Jubiläum

Theater Morgenstern in Friedenau feiert 25-jähriges Bestehen

Nach langer Unsicherheit ist der Betrieb des Kinder- und Jugendtheaters gesichert. Am Wochenende gibt es ein Jubiläumsprogramm.

Im Stück zum Jubiläum finden Figuren aus zurückliegenden Stücken plötzlich wieder im Theater Morgenstern zusammen.

Im Stück zum Jubiläum finden Figuren aus zurückliegenden Stücken plötzlich wieder im Theater Morgenstern zusammen.

Foto: Foto: Sergej Glanze / Funke Foto Services

Berlin. Vor ziemlich genau einem Jahr stand das Kinder- und Jugendtheater Morgenstern im Rathaus Friedenau kurz vor dem Aus. Inzwischen stehen die Sterne für das kleine Team wieder besser. Sie machen weiter, sagen die beiden Leiter Pascale Senn (54) und Daniel Koch (62) , die am Wochenende den 25. Geburtstag ihrer Bühne feiern. Am Sonnabend und Sonntag wartet ein spezielles Programm.

Möglich wird das durch die finanzielle Unterstützung aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg und einer „Notrettung“, wie es die Theaterleute nennen, des Senats. Der Spielbetrieb ist bis zum Jahresende auf jeden Fall gesichert, sagt Daniel Koch, der das Theater gemeinsam mit seiner Frau Pascale leitet. Spuren hat der Überlebenskampf dennoch gezeigt. Am Ende dieses Jahres werden es wohl nicht so viele Besucher sein wie sonst, schätzt Koch.

Am Wochenende sollen die schwierigen Zeiten ein wenig in den Hintergrund rücken. An beiden Abenden, Sonnabend und Sonntag, will sich das Morgenstern als gemausert präsentieren. Der Sonnabend richtet sich in erster Linie an Vertreter aus Politik und Presse. Der Sonntag allerdings ist allein für Besucher und Wegbegleiter bestimmt. Beginn des Programms ist 16 Uhr. Es wartet neben Bühnenerzählungen ein Fest mit Musik. Zu erleben sind Theaterfiguren aus 25 Jahren. Die Theatermacher haben ihren Fundus in Teltow durchforstet. Ihre Figuren bekommen in einer eigens für das Jubiläum erdachten Inszenierung einen erneuten Auftritt.

Herbst- und Weihnachtsprogramm steht

Pünktlich zur Weihnachtszeit steht eine Premierenvorstellung an (22.11.). „Am 4. Advent morgens um vier“ ist nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Klaus Kordon entstanden. Das Stück wird, entsprechend des Titels, auch am vierten Advent (22.12.) morgens um vier zu sehen sein.

„Es kann natürlich sein, dass wir hier alleine sitzen“, sagt Daniel Koch. Hoffnung hat er trotzdem, dass Besucher das Besondere in dieser Auftrittszeit erkennen werden. Durchhalten wird belohnt. „Im Anschluss gibt es Frühstück.“ Seit mehr als 20 Jahren zeigt das Morgenstern das Stück „Weihnachtslied“. An dieser Tradition werde auch nicht gerüttelt, sagt Daniel Koch.

Pläne für das neue Jahr gibt es auch. „Die Abenteuer der starken Wanja“ sowie ein Stück, das Theodor Fontanes John Maynard zur Grundlage hat, stehen auf dem Programm. Dabei können die Theatermacher derzeit auf ein festes Team aus vier Darstellern, Dramaturgen und Regieassistenz zurückgreifen. Auch eine Hilfe für die Büroarbeit gibt es nun. Ab Ostern schließt das Theater dennoch erst mal. Das hat aber einen guten Grund.

Theater Morgenstern wird von Ostern an umfassend saniert

Der Hauseigentümer hat angekündigt, umfangreich zu sanieren. Elektrik, Beleuchtung, Decken in den Proberäumen erfahren eine Erneuerung. Im Anschluss werden auch barrierefreie Toiletten zur Verfügung stehen. „Wir wollen diese Zeit nutzen, um das Theater auf den Kopf zu stellen“, verrät Daniel Koch. In Arbeitsgruppen mit Bürgern wollen die Künstler herausfinden, wie sich das Theater in Zukunft ausrichten soll. Bis September wird der Betrieb also eingestellt. Danach soll es frisch gemacht weitergehen.

Als vor 25 Jahren alles begann, spielten sich die Theaterleute durch Bühnen alle Berliner Bezirke. Erst im Jahr 2006 wurde das Kinder- und Jugendtheater im Rathaus Friedenau sesshaft. Anfangs teilte man sich eine Etage mit einem Tanzsportclub. Dieser zog allerdings aus, als 2015 eine Unterkunft für Geflüchtete eingerichtet wurde.

Bis heute leben und arbeiten die Theatermacher mit geflüchteten Frauen und Kindern Tür an Tür. Und das sehr einvernehmlich. Zum Teil werden gemeinsame Projekte mit den dort lebenden und anderen Kindern realisiert. Sofern sie gefördert werden. Denn ein Theaterbetrieb ist nur mit finanzieller Förderung möglich. 230.000 Euro braucht das Morgenstern im Jahr, um alle Kosten zu decken und seine Schauspieler angemessen zu bezahlen.

Theaterbetrieb steht und fällt mit der Förderung

„Wir mussten immer wieder darum kämpfen, bleiben zu können“, sagt Daniel Koch. Und bleiben wolle man nur, wenn es dem Theater möglich ist, sich zu entwickeln. „Wir wollen kein Theater auf Sparflamme.“ Im vergangenen Jahr erhielt die Bühne eine einmalige Förderung des Senats in Höhe von 45.000 Euro. Davon zehre man bislang, sagt Koch.

Ein anderer Förderantrag des Theaters sei bislang noch nicht entschieden, heißt es in der Kultursenatsverwaltung. In den aktuellen Haushaltsberatungen des Senats bemühe man sich zudem, mehr Geld speziell für kleine und mittlere Kinder- und Jugendtheater bereitzustellen.

Letztendlich gibt es Förderungen aber nur, wenn eine unabhängige Jury sie gewährt. Erfolg ist also nicht gewiss. Denn: Es gibt stets mehr Bewerber als Mittel. Damit die Bezirke auch selbst freier entscheiden können, hat der Senat die Mittel für den Bezirkskulturfonds im vergangenen Haushalt verdoppelt.

2.11., 19 Uhr, und 3.11., 16 Uhr, 25. Jubiläum im Theater Morgenstern im Rathaus Friedenau, Rheinstraße 1, Eintritt: 9 bis 18 Euro, www.theater-morgenstern.de