Prozess

Jugendzentrum "Potse" plant Kundgebung vor Prozess

Im Prozess im Amtsgericht könnte sich entscheiden, wie es mit dem Schöneberger Jugendzentrum „Potse“ weitergeht.

„Potse“-Mitglieder besetzen noch immer Räume in der Potsdamer Straße 180.

„Potse“-Mitglieder besetzen noch immer Räume in der Potsdamer Straße 180.

Foto: Gudrun Mallwitz

An diesem Mittwoch könnte sich entscheiden, wie es mit dem Schöneberger Jugendzentrum „Potse“ weitergeht. Dann findet der Prozess im Amtsgericht Tiergarten statt. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat geklagt, nachdem Mitglieder des „Potse“-Kollektivs auch nach der Kündigung des Nutzungsvertrags die Schlüssel nicht herausgegeben hatten. Seit einem Jahr halten sie die Räume in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg besetzt.

Weil die Räume im Amtsgericht Tiergarten größer und Sicherheitsvorkehrungen besser getroffen werden können, habe man die Verhandlung dorthin verlegt. Zunächst sollte diese im Landgericht stattfinden, teilte Gerichtssprecherin Lisa Jani mit. Saal 500 habe schlicht deutlich mehr Zuschauerplätze. Man habe sich darauf eingestellt, dass der Prozess ein großes öffentliches Interesse erzeugen werde und dementsprechend viele Zuschauer kommen, so Jani.

„Potse“ kündigt Kundgebung vor dem Amtsgericht an

„Potse“ hat angekündigt, ab 8 Uhr vor dem Amtsgericht an der Wilsnacker Straße eine Kundgebung zu veranstalten. „Wir fühlen uns als Jugendliche und junge Menschen von der Politik auf Bezirks- und Landesebene im Stich gelassen“, schreibt der Verein zwei Tage vor dem Prozess per E-Mail.

Die beiden Jugendzentren „Potse“ und „Drugstore“, die sich die Räume an der Potsdamer Straße über Jahre teilten, verbindet nicht nur eine enge Kooperation, sondern auch das gleiche Schicksal. Zum Ende des Jahres 2018 musste der Bezirk nach 40 Jahren die Räume, die er für die Jugendzentren angemietet hatte, abgeben, weil sich die Miete nach dem Verkauf der Immobilie erhöht hatte. „Drugstore“ verließ die Räume, „Potse“ blieb.

Bezirk findet keine passenden Räume für laute Nutzung

Der Bezirk, federführend unter Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD), sucht seit Monaten nach alternativen Räumen. Bislang hat das nur für die stille Nutzung geklappt, auch weil Vorschläge des Bezirks keinen Zuspruch bei „Potse“ fanden. Die neu angemieteten Räume in der Potsdamer Straße 134 sind für die vielen Konzerte, die die Kollektive veranstalten, nicht geeignet – und zudem auch erst in ein paar Monaten bezugsfertig.

Der Potse e.V. hatte angekündigt erst zu weichen, wenn auch für Konzerte und Bandproben wieder Räume zur Verfügung stehen. Also klagte der Bezirk. Die Kommunikation scheint zum Teil festgefahren. Der CDU-Fraktionsvorsitzende für Tempelhof-Schöneberg, Matthias Steuckardt, kritisiert: „Es hätte gar nicht erst zur Besetzung kommen dürfen.“

Politik kritisiert bezirkliches Handeln, aber auch das Verhalten von „Potse“

Stattdessen hätte der Bezirk sofort „schnell und konsequent“ handeln sollen. Es sei zudem „unsozial“, dass „Potse“ Kosten verursache und diese Gelder bei anderen Projekten des Jugendamts im Bezirk fehlen würden. Auch die Linken nehmen den Bezirk in die Pflicht. „Der Bezirk hat hier versagt“, sagt Martin Rutsch, Bezirksverordneter in Tempelhof-Schöneberg für die Linken. Die Lage für Jugendzentren sei prekär.

Die Verwaltung hätte sich mehr um den Standort bemühen sollen. Eine polizeiliche Räumung, wie sie nun nach dem Prozess droht, hätte unbedingt vermieden werden müssen, so Rutsch. „Jugendzentren leiden unter so etwas.“