Wochenendtipp

Modellbahn-AG zeigt am Wochenende ihr Miniatur-Berlin

Mit der Mini-S-Bahn durch den Bahnhof Zoo: Die Modellbahn-AG der Gustav-Heinemann-Oberschule lädt am Wochenende zur Besichtigung ein.

Modellbahn-AG zeigt Miniatur-Berlin
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Es sind Hobbybastler und Technikfans. Zum Teil haben sie die Schulzeit schon hinter sich gelassen und kehren trotzdem immer wieder zurück. Der Grund: Die Faszination für den Modellbahnbau. Mit ihrer AG ist die Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde eine der wenigen Berliner Schulen, die diesem Hobby Raum gibt. Und dieser ist im wahrsten Sinne des Wortes auch nötig für die meterlange Welt aus Schienen, Bahnhof- und Häuser-Miniaturen.

400 Meter Gleise wurden für die aktuelle Anlage mit Nachbau der Bahnhöfe Zoo und Alexanderplatz verbaut. Am Sonnabend und Sonntag können Besucher in die verschiedenen Szenen dieser Welt eintauchen und die Berliner S-Bahn im Format H0 dabei verfolgen, wie sie ihre Runden dreht.

Mit kaum wahrnehmbaren Geräuschen folgen die Mini-Loks mit Mini-Waggons dem durch die Schüler geschaffenen Pfad aus Schienen. Auf mehreren parallel verlaufenden Gleisen fahren in einem Saal im Erdgeschoss der Gustav-Heinemann-Oberschule Modelle der Berliner S-Bahn durch eine Nachbildung des Bahnhofs Alexanderplatzes. Auch der Fernsehturm steht da und leuchtet. Wenn man sich hier auch für ein kleineres Format entschieden hat als der Maßstab 1:87 eigentlich verlangen würde. „Der würde sonst durch die Decke wachsen“, sagt Michael Fink.

Gegründet wurde die Modellbahn-AG 1982

Der pensionierte Mathematik-Lehrer der Heinemann-Schule gehört zu den Gründungsmitgliedern der Modellbahn-AG, die sich immer wieder als Alleinstellungsmerkmal der Schule erwiesen hat. Seit 1982 gibt es die AG – und sie sollte für den einen oder anderen Schüler wegweisend sein. Etwa für Lukas Tietzmann. Der 20-Jährige ist schon seit 2015 nicht mehr an der Gustav-Heinemann-Oberschule, zur AG jeden Freitagnachmittag kommt er trotzdem.

Sein beruflicher Weg führte ihn zur Deutschen Bahn, wo er schon bald seine Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice abschließen wird. „Vielleicht hat mich die AG fasziniert und inspiriert“, sagt Lukas Tietzmann. Sein Interesse für den Modellbahnbau entstand aber bereits im Grundschulalter. Er wollte dann unbedingt an die Heinemann-Schule, eben wegen der Modellbahn-AG. Für Yannick Bergemann (17) scheint der berufliche Weg auch über Gleise zu führen. „Ich will nach der Schule Lokführer werden“, sagt er.

Modellbahntage: Alltagsszenen, Häuser, Bahnhöfe: Alles im Maßstab 1:87

Winzig kleine Büsche, Menschen in verschiedensten

Alltagsszenen, Häuser und Laternen mit Beleuchtung. Alles im Maßstab 1:87. Das Kreieren dieser Miniaturwelten gefällt wohl den allermeisten der AG-Mitglieder am besten. Zumindest berichten das viele.

Nachgebildet haben die Schüler einen Teil der Stadtbahnstrecke, die zwischen Ostbahnhof und dem Bahnhof Charlottenburg verläuft. Im echten Berlin gut elf Kilometer lang, sind es im Miniatur-Berlin etwa 70 Meter. So lang ist nämlich die gesamte Anlage.

