Unternehmen

Diese App soll Mitarbeiter zu Umweltschützern machen

Das UnternehmensNetzwerk Motzener Straße will Mitarbeiter mit Punktevergabe in der App zu ressourcenschonendem Verhalten animieren.

Die Unternehmensvertreter (v. l.) Katrin Lechler, Florian Köhnen und  Isabell Strieder auf dem Promess-Dach im Gewerbegebiet Motzener Straße.

Die Unternehmensvertreter (v. l.) Katrin Lechler, Florian Köhnen und Isabell Strieder auf dem Promess-Dach im Gewerbegebiet Motzener Straße.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Weniger Müll produzieren, Strom und CO2 einsparen: Wie sie ressourcenschonender und letztlich kostensparend arbeiten können, beschäftigt immer mehr Unternehmen. Das UnternehmensNetzwerk Motzener Straße in Berlin Marienfelde hat nun eine Umweltkampagne gestartet, bei der die Mitarbeiter mithilfe der Smartphone-App „NemoAktiv“ für Verhalten im Sinne des Umweltschutzes Punkte sammeln können. Egal ob im Job oder zuhause.

Man wolle die eigenen Mitarbeiter für Themen des Klima- und Umweltschutzes sensibilisieren, sagen die Unternehmer der Motzener Straße. Eine Art Spiel, bei dem die Mitarbeiter gegeneinander antreten. Ganz nach dem Motto: Veränderung fängt im Kleinen an. In einem ersten Testlauf, der vor etwas mehr als einer Woche gestartet ist, beteiligen sich 21 Mitarbeiter der Unternehmen Promess und Stanova. Firmen, die als internationaler Zulieferer in der Automobilindustrie einen größeren Anteil am CO2-Ausstoß haben als manch andere Unternehmen.

Die Mitarbeiter geben sich über die App selbst Punkte. Auswählen kann man aus den Kategorien wählen: Heizung herunterdrehen, Licht ausschalten, Speisen in eigens mitgebrachten Boxen mitbringen, Elektrogeräte ausschalten, statt im Standby lassen, eigene Getränkebecher statt To-Go-Becher nutzen, Auto stehenlassen und zu Fuß gehen, mit Bahn oder Rad fahren, Lebensmittel umweltfreundlich verpacken, auf Drucken verzichten und ohne Einmal-Tüten einkaufen gehen.

Netzwerk-Mitarbeiter geben sich Punkte für Strom- oder Mülleinsparungen

Schummeln ist natürlich möglich, gibt Isabell Strieder von Complan Kommunalberatung, zu. Sie hat die Idee zur App zusammen mit Vertretern des UnternehmensNetzwerks erdacht.

Nach eineinhalb Wochen haben die App noch nicht alle 21 Mitarbeiter des Testlaufs überhaupt benutzt. Die meisten Punkte wurden bisher für Maßnahmen in der App vermerkt, um Heizungs- (123) oder Stromkosten bei Elektrogeräten (62) einzusparen.

Die App, die mit 6000 Euro gefördert wurde, soll das Spielerische mit dem Nützlichen verbinden, im Wettbewerb untereinander soll der Anreiz steigen, nachhaltig und ressourcenschonend zu leben. Ob sie tatsächlich dauerhaft zu einer Verhaltensänderung im Sinne des Umweltschutzes taugt, wird sich zeigen. Fünf Wochen soll der erste Testlauf dauern. Im Frühjahr will man dann das gesamte UnternehmensNetzwerk Motzener Straße mit ins Boot holen. Auch die Netzwerke Großbeerenstraße und Südkreuz wollen die App im kommenden Jahr testen.

NemoAktiv ist Teil des Projekts Null Emission Motzener Straße

Die Aktion ist Teil des 2016 aufgelegten Projekts Null Emission Motzener Straße (Nemo). Jedes der 200 im Gewerbegebiet ansässigen Unternehmen produziert jede Menge CO2, verbraucht Strom, Wärme, Treibstoff, Wasser. Das große Ziel heißt: Bis 2050 will das UnternehmensNetzwerk seine Emissionen zu 95 Prozent reduzieren. Einige Handgriffe sind dafür bereits getan worden: Anlegen eines Gründachs und insgesamt 10.000 Quadratmetern Photovoltaik-Anlagen, Abwärme-Kompressor zum Beheizen der Räume, Regenwasserauffanganlage für die Toilettenspülung.

Alles Maßnahmen, die aus den Handlungsspielräumen der Chefetage entstanden sind. „Wer aber bislang immer hinten runter gefallen ist, sind die Mitarbeiter“, sagt Gabriele Isenberg-Holm, Leiterin der Geschäftsstelle des UnternehmensNetzwerks. Die wolle man nun ins Boot holen, indem man sie in den Wettbewerb treten lasse. Auch für potenzielle Mitarbeiter sei es inzwischen wichtig, dass sich der eigene Arbeitgeber zum Umweltschutz positioniert, sagt Florian Köhnen, Geschäftsführer von Promess Montage- und Prüfsysteme.