Rathaus Schöneberg

SPD und Grüne wollen Straße für Weihnachtssingen sperren

Geht es nach der Zählgemeinschaft, dürften Autos und Busse während des Singens an Heiligabend nicht am Rathaus Schöneberg vorbeifahren.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Tradition des Weihnachtssingens vor dem Schöneberger Rathaus.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Tradition des Weihnachtssingens vor dem Schöneberger Rathaus.

Foto: dpa Picture-Alliance/Bildagentur-online/Schoening

Weihnachten soll besinnlich und ruhig sein. Geht es nach SPD und Grünen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, müssen für das richtige Maß an Besinnlichkeit die Autos beim traditionellen Weihnachtssingen vor dem Schöneberger Rathaus weg. Die rot-grüne Zählgemeinschaft hat mit knapper Mehrheit beschlossen, unter anderem die Martin-Luther-Straße auf Höhe des Rathauses während des Singens an Heiligabend sperren zu lassen.

Es habe nicht die Dimension des Weihnachtssingens im Stadion An der Alten Försterei, sagt Axel Seltz (SPD), das sei schon richtig. Dennoch handele es sich um „kleines Familienevent“ mit jährlich etwa 300 bis 400 Teilnehmern. Jedes Jahr treffen sich die Schöneberger an Heiligabend um 16 Uhr vor ihrem Rathaus auf dem John-F.-Kennedy-Platz, um gemeinsam zu singen. Chor, Musiker oder Solisten unterstützen dabei von der Rathaustreppe aus.

Verkehrslärm wird als störend empfunden

Was dabei als störend empfunden wird, ist die Geräuschkulisse, die Fahrzeuge und Busse vor allem an der den Rathausplatz tangierenden Martin-Luther-Straße erzeugen. Ein kürzlich beschlossener Antrag von SPD und Grünen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg sieht nun vor, die Störenfriede in diesem Jahr erstmalig für eine knappe Stunde, eben solange das Weihnachtssingen andauert, von der Martin-Luther-Straße, der Freiherr-von-Stein- sowie der Badenschen Straße zu verbannen. Betroffen wären auch die Busse der Linien M46 und 104, die ebenso wie der übrige motorisierte Verkehr eine Umfahrung in Kauf nehmen müssten.

Laut SPD soll die kurzzeitige Sperrung der Straße die Veranstaltung noch attraktiver machen. Zusätzlich wäre es auch eine „Würdigung der Leistungen der Musikerinnen und Musiker“, wenn ihre Darbietung ohne das Rauschen der Fahrzeuge zu hören ist, heißt es in einer Erklärung der SPD Tempelhof-Schöneberg.

CDU plädiert für Tempolimit statt Straßensperre

Bei Großveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon sperre man die Martin-Luther-Straße vor dem Rathaus auch, argumentiert Axel Seltz. Aus seiner Sicht würde es keinen erheblichen Aufwand bedeuten, die Straße für eine Stunde zu sperren. Der SPD-Politiker erinnert sich zudem an den großen Wasserrohrbruch mitten auf der Kreuzung am Rathaus im Jahr 2016. Damals war die Straße weit länger gesperrt. „Und da ist es auch nicht zum Zusammenbruch gekommen“, so Seltz.

Ein Änderungsantrag der CDU, der die kurzzeitige Herabsenkung auf Tempo 20 vorsah, wurde von der BVV abgelehnt. Er glaube nicht, dass ein Straßenschild Wirkung zeigen würde, sagt Axel Seltz. Aus Sicht der CDU sei dies jedoch die weit schonendere Lösung. „Dass wir uns als Mitglieder einer christlichen Partei für das Weihnachtssingen vor dem Rathaus Schöneberg aussprechen, ist vollkommen klar“, sagt Ralf Olschewski, Sprecher für Stadtentwicklung der CDU.

Linke pflichtet CDU bei

Auch ein lärmminderndes Umfeld zu schaffen, sei vollends im Interesse der Fraktion. Dies sei aber auch mit einem Tempolimit zu erreichen. Was aber überhaupt nicht gehe, sei den gesamten Verkehr inklusive der Busse lahmzulegen, so der Bezirksverordnete. Die Sperrung sei unverträglich mit der Mehrheit der Bürger. Der Verkehr müsse zudem auf andere Straßen umgelenkt werden, so Olschweski.

Elisabeth Wissel, Fraktionsvorsitzende der Linken, hatte der CDU in der vergangenen BVV beigepflichtet: Am Nachmittag des Heiligabend sei außerdem nicht mit übermäßig viel Verkehr zu rechnen. „Wir sind für das Weihnachtssingen, aber das ist kein Staatsakt“, so Wissel.

Ob der Bezirk das Anliegen der Bezirkspolitiker umsetzen kann, hängt von der Bereitschaft der Landesbehörden und BVG ab.