Flughafen

Bröckelnder Beton, rostende Stützen: Tempelhof ist marode

Auf Jahre hinaus wird es keine weitere Nutzung des einstigen Flughafens Tempelhof geben. Ähnlich schlecht steht es um das ICC.

Das Flughafengebäude Tempelhof ist Europas größtes Baudenkmal und wurde aufgrund der Fertigstellung im Zweiten Weltkrieg nie baurechtlich abgenommen.

Das Flughafengebäude Tempelhof ist Europas größtes Baudenkmal und wurde aufgrund der Fertigstellung im Zweiten Weltkrieg nie baurechtlich abgenommen.

Foto: dpa Pa / Soeren Stache / ZB

Berlin. Der Flughafen Tempelhof soll zu einem Experimentierort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden. So hat es Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart, und so haben sich auch zahlreiche Initiativen in den vergangenen drei Jahren daran beteiligt, um diese Vision mit Leben zu füllen. Doch daraus wird auf lange Sicht nichts werden.

Auch für das komplett leerstehende Kongresszentrum ICC, genau wie das Flughafengebäude aufgrund seiner Größe und prägnanten Form selbst aus dem Weltall gut zu verorten, zeichnet sich auf Jahre hinaus noch keine Nutzungsperspektive ab. Das war die enttäuschende Botschaft, die den rund 150 engagierten Bürgern beim 30. Runden Tisch der Liegenschaftspolitik am Freitag im Berliner Abgeordnetenhaus mitgeteilt wurde.

Flughafen Tempelhof: Europas größtes Baudenkmal steht in weiten Teilen leer

Das Flughafengebäude, mit 307.000 Quadratmetern Europas größtes Baudenkmal, ist so marode, dass noch nicht einmal bei den derzeit vermieteten Flächen „die Betriebssicherheit, vor allem hinsichtlich des Brandschutzes, gewährleistet werden kann“. Wie aus dem Bericht zum Zustand des Flughafengebäudes, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Freitag dem Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Kenntnis gegeben hat, weiter hervorgeht, sollen „Sanierung und Herstellung der Betriebs- und Verkehrssicherheit einen Zeitrahmen von fünf bis 15 Jahren in Anspruch nehmen.

Schon die weitere Nutzung des bislang zu einem Drittel vermieteten Gebäudes sei aufgrund der maroden Bausubstanz mit erheblichem Aufwand verbunden, erläuterte Jutta Heim-Wenzler, Geschäftsführerin der Tempelhof Projekt GmbH, die das Gebäude im Auftrag des Landes bewirtschaftet, den enttäuschten Vertretern der Initiativen, die sich für die weitere Nutzung des aufgrund des Zweiten Weltkrieges nie gänzlich fertiggestellten Gebäudes engagieren.

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5000 Havariefälle pro Jahr im Flughafen Tempelhof gemeldet

„Wir können nicht weitere Teilflächen bereitstellen, wenn der Brandschutz und die Statik im gesamten Gebäude angefasst werden muss. Auch Versorgungsstränge seien so marode, dass die Tempelhof GmbH jedes Jahr rund 5000 Havariefälle und Störungsmeldungen bearbeiten müsse, um die Bestandsnutzungen aufrechtzuerhalten.

Zudem seien Nutzungen, wie etwa die großen Mietflächen der Polizeidirektion und der Verkehrslenkung Berlin (VLB) im Gebäude bauordnungsrechtlich lediglich geduldet, weil der 1934 bis 1941 errichtete Flughafen während der Kriegszeit nie baurechtlich abgenommen wurde und daher auch keine Genehmigung vorliege. Auch hier gebe es dringenden Handlungsbedarf.

Zudem sei das Gebäude energetisch eine „Katastrophe“. Die Heizungsanlage aus den 30er-Jahren beheize das gesamte Gebäude, auch die Flächen, die gar nicht genutzt werden. Um den enttäuschten Initiativen zu demonstrieren, wie schlecht es um die Bausubstanz des Gebäudes bestellt ist, hatte die Geschäftsführerin Bilder mitgebracht, die die Kellerbereich unter der Empfangshalle des Gebäudes zeigten. Darauf zu sehen: Bröckelnder Beton und rostende Stahlstützen, die die mangelnde Standfestigkeit belegten. „Ich verstehe, dass man, wenn man das Gebäude von außen betrachtet, zu der Überzeugung kommt, der Komplex sei doch im Wesentlichen gut in Schuss. Doch das ist leider nicht so“, sagte Heim-Wenzler.

ICC-Leerstand kostet jedes Jahr zwei Millionen Euro

Enttäuschende Neuigkeiten hatte auch Staatssekretärin Barbro Dreher aus dem Hause der Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) mitgebracht. Das Internationale Congress Centrum (ICC), das bereits vor fünf Jahren außer Betreib gestellt wurde und zwischenzeitlich als Flüchtlingsunterkunft diente, soll ebenfalls so marode sein, dass eine Teilöffnung oder auch Zwischennutzung bis zum Zeitpunkt der umfassenden Sanierung nicht infrage komme.

Auf die Frage, wie denn der Status quo im Gebäude sei, teilte Dreher mit: „Es ist noch nichts entschieden, wir stehen ganz am Anfang.“ Obwohl auch hier der Koalitionsvertrag vor drei Jahren den Auftrag erteilte, das ICC zu sanieren, ist bislang außer einem „Interessenbekundungsverfahren“ und einem Ideenwettbewerb nicht viel passiert. Immerhin wurde es in diesem Jahr unter Denkmalschutz gestellt.

„Der Leerstand kostet jedes Jahr zwei Millionen Euro“, teilte Dreher mit. Am 12. Dezember werde entschieden, ob das Land die nötigen Mittel für die Sanierung freigebe. Wobei trotz zahlreicher Gutachten zum Sanierungsbedarf und zur Schadstoffbelastung noch eine weitere Machbarkeitsstudie erforderlich sei. Diese solle Anfang Januar bei der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beauftragt werden. Parallel werde aber das Konzeptverfahren für die weitere Nutzung laufen.

In zwei Jahren, das sei eine „realistische Zeitschiene“, könne die Studie dann vorliegen. Leider könne es aufgrund der hohen Schadstoffbelastung keine Zwischennutzung oder Teilöffnung aufgrund der hohen Schadstoffbelastung geben. Das betreffe nicht nur Asbest, sondern auch „Kleb- und Farbstoffe“, die aus heutiger Sicht als bedenklich einzustufen seien, sind demnach im Gebäude verbaut. Die Nachfrage eines Teilnehmers, wieso 1000 Flüchtlinge das Gebäude trotz dieser vermeintlichen Gefahren anderthalb Jahre nutzen konnten, ließ die Staatssekretärin unbeantwortet.