Tempelhof-Schöneberg

Liefer-Lastenräder sollen Tempelhofer Damm entlasten

Bei dem Pilotprojekt von Bezirk und Unternehmer-Initiative sollen E-Cargo-Bikes Zusendungen auf der letzten Meile übernehmen.

Der Tempelhofer Damm in Tempelhof soll sich verändern. Um den Verkehr zu entlasten, will der Bezirk Lieferungen mit E-Lastenrädern anbieten.

Der Tempelhofer Damm in Tempelhof soll sich verändern. Um den Verkehr zu entlasten, will der Bezirk Lieferungen mit E-Lastenrädern anbieten.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture

In Tempelhof-Schöneberg will man einen Vorstoß in Sachen Lieferverkehr wagen. Die letzte Meile, also der letzte Transportabschnitt bis zum Empfänger, soll auf einem Teilstück des Tempelhofer Damms durch Lastenräder zurückgelegt werden. Als zentraler Lager- und Verteilort wird ein sogenanntes Micro-Hub auf einem Parkplatz dienen. Der Bezirk stellte das Pilotprojekt zusammen mit der Unternehmer-Initiative Tempelhofer Damm am Dienstagabend bei einem Gesprächsforum vor.

Das Verkehrsaufkommen auf dem Te-Damm, wie er auch genannt wird, ist enorm. Tagtäglich rollen auf der Ein- und Ausfallstraße zwischen Ullsteinstraße und Platz der Luftbrücke unzählige Autos und Lkw in Richtung Innenstadt und umgekehrt. Darunter auch zahlreiche Lieferfahrzeuge.

Der Tempelhofer Damm ist mit seinen vielen Einzelhändlern, Shops und Restaurants eine typische Einkaufsstraße. Einkaufszentren und große Filialen verfügen zwar über Lieferzonen. Bei den kleineren Geschäften geht die Anlieferung der Waren allerdings nur mit Störungen im fließenden Verkehr einher.

Ein Projekt von Bezirk und Unternehmer-Initiative Tempelhofer Damm

Um zumindest über den Lieferverkehr eine Entlastung in Sachen

Lärm, Emissionen und Stau auf dem Te-Damm zu erreichen, wollen der Bezirk Tempelhof-Schöneberg und die Unternehmer-Initiative Tempelhofer Damm, ein Zusammenschluss von 60 Unternehmen, schon ab dem Sommer einen Testlauf mit Lastenfahrrädern starten.

Unter den etwa 30 Gästen, die am Dienstag in den Gemeindesaal der Freien evangelischen Gemeinde Tempelhof in der Wenckebachstraße gekommen waren, waren auch zwei Lastenrad-Hersteller, die selbsterklärend gern ihre Modelle dafür vorgeschlagen haben. Die neueste Generation E-Cargo-Bike von Onomotion aus Berlin kann bis zu zwei Kubikmeter oder bis zu 220 Kilogramm Ladung transportieren. Im Rahmen eines Leasing-Vertrages kostet ein Exemplar circa 500 Euro im Monat, Service und Wartung inklusive.

Deutsche Bahn AG unterstützt als Experte für Micro-Hubs

Ein Lieferfahrzeug ersetzen will auch der Loadster von Citkar,

ebenfalls aus Berlin. Das E-Bike kann ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm zusätzlich transportieren (inklusive Fahrer). Zu den Anschaffungskosten wollte man auf Nachfrage keine Angaben machen. Beide Hersteller boten an, ihre Fahrräder zu Testzwecken beim Tempelhofer Sommer der Unternehmer-Initiative am 13. und 14. Juni zur Verfügung zu stellen.

2017 hatte die Unternehmer-Initiative eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zum Thema Lieferverkehr gestartet. In einem nächsten Schritt ein Jahr später entschloss man sich in Kooperation mit Logistikern, Händlern und Experten im Bereich E-Mobilität sowie dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zu einer Lösung mit E-Cargo-Bikes. Mit an Bord ist auch die Deutsche Bahn als Experte. Seit Jahren bietet das Unternehmen bereits Lösungen mit Micro-Hubs an, mache aber nur verhalten Werbung dafür, so Jan Kruska von Smart City/Deutsche Bahn AG) am Dienstagabend.

