Jugend Museum

Modellprojekt „All included“ endet nach fünf Jahren

Das Antidiskriminierungsprojekt des Jugend Museums Schöneberg engagierte sich für die Akzeptanz sexueller Vielfalt.

Das Stadtmodell zeigt den Schöneberger Norden als „DiversCity" 

Das Stadtmodell zeigt den Schöneberger Norden als „DiversCity" 

Foto: Brigitte Garde

Was ist non-binary? Was Intersex? Wofür steht die Abkürzung LSBTTIQ? Über fünf Jahre hat sich das Jugend Museum in Schöneberg im Projekt „All included“ diesen Fragen ausführlich gewidmet, damit auch Kinder und Jugendliche die Antworten darauf verstehen und eigene Fragen stellen können. Nun endet das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Modellprojekt. In einer Wanderausstellung leben die Ziele des Projekts weiter. Vorgestellt wird diese beim Abschlusssymposium am Mittwoch und Donnerstag.

Mit sechs Schöneberger Kooperationsschulen – drei Grund- und drei Oberschulen – ging das Projekt „All included! Museum und Schule gemeinsam für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ im Jahr 2015 an den Start. Mit einem Frauen-Team aus Kuratorinnen, Pädagoginnen und Grafikerinnen wurde eine Ausstellung entwickelt, die sich für Akzeptanz und Wertschätzung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt engagiert. Die Arbeit in einem sechsköpfigen Team, sie sei aufwendiger gewesen als üblich, sagt Ellen Roters, pädagogische Leiterin des Jugend Museums Schöneberg und Projektleiterin von „All included“. „Aber es hat sich bewährt, verschiedene Perspektiven aufzunehmen.“

„All included“: Lernwerkstätten, Workshops, Projekttage

Ergänzt wurde die Ausstellung im Jugend Museum selbst durch Lernwerkstätten und der anschließenden Werkschau sowie Workshops und Projekttagen in den Schulen, deren Methoden stets mit den Kindern und Jugendlichen zusammen erarbeitet wurden. In zweitägigen Workshops konnten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Museumsteam zu Themen wie Familie und Freundschaft, Menschen und Geschichten sowie Gendermarketing während des Unterrichts forschen und diskutieren. Unter den Kindern und Jugendlichen stets ein spürbares Interesse vorhanden gewesen, sagt Ellen Roters.

Mehr als 6000 Schülerinnen und Schüler von fünfter bis zehnter Klasse haben sich daran beteiligt, berichtet sie. Besonders stolz ist sie auf die Auszeichnung mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung 2017, der mit 20.000 Euro dotiert wurde. Nach den Lernwerkstätten in den sechs Kooperationsschulen in Schöneberg wurde das Projekt für die ganze Stadt geöffnet.

Schüler lernen Betroffene und ihre Geschichten kennen

„All included“ sollte aber darüber hinausgehen, als nur anfängliche Neugier der Jugendlichen zu stillen. Durch Interviews mit Betroffenen sollten die Menschen in den Fokus gerückt werden, die aufgrund ihrer Sexualität oder Geschlechtlichkeit unter Diskriminierung und Übergriffen leiden müssen. Das Projekt sollte vor allem eins: Aufklären, Vorbehalte ablegen und Sichtbarmachen von queeren Menschen.

Denn Anfeindungen gegenüber Homosexuellen, Trans-Menschen oder queeren Personen haben trotz einer toleranteren Gesetzgebung bei Ehe oder Genderzugehörigkeit (drittes Geschlecht) keineswegs abgenommen, sagt Ellen Roters. Im Gegenteil. „Es gibt eine Schere, die immer weiter auseinandergeht“, sagt sie. Und da vielfältige Lebens- und Liebesformen aber zunehmend in der öffentlichen Diskussion thematisiert werden, soll die Ausstellung in einem möglichst frühen Alter ansetzen.

All included: Auch nach Projektabschluss gibt Material für den Unterricht

Das Projekt lässt sich anhand mehrerer Stationen zusammenfassen: Nach den ersten Workshops mit anschließender Werkschau folgte die Sonderausstellung mit Workshops zum Thema Non-Binary Identity (nicht-binäre Identität). Daran schloss sich die Ausstellung unter dem Namen „DiversCity“ an. Mittels eines Stadtmodells wurde der Schöneberger Norden, auch bekannt als Regenbogenkiez, dargestellt. Mit 79 Objekten konnten Besucher queere Menschen und Orte im Kiez kennenlernen. Die Ausstellung endete im Oktober.

Geht es nach den Projektmachern soll die Beschäftigung mit Aspekten der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in jedem Fall weitergehen. „Dafür schicken wir noch immer kostenlos unsere Toolkits an Schulen“, sagt Ellen Roters. Das Lehrmaterial ermöglicht die Weiterarbeit im Unterricht.

Beim Abschluss-Symposium, das am Mittwochabend, 19 Uhr, mit einer Vorstellung der Wanderausstellung beginnt, wird das große Themenfeld mit mehreren Redebeiträgen und Arbeitsgruppen beendet. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Personen aus Kultur- und Bildungseinrichtungen.

Infos unter www.all-included.jugendmuseum.de