Bauarbeiten

Lichtenrader Großbaustellen: Angst vor Verkehrskollaps

Die CDU-Fraktion fürchtet Verkehrschaos in Lichtenrade. Dort werden ab 2020 die Bahnhofstraße und die Dresdner Bahn-Trasse ausgebaut.

Der Verkehr in der Bahnhofstraße soll durch einen Tunnel geleitet werden, S-Bahn und Fernbahn fahren drüber hinweg.

Der Verkehr in der Bahnhofstraße soll durch einen Tunnel geleitet werden, S-Bahn und Fernbahn fahren drüber hinweg.

Foto: Deutsche Bahn AG

Für mindestens drei Jahre wird die Lichtenrader Bahnhofstraße wegen des Umbaus gesperrt bleiben. Gleichzeitig wird das Großprojekt Dresdner Bahn bis 2025 umgesetzt, das einen umfangreichen Ausbau des S-Bahnhofs Lichtenrade mit sich bringt. Für die Lichtenrader bedeutet das über Jahre Einschränkungen im Straßenverkehr. Die CDU-Fraktion kritisiert mangelnde Absprachen in der Baustellenkoordination und rechnet mit chaotischen Zuständen.

Die ersten Handgriffe werden derzeit gemacht. Eine Schallschutzmauer auf der Westseite der Bahntrasse soll Anwohner vor Lärm schützen. Außerdem werden für den Bau der neuen Eisenbahnüberführung am Bahnhof Lichtenrade alle Leitungen aus dem späteren Trogbereich herausgenommen, um Baufreiheit zu schaffen.

Auch an der Wolziger Zeile, der einzigen südlichen Querungsmöglichkeit der Bahnschienen für Autofahrer und Fußgänger, wird gewerkelt. Hier entsteht eine Unterführung für Fahrradfahrer und Fußgänger. Nach Abschluss aller Bauarbeiten werden die einzigen Querungsmöglichkeiten der Bahntrasse für Fahrzeuge in der Bahnhofstraße und im Schichauweg im nördlichen Lichtenrade sein.

Etwa 200 Geschäfte und Dienstleister von Bauarbeiten betroffen

Geplant war eigentlich, den Umbau der Bahnhofstraße vom Lichtenrader Damm bis auf Höhe der Steinstraße schon vor Beginn der Arbeiten an der Dresdner Bahn beendet zu haben. Begonnen wird nun allerdings voraussichtlich erst im dritten Quartal 2020.

Bei einer Dauer von etwa drei Jahren kann frühestens im Jahr 2023 mit einer Fertigstellung gerechnet werden. Neben Anwohnern sind auch die etwa 200 Geschäfte und Dienstleister von den Bauarbeiten betroffen.

Das Befahren der Bahnhofstraße und Parken wird nur eingeschränkt und je nach Abschnitt zum Teil gar nicht möglich sein. In einem Ort wie Lichtenrade sei die Einkaufsstraße noch immer von zentraler Bedeutung, sagt Hagen Kliem. „Es ist das Herz von Lichtenrade. Das war es schon immer.“ Viele Lichtenrader würden sich über die Bahnhofstraße definieren, ist sich der CDU-Politiker der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg sicher.

Infos für Anwohner und Gewerbetreibende im Büro „Aktives Zentrum“

Während der Bauarbeiten sind auch Teile der Nebenstraßen Goltzstraße, Mellener Straße, Riedingerstraße und Steinstraße betroffen. Die Steinstraße mündet kurz vor dem S-Bahnhof in die Bahnhofstraße, wo die Deutsche Bahn AG ihre Gleise ausbaut.

Der Umbau findet im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Aktive Zentren“ statt. Informationen für die ansässigen Gewerbetreibenden gibt es im Büro „Aktives Zentrum“ in der Prinzessinnenstraße 31. Alle zwei Monate finden zudem Händlertreffen statt, in denen auch der Umbau der Bahnhofstraße thematisiert wird.

Zusätzlich werden Infos auf der Internetseite des „Aktiven Zentrums“ zur Verfügung gestellt. Dort sind auch die Inhalte des Baustellenmanagements hinterlegt.

Elektrifizierte Fernbahn wird errichtet

Im Zuge des Wiederaufbaus der Dresdner Bahn wird eine zweigleisige elektrifizierte Fernbahn errichtet. Dafür wird in vier Abschnitten zwischen den S-Bahnhöfen Südkreuz und Blankenfelde gebaut. Dabei wird es auch zu einer Verschiebung der S-Bahn nach Westen kommen, so ein Sprecher der Deutschen Bahn AG. Für den S-Bahnhof Lichtenrade bedeutet das, dass er grundlegend erneuert wird, die Umsteigesituation wird dadurch verbessert.

Die Bauarbeiten für das Gesamtprojekt haben bereits im Oktober 2017 begonnen. In Marienfelde ist ein neues elektronisches Stellwerk entstanden. „Die Gesamtinbetriebnahme der Dresdner Bahn (Südkreuz – Blankenfelde) einschließlich der Verbindungskurve zum Flughafen ist im Dezember 2025 geplant“, heißt es weiter.

