Lichtenrade

Bezirk unterschreibt Mietverträge für Alte Mälzerei

Unter anderem Bibliothek, Musikschule und Volkshochschule werden bis zum Sommer in das umgebaute Industriegebäude einziehen.

Die Alte Mälzerei in Lichtenrade

Die Alte Mälzerei in Lichtenrade

Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Berlin.  Mehrere Jahrzehnte schon steht die Alte Mälzerei in Lichtenrade leer. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg entwickelt in dem roten Backsteinbau, dessen zwei dunkle Türme man bereits von Weitem sieht, einen neuen Kultur- und Bildungsstandort. Die Mietverträge für Volkshochschule und Musikschule sowie Bibliothek sind kürzlich in Vertretung von Bezirksstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) unterzeichnet worden. In ein paar Monaten werden die frisch sanierten Räume der denkmalgeschützten Mälzerei eingeweiht.

Heute wird die Mälzerei in Lichtenrade nicht mehr als Standort der Schlossbrauerei Schöneberg genutzt, um die Biernachfrage zur Zeit ihrer Errichtung 1898 zu decken. Es ist mehr eine Lebensmitte aus Kultur, Gewerbe und Freizeitbeschäftigungen, die Eigentümer und Investoren Jutta Grünewald und Thomas Bestgen dort im Berliner Süden schaffen. Bestgen ist gleichzeitig Geschäftsführer des Planungsbüros UTB Projektmanagement.

Bezirk nutzt 3100 Quadratmeter der Alten Mälzerei

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg wird eine Fläche von 3100 Quadratmetern des sechsgeschossigen Gebäudes unter anderem für die Stadtteilbibliothek Edith-Stein nutzen, die sich derzeit noch auf der südlichen Seite der Bahnhofstraße in der Briesingstraße befindet und nun im Erdgeschoss sowie der ersten Etage Platz finden soll.

Wenn eine Bibliothek umzieht, ist das eine logistische Herausforderung. Die Planung des Umzugs war deshalb frühzeitig begonnen worden. Um an das moderne Interieur der neu gestalteten Mälzerei angepasst zu sein, werden Bibliotheksmöbel zum Teil überarbeitet, zum Teil aber auch neu angeschafft. Innenarchitekt Ralf Fleckenstein übernimmt die Gestaltung der bezirklichen Räume. Wann welche Teile der Bibliothek umziehen, lasse sich heute noch nicht genau sagen, so Jutta Kaddatz. Wenn es so weit ist, wird in Kartons gepackt – wie bei jedem Umzug, sagt die Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Soziales und kündigt an: „Es wird spannend!“

Zumal: „Bauen gemeinsam mit einem privaten Investor ist ein Novum in der Berliner Baugeschichte und zudem eine komplexe Angelegenheit“, so Kaddatz. Auch für Musik- und Volkshochschule sind im zweiten Obergeschoss Räume angemietet worden. Die Volkshochschule wird den Anforderungen entsprechend mit Smartboards ausgestattet sein. Für die Musikschule werden zum Teil neue Instrumente angeschafft. Die bezirklich genutzten Räume werden im Sommer eingeweiht.

4,59 Millionen Euro Fördermittel für das Projekt „Aktives Zentrum Lichtenrade“

In der ersten Etage zieht zudem eine Lehrküche sowie das Nachbarschaftszentrum Suppenküche ein. Seit Jahren versorgt es sonntags ehrenamtlich Bedürftige mit warmen Speisen. Interessant ist auch das Experimentarium für Kinder und Jugendliche, das ganz oben, im sechsten Stock, zu finden sein wird. Ein Jugendmuseum, das sich den Themen Gesundheit und Ernährung widmet. Gelder für das Vorhaben kommen vom Senat. Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) konnte das Fördermittelvolumen für das Projekt „Aktives Zentrum Lichtenrade“ auf nun 4,59 Millionen Euro steigern.

Für Berlins Süden ist das Vorhaben ausgesprochen wichtig, sagt Jutta Kaddatz. „Die Untersuchung der Sozialen Infrastrukturkonzepte des Bezirks (SIKO) hat ergeben, dass die südlichen Regionen im berlinweiten Vergleich deutlich unterrepräsentiert sind mit Angeboten der Fachbereiche Kunst, Kultur und Museen“, so Kaddatz.

Von der Aufwertung des Ortsteils ist auch Stefan Bruns, Direktor der Volkshochschule und Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur, überzeugt: „Mit der Alten Mälzerei erhalten wir ein hochspannendes Gebäude und einen einzigartigen Standort, der für den gesamten Bezirk eine immense Bereicherung sein wird.“

Ausbau der Alten Mälzerei ist Teilprojekt des Lichtenrader Reviers

Der Um- und Ausbau der Alten Mälzerei ist Teil des übergeordneten Projekts „Lichtenrader Revier“, das ebenfalls durch UTB Projektmanagement betreut wird. Auf dem Areal um die Alte Mälzerei herum ist etwa zwischen Bahnhofstraße und P+R-Parkplatz noch mehr geplant. Entstehen sollen bezahlbare Wohnungen, Kita, Schwimmbad, Gastronomie und Einzelhandel, Bioladen, Fahrradstation und Pension mit Gästewohnungen.

Die Vision der Planer geht von einem Markt- und einem Stadtplatz aus, um die sich die Bebauung mit unterschiedlichen Funktionen sammelt. Zusammen mit der Bahnhofstraße, die ab Ende 2020 umgebaut wird, entsteht so in Lichtenrade ein neues Zentrum mit verbesserter Lebensqualität. Im Zuge dessen wird die Hauptverkehrsstraße und Gewerbemeile unter die Bahngleise verlegt, die den Ortsteil entlang der Nord-Süd-Achse durchqueren. Gleichzeitig baut die Deutsche Bahn AG an der Strecke der Dresdner Bahn. Den Lichtenradern stehen also Jahre vieler Bauaktivitäten bevor, die wiederum mit Einschränkungen bei Verkehr und ÖPNV einhergehen.