Teststrecke verläuft zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinhaus

Die Anlieferung der Geschäfte könnte so völlig neu organisiert werden.

Geplant ist zunächst eine wenige Kilometer lange Strecke zwischen dem U-Bahnhof Alt-Tempelhof und dem Ullsteinhaus zu bespielen. Ein zentraler Ort für die Zwischenlagerung der Güter wird auf einem P+R-Parkplatz an der Zufahrt zur A 100 nahe des S- und U-Bahnhofs Tempelhof eingerichtet.

Dafür werden neun der Parkplätze mit Containern besetzt, die als sogenannte Micro-Hubs dienen. Diese erfahren eine Wiederbelebung, kamen sie doch bereits als Unterkunft für Flüchtlinge am Rande des Tempelhofer Feldes zum Einsatz. Die Container sollen aber nur eine Übergangslösung sein.

Cargo-Fahrräder mit Elektroantrieb fließen im Verkehr mit

Nach dem die Waren dort zwischengelagert wurden, werden sie auf Cargo-Fahrräder mit Elektroantrieb verladen und bis an ihr Ziel transportiert. Fahren sollen die Cargo-Fahrräder dann auf der Straße. Durch den Elektro-Antrieb seien sie schnell genug, um mit dem Verkehrs zu fließen, sagte Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD).

Die Idee, die letzte Meile mit Lastenrädern zurückzulegen, ist nicht neu. In der Hamburger Innenstadt beispielsweise begann der Logistiker UPS im Jahr 2015 damit, seine Lieferungen von zentralen Micro-Hubs aus zu verteilen.

Über genaue Kosten noch keine Angaben

Das Projekt brauche zunächst eine Anlaufzeit, so Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne). Aus diesem Grund wird es während der Testphase weiterhin temporäre Lieferzonen geben, in denen die Cargo-Bikes entladen werden dürfen. Gespräche mit Unternehmen und Logistikern habe es bereits gegeben. Nun müssen diese fest mit ins Boot geholt werden. „Für die Fahrer wird ein lokaler Partner forciert, der dort eh schon tätig ist“, sagte Jan Kruska.

Derzeit werde noch ein Fördermittelantrag entschieden. Über die genauen Kosten habe man im Moment noch keine Vorstellung, so Kruska. Man befinde sich noch ganz am Anfang dieses Projekts. „Aber wir wollen hiermit den Stein ins Rollen bringen“, so Bezirksbürgermeisterin Schöttler. Man habe mit der Unternehmer-Initiative einen „guten Player“ an der Seite.

Tempelhofer Damm soll umfangreich umgebaut werden

Es sei ein großes Anliegen, den Tempelhofer Damm weiterzuentwickeln, sagte Schöttler. Noch in diesem Jahr soll der Startschuss auf demselben Streckenabschnitt – zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinhaus – für umfangreiche Umbauarbeiten fallen. Entstehen sollen Fahrradspuren, um Fahrradfahrern im Straßenverkehr einen Schutzraum zu geben. Dafür fallen allerdings 250 Parkplätze weg. „Das Vorhaben liegt derzeit dem Senat zur Entscheidung vor“, so Bezirksstadträtin Heiß.

Ärger machen würden immer wieder Falschparker auf dem Tempelhofer Damm, wie ein Gast aus dem Publikum anmerkte. Das bezirkliche Ordnungsamt werde dieses Problems nicht Herr, lautete der Vorwurf. Bezirksstadträtin Heiß, zuständig für Ordnungsamtsangelegenheiten, verwies darauf, dass man bemüht sei, 20 neue Mitarbeiter gewinnen.

Man wolle aber auch den ruhenden Verkehr durch Parkraumbewirtschaftung neu strukturieren, so Heiß. Im ersten Ergebnis habe sich gezeigt, dass es in den Seitenstraßen ausreichend Parkplätze gebe. Durch bezahltes Parken am Te-Damm könne man Autofahrer stärker dazu bringen, auch in den Seitenstraßen zu parken.