden für alternative Fortbewegungsmittel sensibilisieren.

Das eigene Auto einfach mal stehenlassen: Im Rahmen des Projekts „Kiez erfahren“ werden Anwohner in Schöneberg-Nord dazu aufgefordert, ihr Auto vier Wochen stehen zu lassen.

Das eigene Auto einfach mal stehenlassen: Im Rahmen des Projekts „Kiez erfahren“ werden Anwohner in Schöneberg-Nord dazu aufgefordert, ihr Auto vier Wochen stehen zu lassen.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin. Der private Pkw-Verkehr soll sich weiter verringern, Fahrradfahren oder öffentliche Verkehrsmittel sollen dagegen die Fortbewegungsarten dieser Zeit werden. Das Projekt „Neue Mobilität (im Kiez) erfahren – mit Multimobilität zu klimaneutralen und lebenswerten Stadtquartieren“ des Bezirks Tempelhof-Schöneberg – kurz „Kiez erfahren“ – hat sich genau das zum Ziel gemacht.

Bis ins Jahr 2021 will der Bezirk Tempelhof-Schöneberg in Kooperation mit einem Projektteam der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße mit Informationsveranstaltungen und Aktionen auf alternative Fortbewegungsarten aufmerksam machen. Zentral bei der durch das Bundesumweltministerium geförderten Aktion ist die „Umparkerkampagne“ im September, bei der möglichst viele Menschen vier Wochen lang auf ihr Auto verzichten sollen.

Vier Wochen lang bleibt das eigene Auto, sicher in einem Parkhaus abgestellt, unberührt. Im Gegenzug gibt es für die Teilnehmer Gutscheine für andere Mobilitätsanbieter, von Carsharing über Leihfahrräder bis zum Angebot des ÖPNV. Gesucht werden dafür insgesamt 60 Haushalte, die mitmachen wollen. Denn 60 parkende Autos würden so viel Fläche einnehmen wie ein Einfamilienhaus. 30 werden für dieses Jahr gesucht und 30 weitere für das nächste.

Kiez erfahren: Anwohner sollen ihr Auto einen Monat lang stehen lassen

Wer im Kiez um den Dennewitz- und Nollendorfplatz wohnt, ein Auto hat und überlegt es abzuschaffen, kann an der Aktion teilnehmen. Im Mai 2021 folgt dann die zweite Umparkerkampagne, die sich vornehmlich an die Anwohner um den Barbarossaplatz und Viktoria-Luise- beziehungsweise Wittenbergplatz richtet. Nach jeweils vier Wochen gibt es das Auto zurück.

Bei der Auftaktveranstaltung von „Kiez erfahren“ Mitte Februar konnten bereits erste Kontakte hergestellt werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Grünen-Bezirksstadträtin Christiane Heiß und dem Projektteam vorgestellt. Letzteres hat sich zur Aufgabe gemacht, die Verkehrswende direkt im Kiez um einen wichtigen Schritt voranzubringen. Anwohner sollen mitgenommen und in die Aktionen integriert werden. „Wir wollen gemeinsam erfahren, wie ein Leben ohne eigenes Auto möglich sein kann“, so die Teammitglieder.

Kiez erfahren: Schöneberg Nord gilt als verkehrsbelastet

Eine von ihnen ist Regine Wosnitzer, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße. Seit mehreren Jahren setze sich das Netzwerk aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und Institutionen im Besonderen für Themen rundum Verkehr und Nachhaltigkeit ein. „Wir sehen uns als ein Baustein der Mobilitätswende“, sagt Regine Wosnitzer. Was die Umweltbelastung angeht, gelte das Gebiet Schöneberg Nord als „hochbelastet“. Der Kiez weise wenige Grünflächen bei gleichzeitig hoher Bevölkerungsdichte und Verkehrsbelastung auf.

Die Lebensbedingungen dort zu verbessern, werde während der zweijährigen Laufzeit des Projekts nicht zu schaffen sein, sagt Wosnitzer. Aber es soll der Beginn sein und die Möglichkeit bieten, sich weiter zu vernetzen. Seit 2016 besteht eine Partnerschaft mit dem Projekt „Neue Mobilität Berlin“ in Charlottenburg. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will mit dem Projekt auch Vorreiter gegenüber anderen Bezirken werden.

Kiez erfahren: Im März und April folgen weitere Veranstaltungen

Am 13. März startet die erste Ideenwerkstatt. Unter dem Namen „Neunutzung des öffentlichen Raums“ sollen Überlegungen darüber stattfinden, wie durch den Verzicht des Autoverkehrs frei werdender Raum genutzt werden kann. In der Zeit von 18.30 Uhr bis 21 Uhr soll im Nachbarschafts- und Familienzentrum Kurmark, Kurmärkische Straße 1-3, 10783 Schöneberg, zusammen mit Anwohnern diskutiert werden. Referent ist Daniel Zimmermann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landesverband Nordost.

Am 2. April folgt erneut eine Informationsveranstaltung zum Thema „Multimobilität bereichert mein Leben“ im Pfarrhaus der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, An der Apostelkirche 3, 10783 Schöneberg (18 bis 20 Uhr). Referent ist diesmal Tilmann Heuser vom BUND Berlin. Alle Infos und Veranstaltungen sind auf der Webseite zum Projekt „Kiez erfahren“ zu finden.