Attraktiver leben in Tempelhof

Quartiersmanagement in Germaniagarten und Nahariyastraße

Die Siedlungen Germaniagarten und Nahariyastraße werden ab 2021 durch ein Quartiersmanagement betreut und entwickelt.

In Tempelhof-Schöneberg werden die Gebiete Nahariyastraße und Germaniagarten ab 2021 durch ein Quartiersmanagement betreut.

In Tempelhof-Schöneberg werden die Gebiete Nahariyastraße und Germaniagarten ab 2021 durch ein Quartiersmanagement betreut.

Foto: Fynn Wolf / bm infografik

Wenn Stadtgebiete mehr Unterstützung erfahren müssen als andere wird ein Quartiersmanagement geschaffen. Zur Aktualisierung der Planungsräume ab dem Jahr 2021 wird auch zwei neuen Gebieten in Tempelhof – Germaniagarten und Nahariyastraße – unter die Arme gegriffen. Die Quartiere sollen attraktiver und besser vernetzt werden.

Mitte Januar hat der Berliner Senat das neue Programm

„Sozialer Zusammenhalt“ (bis 2019 hieß es noch „Soziale Stadt“) beschlossen. Der Senat ist auch für die Finanzierung der notwendigen der Quartiermanagement-Teams verantwortlich. Die Vergabe dieser Leistung soll bis zum Sommer 2020 abgeschlossen sein. Acht neue Gebiete sollen ab dem kommenden Jahr gefördert werden, ein bereits Bestehendes erfährt eine Erweiterung. Wo die anderen sieben Gebiete liegen, lesen Sie hier.

Grundlage der Aufnahme der beiden Tempelhofer Gebiete ins Quartiersmanagement ergab sich aus dem Monitoring „Soziale Stadt“. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat dabei vernetzende und informierende Aufgaben und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit.

In den beiden ausgewählten Gebieten sind vor allem Defizite bei der Entwicklung der sozialen Infrastruktur, öffentlichen Plätzen, Spielplätzen und Parks sowie in der Nachbarschaftsarbeit erkannt worden. Aber mehr noch: In beiden Quartieren existiert eine hohe Arbeitslosenquote, auch schon bei den jungen Anwohnern.

Quartier Germaniagarten in Tempelhof

Die Siedlung Germaniagarten befindet sich südlich vom Tempelhofer Feld. In dem Gebiet mit dem Oberlandpark in der Mitte erhalten 37 Prozent der Erwerbstätigen Transferleistungen. Ein hoher Anteil der Einwohner bekommt Hartz-IV, weshalb die Armut oder Armutsgefährdung hoch ist. Besonders belastet sind Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. 65 Prozent in dieser Altersgruppe leben in Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen.

Auffallend hoch ist auch der Anteil der Menschen, die im Alter von Armut betroffen sind. 20 Prozent der Anwohner im Rentenalter werden durch Leistungen der Grundsicherung unterstützt. Die Zahl der Straftaten liegt über dem Berliner Vergleichswert.

Die meisten der 3800 Anwohner der Germaniasiedlung leben in Häusern, die in den 1930er- bis 1950er-Jahren entstanden sind. Es sind Altbauten mit kleinen Mietwohnungen, die nur zum Teil Sanierungsbedarf aufweisen. Im Bereich der Bärensiedlung sind in den vergangenen Jahren Instandsetzungen erfolgt. Hinzu kommen Einfamilienhäuser und einige Gewerbe- und Infrastruktureinrichtungen.

Bildung, nachbarschaftliche Strukturen, Angebote schaffen

Die Ziele für das Quartier Germaniagarten widmen sich vor allem der Bildung und Qualifizierung der Erwachsenen, um sie wieder in Arbeit zu bringen. Nachbarschaftliche Strukturen sollen geschaffen werden, um die Anwohner zu aktivieren. Wichtig ist in den kommenden Jahren auch, Aufenthaltsorte und Treffpunkte zu schaffen.

Damit geht einher, dass Grün- und Freiflächen attraktiver gestaltet und mehr Spiel- und Bewegungsflächen geschaffen werden. Zusätzliche Angebote für Familien, Alleinstehende und ältere Jugendliche fehlen zudem in dem Areal. Entstehen sollen auch niedrigschwellige Angebote im Bereich Ernährung und Bewegung.

Quartier Nahariyastraße in Lichtenrade

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Großwohnsiedlung

Nahariyastraße in Lichtenrade, im Süden Berlins. Bei den unter 25-Jährigen liegt der Anteil der Arbeitslosen bei 8,5 Prozent. 37 Prozent der Menschen unter 65 Jahren sind arbeitslos und erhalten Hartz-IV. 59 Prozent der unter 15-Jährigen leben in Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen. Das ist fast doppelt so hoch wie der bezirkliche und gesamtstädtische Vergleichswert. Viele Menschen im Alter sind zudem von Armut betroffen. Durch den Zuzug von Kindern – besonders im Alter von unter sechs Jahren – besteht dringender Bedarf am Ausbau der sozialen Infrastruktur.

Dieser ist auch durch den Zuzug von Menschen mit Fluchtgeschichte bedingt. Die Nahariyasiedlung ist eine typische Großwohnsiedlung der 1960er- und 70er-Jahre mit einer kleinteiligen Siedlungsstruktur. Etwa 7200 Menschen leben dort. Zentral gelegen befindet sich der Volkspark Lichtenrade. Weil die Wohnungsbestände im Bereich der Großsiedlung wiederholt verkauft worden waren, unterblieben häufig Instandsetzungen. Folglich verschlechterten sich die Wohnverhältnisse.

Aufwertung, Modernisierung, Konfliktmanagement

Im Rahmen des Quartiersmanagements soll das Wohnumfeld aufgewertet werden und die Infrastruktur verbessert werden. Die privaten Spiel- und Bolzplätzen sollen nach den Vorstellungen und mit Unterstützung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg instandgesetzt und modernisiert werden. Das gilt auch für den Spielplatz im Volkspark Lichtenrade, der durch den Verein Lichtenrader Volkspark betrieben wird.

Bewegungsangebote sollte es zudem auch für die ältere Bevölkerung geben. Zudem hält der Bezirk ein Konfliktmanagement für notwendig. Die ehemalige EKL-Siedlung ist davon genauso betroffen wie der Marktplatz, der immer wieder als „Trinkertreff“ genutzt wird.