Vom Rangierbahnhof mit dem Fantasienamen „Heinefelde“ aus starten Fern- und Güterzüge. Dort sitzen Robert Märkisch (18) und Paul Reimann (17) und bringen die Züge in die richtige Position, so dass sie bei Bedarf starten können. Was ihnen denn so gut an diesem Hobby gefällt? „Manche mögen Autos, wir eben Züge“, sagt Paul Reimann.

Modellbahnbau: Ein teures Hobby

Jede einzelne Lokomotive ist eine kleine Wertanlage, kostet doch ein Exemplar in der Anschaffung mindestens 200 Euro. Bei den historischen Loks können es auch gern mal 500 bis 600 Euro sein. Die Waggons sind nicht im Preis enthalten. „Ein teures Hobby“, kommentiert dies ein Vater der Jugendlichen. Die Begeisterung für den Modellbahnbau überträgt sich anscheinend auch von der jüngeren auf die ältere Generation. Auch der Vater trägt einen Pin mit Lokomotive am Revers.

Beliebt sind sie, die modernen Züge, die gegenwärtig über die Gleise dieser Stadt zischen. Beispiel S-Bahn und Waggons mit Flixtrain-Aufdruck. Aber zurück zur Fahrt durch Klein-Berlin. Lässt man Rangierbahnhof und Alexanderplatz hinter sich, gelangt man ins Hansaviertel, weiter bis zum Bahnhof Tiergarten.

Bei der Gestaltung wurde darauf geachtet, dass die Bahnhofsgebäude so nah wie möglich ans Original kommen. Besonders stolz ist Michael Fink auf die Stadtbahnbögen, unter denen Straßen hindurchführen, die es auch im echten Berlin an dieser Stelle tun. Wie etwa die Straße des 17. Juni, auf der gerade eine Parade stattfindet.

Modellbahntage: Am Bahnhof Zoo stehen auch Zoo-Tiere

Vorbei an der Schleuse am Landwehrkanal und der Hardenbergstraße am Bahnhof Zoo. Zuvor lohnt sich ein kleiner Blick in Richtung Zootiere, die am Rand der Anlage zu finden sind. Zu sehen sind auch Europacenter, Kaufhaus des Westens, Uhlandstraße, Bahnhof Savignyplatz und Grunewald. Einige Bahnhöfe wurden ausgespart. Platz wird schnell Mangelware.

Als Arnim Fritz (54) auf die Gustav-Heinemann-Oberschule ging,

damals noch im Tirschenreuther Ring, war die Modellbahn-AG gerade erst in der Entstehung. Heute, viele Jahre später, führt ihn seine Anstellung in der Schulverwaltung zurück in die Lehrstätte seiner Jugend. Und in die Modellbahn-AG. Schon während seiner Kindheit sei er Modellbahn-begeistert gewesen, sagt Arnim Fritz. Auch für ihn ist das Basteln am interessantesten.

Modellbahntage: Anlage wird im Februar wieder abgebaut

Fritz will nach Ende der Ausstellung im Februar – dann kommt alles wieder in Regale oder auf Tische zur Reparatur oder Umgestaltung – die gesamte Elektronik digitalisieren. Sein Steckenpferd. Und auch im Modellbahnbau spielt Stromsparen eine Rolle. Vereinzelt ist die Anlage schon auf LED-Glühbirnen – im Miniformat natürlich – umgerüstet. Nach und nach soll auch der Rest folgen.

Wie oft geht was kaputt? „Also das Treffen der AG ist jeden Freitag. Also jeden Freitag“, sagt einer Schüler. Umgeknickten Bäumen oder eventuell fehlerhaften Loks widmen sich die AG-Mitglieder nach dem Wochenende. Zunächst aber gehen alle Züge in Position – und drehen dann bald ihre Runden durch Klein-Berlin.

Modellbahntage der Gustav-Heinemann-Oberschule, Waldsassener Straße 62, 12279 Berlin-Marienfelde, Sonnabend: 13 bis 18 Uhr, Sonntag: 10 bis 17 Uhr, Eintritt.: drei Euro, Kinder 1,50 Euro, Anfahrt: Bus M77 oder M82 bis Waldsassener Straße