Infektiologie

Protest: Ganze Abteilung wechselt von Vivantes zu St. Joseph

Elf Ärzte und 27 Pflegekräfte verlassen aus Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen das Auguste-Viktoria-Krankenhaus.

St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof (Archivbild)

St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof (Archivbild)

Foto: David Heerde

  • Beim Auguste-Viktoria-Krankenhaus des Vivantes-Konzerns wechselt fast eine ganze Abteilung zu St. Joseph.
  • Betroffen ist die Infektiologie, Grund sollen die Arbeitsbedingungen sein.
  • Das AVK will Infektiologie wieder aufbauen.

Berlin. Das hat es in der Berliner Krankenhauslandschaft wohl selten gegeben: Fast eine komplette Abteilung wechselt von einem Klinikkonzern zu einem anderen. Das geschieht gerade beim städtischen Unternehmen Vivantes. Der Großteil der Abteilung Infektiologie wechselt vom Auguste-Viktoria-Krankenhaus (AVK) in Schöneberg zum katholischen Träger von St. Joseph in Tempelhof. Elf Ärzte und 27 Pflegekräfte verlassen Vivantes. Wie es heißt, sollen sie am Joseph-Krankenhaus eine neue Abteilung für Infektiologie aufbauen.

Zuerst hatte das RBB-Inforadio von dem Fall berichtet. Für Vivantes ist das ein herber Verlust, denn gerade im Schöneberger Kiez galt die im AVK geleistete Behandlung von HIV-Patienten als wichtig und prestigeträchtig. Vivantes versicherte in einer Stellungnahme, man werde die Infektiologie wieder aufbauen und die Versorgung der Patienten sicherstellen. Freie Stellen würden wieder besetzt. Gerade bei den Pflegekräften könnte das schwierig werden, warnen Kenner der Gesundheitswesens.

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St. Joseph soll offensiv Abwerbeversuche bei Vivantes unternommen haben

Die Gründe für den massenhaften Wechsel sind vielfältig. Vor allem die Pflegekräfte klagten schon länger über die Arbeitsverdichtung, berichtete der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Wolfgang Albers. 19 Vollzeitkräfte kümmerten sich dort um 34 Betten. Neben den Infektiologie-Beschäftigten haben also auch acht weitere Pflegekräfte Vivantes verlassen. Zudem soll es unter den Ärzten Unzufriedenheit gegeben haben wegen der Umstrukturierungen, die mit dem Ruhestand des bisherigen Chefarztes im AVK anstehen. Auch die Karrierepläne einzelner Mediziner spielten eine Rolle.

Wie zu hören ist, soll es von Seiten des Joseph-Krankenhauses offensive Abwerbeversuche an dem Vivantes-Haus gegeben haben. Das wäre unüblich unter Berlins Kliniken. Unklar ist, ob es in St. Joseph mit seinem kirchlichen Träger tatsächlich mehr Personal und bessere Bezahlung geben kann als bei Vivantes. Zudem wird St. Joseph Betten in anderen Bereichen schließen müssen, um die Infektiologie aufbauen zu können. Denn der Krankenhausplan weist diese Betten Vivantes zu.

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Im Blog „Mypflegephilosophie.com“ beschreibt eine Leasingkraft in einem Gastbeitrag den ungewöhnlichen Vorgang unter dem Titel „Die Selbstermächtigung einer Station“. Danach soll der Personalschlüssel für die Betreuung der Patienten ein Grund für den Exodus bei Vivantes gewesen sein. In Tempelhof solle nun mit zehn Betten weniger bei gleicher personeller und ärztlicher Besetzung gearbeitet werden, heißt es.