Ausflugs-Tipp

Unterwegs auf der "Literatenmeile" Berlins

Vom Bundesplatz zum Heidelberger Platz führt ein idyllischer Spaziergang durch das Friedenauer Literatenviertel.

Der Rüdesheimer Platz ist durch den Siegfriedbrunnen geprägt.

Der Rüdesheimer Platz ist durch den Siegfriedbrunnen geprägt.

Foto: Simone Jacobius

Rund um den S- und U-Bahnhof Bundesplatz herrscht tosender Verkehr. Doch wer sich in die zweite Reihe begibt und in die kleinen Straßen dahinter eintaucht, kann eine andere Welt entdecken.

Der rund einstündige Spaziergang durch das sogenannte Literatenviertel beginnt am Bundesplatz. Von dort steuert man auf den ruhigen Varziner Platz zu. Vorbei an Friedenaus einzigem Kino an der Sieglindestraße, dem „Cosima“ aus dem Jahr 1942, geht es über die Isoldestraße hinein ins Wagner-Quartier. An der Handjerystraße biegt man nach rechts. Die Straße bildet den östlichen Teil einer Hufeisenform, die einst von Stadtentwickler Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822–1896) entworfen wurde.

Es geht vorbei am Perelsplatz mit Sintflutbrunnen und Kriegerdenkmal. Eine ehemalige Bedürfnisanstalt im Fachwerkstil wurde zu einem Park-Bistro umgebaut. Nun folgt man der Handjerystraße vorbei an gut erhaltenen Fassaden, die von der einstigen Pracht der Mietshäuser zeugen.

Gedenktafeln für Erich Kästner, Max Halbe und Günter Grass

An der Niedstraße geht der Weg nach links. Es ist die „Literaturmeile“ Berlins: Hier finden sich Gedenktafeln vieler ehemaliger Bewohner, die die deutsche Literatur prägten wie Erich Kästner (Nr. 5), Max Halbe (Nr. 10) oder Nobelpreisträger Günter Grass (Nr. 13). Am Ende der Niedstraße befindet sich das Rathaus Friedenau. Das prachtvolle Jugendstil-Gebäude wurde 1916 für die noch selbständige Landgemeinde fertiggestellt, ist zurzeit allerdings wegen Sanierungsarbeiten fast komplett „verpackt“. Am Breslauer Platz mit seinem Wochenmarkt geht es nach rechts und gleich wieder rechts in die Schmargendorfer Straße.

Der kreisrunde Renée-Sintenis-Platz wird vom ehemaligen kaiserlichen Postamt des Architekten Ludwig Meyer dominiert. Wir kreuzen die Bundesallee und kommen in den westlichen Teil des „Hufeisens“, die Stubenrauchstraße. Immer wieder öffnet sich der Blick nach rechts zwischen stuckverzierten Fassaden auf den Friedrich-Wilhelm-Platz mit der neogotischen Kirche Zum guten Hirten. Die kreisförmige Bebauung an der Kreuzung Wiesbadener Straße ist das Pendant zum Sintenis-Platz auf der östlichen Seite.

Am Ende der Stubenrauchstraße empfiehlt sich ein Rundgang über den städtischen Friedhof. Durch die Nähe zur Wilmersdorfer Künstlerkolonie fanden dort zahlreiche Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Schauspieler und Musiker ihre letzte Ruhe. Auch Marlene Dietrich (1992) und Helmut Newton (2004) sind dort beigesetzt.

Nette kleine Geschäfte und ein Weinbrunnen auf dem Rüdesheimer Platz

Nun folgt man dem Südwestkorso nach links, weg vom Friedhof. Die Straße wird von zahlreichen Cafés und Restaurants mit mediterranem Flair gesäumt. Im Eckhaus Nummer 64 befindet sich seit 1973 das Kleine Theater. An der Landauer Straße geht man nach rechts und gelangt ins Rheingauviertel. Die 1911 bis 1915 vom Architekten Paul Jatzow entworfene Gartenterrassenstadt im englischen Landhausstil zählt laut Landesdenkmalamt heute zu den „stadtbaukünstlerisch bedeutendsten Wohngebieten Berlins“. Sanft ansteigende Vorgärten, Erker und Fachwerkelemente gliedern die geschlossene Bebauung, neben aufwendigen Eingängen finden sich farbige Mosaike griechischer Mythologie und filigrane Pflanzenmotive.

Nach 300 Metern stößt man auf den Rüdesheimer Platz, der durch den Siegfriedbrunnen geprägt ist. Auf einem Sockel steht, aus Sandstein gehauen, Siegfried als Rossbändiger. Der Platz ist nicht nur durch seine netten kleinen Geschäfte bekannt, sondern vor allem durch seinen Rheingauer Weinbrunnen. Während der Sommermonate rücken viele mit ihren Picknickkörben an, genießen das Flair des Platzes und genehmigen sich dazu einen Schoppen Wein. Am Ende des Platzes folgen wir der Rüdesheimer Straße nach rechts, vorbei an einigen Villen zum Heidelberger Platz. Dort erreicht man die U-Bahn.

Einkehr und Entdeckung

Wochenmarkt Breslauer Platz, mittwochs 8–13 Uhr, donnerstags 12–18 Uhr und sonnabends 8–14 Uhr.

Kleines Theater Südwestkorso 64, Friedenau, Tel. 821 20 21, Berliner Erstaufführungsbühne. Alle Stücke im Spielplan sind noch nie zuvor in Berlin gezeigt worden. Weitere Informationen unter www.kleines-theater.de.

Ausflugsinformation Die Route misst fünf Kilometer, für die Sie eine Stunde einplanen sollten.