Ab dem dritten Quartal 2020 soll die Bahnhofstraße in Lichtenrade für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden. Ist diese Maßnahme beendet, kann das Land die neue Straßenüberführung in der Buckower Chaussee beginnen.

CDU-Fraktion hinterfragt Koordinierung der Großprojekte

Die Wolziger Zeile in Lichtenrade wird zukünftig unterirdisch verlaufen und als reine Fußgänger-

und Fahrradfahrerstraße weiterexistieren, berichtet Hagen Kliem, der auch Mitglied der CDU-Ortsgruppe in Lichtenrade ist, bei einem Vorort-Termin. Er ist in Lichtenrade aufgewachsen und lebt bis heute dort. Er erlebt die Entwicklungen seines Ortes also hautnah.

Mit Blick auf die bevorstehenden Arbeiten rechnet er mit chaotischen Zuständen im Straßenverkehr. Diesen Eindruck teilt seine Fraktion. In einer Großen Anfrage hatte die CDU vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Antworten darauf eingeholt, wie die Koordinierung der Bauprojekte verläuft - und ist mit dem Ergebnis nicht gerade zufrieden. Vor allem, was die Planungen der Umleitungsstrecke für den Straßenverkehr angeht, werfen die CDU-Mitglieder dem Bezirksamt Nachlässigkeit vor.

Umleitungsstrecken während der Bauarbeiten

Laut Bezirksstadträtin Christian Heiß (Grüne) soll es zwei Umleitungsstrecken geben. Zum einen eine großräumige Umleitung über den Lichtenrader Damm, Barnetstraße und Schichauweg. Das ist die, die die Deutsche Bahn AG im Rahmen ihres Baumaßnahme festgelegt hat. Im Zuge dessen ist der Bahnübergang am Lichtenrader S-Bahnhof gesperrt. Eine zweite Umleitung führt über den Lichtenrader Damm, Horstwalder Straße, Kesselstraße, Goltzstraße, Hilbertstraße, Blohmstraße, Egestorffstraße und Schichauweg.

Wer den Bereich noch weiträumiger umfahren will, nutzt die Buckower Chaussee. Auf den Abschnitten Kesselstraße/Goltzstraße sowie Blohmstraße werden die Fahrbahnen durch Asphaltdecken verstärkt. Auf den Nebenstraßen, zum Teil mit Kopfsteinpflaster versehen, müssen auch die Linienbusse während der Arbeiten verkehren.

Baustellenverkehr bleibe in Planung unberücksichtigt

„Der Bezirk plant den Umbau der Bahnhofstraße unter Berücksichtigung der Umleitungsverkehre der Bahn, aber ohne ihr Baustellenverkehrskonzept zu kennen“, heißt es in einer Pressemitteilung der CDU-Fraktion. Und in der Tat: Über den Baustellenverkehr gibt es laut Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne) keine Information. Baustellenfahrzeuge würden aber den Verkehr in dem kleinen Ortsteil zusätzlich belasten, befürchtet die CDU.

Bei den Umleitungsrouten, die im Zuge des Umbaus der Bahnhofstraße nötig werden, habe man das Projekt Dresdner Bahn aber „soweit wie möglich“ berücksichtigt, so die Stadträtin. Nach Informationsstand des Bezirksamts plant die Deutsche Bahn AG ihre Umleitungsstrecken auf Grundlage von Verkehrszahlen aus dem Jahr 2009. Etwas, das die CDU kritisch sieht, denn zu diesem Zeitpunkt hätten die Pläne für den Umbau der Bahnhofstraße noch gar nicht existiert. Zudem würden diese Zahlen den heutigen Bedingungen im Ort schlichtweg nicht mehr entsprechen.

Abstimmung und Koordination zwischen den insgesamt 14 beteiligten Akteuren finde aber sehr wohl statt, sagt Christiane Heiß. In regelmäßigen Abständen. Die Projektkoordinierung des Großvorhabens Dresdner Bahn, einschließlich des Straßenbaus unter der Eisenbahnführung und dem Pfarrer-Lütkehaus-Platz, liege bei der Deutschen Bahn, so Heiß.

Hagen Kliem (CDU): Pendlerstrom könnte „Chaos“ auslösen

Hagen Kliem meint ein weiteres Problem zu erkennen. Viel Verkehr aus dem Brandenburger Umland ströme jeden Tag durch Lichtenrade. Viele fahren von der B96 nach Berlin. Zu noch mehr Durchfahrtsverkehr könnte es kommen, wenn der Flughafen BER im Oktober 2020 endlich eröffnen soll. Schon jetzt füllen Pendler die Parkplätze um den Bahnhof, sagt Kliem.

Wenn eine der Hauptverkehrsrouten wegfällt, könne die Verkehrslage in Lichtenrade auf ein „Chaos“ hinauslaufen, sagt Kliem. Er erwartet vom Bezirk, dass „sich alle an einen Tisch setzen und der Bevölkerung davon berichten, was aus verkehrstechnischer Sicht geplant ist, damit die Bauzeit einigermaßen erträglich ist“, so der Politiker.