Nahverkehr

BVV fürchtet Aus für mögliche U6-Verlängerung im Süden

Weil die BVG ein Gleichrichterwerk ans Ende der U6 bauen will, sehen die Bezirksverordneten die Möglichkeit zur Verlängerung gefährdet.

Geht es nach dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, fährt die U6 im Süden irgendwann bis nach Lichtenrade durch.

Geht es nach dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, fährt die U6 im Süden irgendwann bis nach Lichtenrade durch.

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Die BVG will am südlichen Ende der U6, am U-Bahnhof Alt-Mariendorf, ein unterirdisches Gleichrichterwerk errichten. Wichtig, um die Stromversorgung der Züge weniger störanfällig zu machen, so das Ansinnen der BVG. Vonseiten der Bezirksverordneten Tempelhof-Schöneberg kommen allerdings Bedenken. Man fürchtet, dass eine mögliche Verlängerung der U6 in Richtung Süden (bis Lichtenrade) damit dauerhaft vom Tisch sein könnte. Die BVG versucht zu beruhigen: Auch wenn man ans Ende der U6-Trasse ein solches Gleichrichterwerk errichte, stehe das einer Verlängerung nicht im Weg, heißt es.

Derzeit liefen die Vorplanungen des Vorhabens, teilt BVG-Sprecherin Petra Nelken auf Anfrage mit. Das Gleichrichterwerk wird kommen. Und zwar unterirdisch. An den umliegenden U-Bahnhöfen Ullsteinstraße und Paradestraße befinden sich die nächstgelegenen. Sie wandeln Wechselstrom in Gleichstrom um. Mehr Kapazitäten bei der Stromversorgung sollen die Linie vor Störungen schützen. Details, etwa einen Zeitplan, gebe es allerdings noch nicht. Konkret heißt dies, dass die Tunnelanlage am U-Bahnhof Alt-Mariendorf dafür genutzt wird. Grundstücke oberirdisch, die im näheren Umkreis liegen, hätten sich nach Prüfung durch die BVG als ungeeignet erwiesen.

BVV äußert Bedenken zu den BVG-Plänen

Die BVV hat nun einem Antrag zugestimmt, laut dem sie das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg dazu auffordert, sich erneut in die Planungen der BVG einzubringen. Mit dem Ziel, die Trasse für eine eventuelle Streckenverlängerung offenzuhalten. Der Verkehrsausschuss des Bezirks hatte den Beschluss vorab empfohlen.

„Es können alle ganz beruhigt sein“, so BVG-Sprecherin Nelken. Trotz des Gleichrichterwerks sei es baulich möglich, die Strecke zu verlängern. Man würde sich ja nicht die eigenen Möglichkeiten verbauen, so Nelken. Tatsächlich aber hat der Senat bislang keine Pläne formuliert, die Strecke an dieser Stelle zu verlängern. Für die U-Bahnlinie 8 im Norden der Stadt allerdings haben die Verkehrsbetriebe eine Machbarkeitsstudie erstellt, die kürzlich bekannt wurde. Darin geht es um eine Verlängerung über den Bahnhof Wittenau hinaus. Ebenso werden Varianten zur Verlängerung der U7 bis Schönefeld sowie der Anschluss an den Flughafen Tegel an die U6 durchgespielt.

Im Verkehrsausschuss, in dem die BVG das Vorhaben zum Gleichrichterwerk erstmalig vorstellte, sei der Eindruck entstanden, als sei eine Verlängerung der U6 mit dem Bau der Anlage im Grunde hinfällig, sagt Christoph Götz-Geene, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD und Sprecher für Stadtentwicklung.

Er halte deshalb eine Lage in der Trasse für „nicht sinnvoll“. Erfahrungen mit anderen U-Bahn-Stationen hätten bewiesen, dass derart kostspielige Bauten wie ein Gleichrichterwerk (circa 20 bis 30 Millionen Euro) andere Baumaßnahmen an der Linie verhindern können.

Verlängerung der U6 in Richtung Süden dringend erforderlich

Ralf Olschewski, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, fordert, dass nach einem anderen Standort gesucht werde. „Die Bereitschaft des Landes Berlin an dieser Stelle eine Verlängerung vorzunehmen, ist geringer, wenn das Gleichrichterwerk dort gebaut wird“, ist seine Befürchtung.

Die müsse man aber in den nächsten Jahren dringend angehen, meint Olschewski. Mit Blick auf den neuen Flughafen BER im Süden Berlins werden Tausende neue Mitarbeiter und Fluggäste dorthin gelangen müssen. Dabei könne eine verlängerte U6 bis nach Lichtenrade den Straßenverkehr entlasten. „Wenn wir ernsthaft wollen, dass mehr Leute auf die Bahn umsteigen, müssen wir schienengebundene Möglichkeiten anbieten.“

Was die Verkehrsbetriebe nun genau planen, wolle man natürlich wissen, sagt Karsten Franck (AfD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Der Bezirk erwarte, dass die BVG eine Lösung präsentiere, die einer Linienerweiterung nicht im Wege steht.