Kurfürstenkiez

Mehr Toiletten und Sauberkeit für den Straßenstrich

Der Runde Tisch „Sexarbeit“ soll die Situation im Kurfürstenkiez verbessern. Am Dienstag wurden Ergebnisse präsentiert.

Der Straßenstrich in der Kurfürstenstraße.

Der Straßenstrich in der Kurfürstenstraße.

Foto: Reto Klar

Berlin. Es ist ein heikles Thema. Anwohner des Kurfürstenkiezes in Schöneberg fühlen sich dauerhaft belästigt durch die kontinuierliche Präsenz von Sexarbeitern. Aus der Politik kommen, so sagen viele Anwohner, nur wenig zufriedenstellende Lösungsvorschläge.

Vertreter der Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg sowie des Senats und Verbände, Sexarbeiter und Betriebsstätten haben sich zu einem Runden Tisch „Sexarbeit“ zusammengefunden. Im Nachbarschaftszentrum Huzur in der Bülowstraße präsentierten Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, und Staatssekretärin Barbara König (SPD) am Dienstagabend Ergebnisse, wie man den politischen Auftrag erfüllen möchte, die Rechte und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen und -arbeitern zu verbessern.

Lesen Sie auch: Kurfürstenstrich: „Es ist ein grandioses Politikversagen“

Straßenstrich Kurfürstenkiez: Angebote für Prostituierte sollen ausgebaut werden

Es gehe nicht, betont Barbara König, um die Verdrängung der Sexarbeit aus dem Kiez. Konkret will man bereits existierende Angebote verstetigen und ausbauen.

Die Öffnungszeiten des Frauentreffs „Olga“ sollen auf das Wochenende ausgeweitet werden. Weitere öffentliche Toiletten, die auch durch Prostituierte für den Vollzug genutzt werden können, sowie Räume für den Drogenkonsum sollen das Geschehen aus der Öffentlichkeit etwas herausnehmen. Gleiches gilt für die tägliche Reinigung der Toiletten und des öffentlichen Raums.

Nicht jedem in dem fast vollständig gefüllten Saal des Huzur gefällt die duldende Haltung der Politik. Redebeiträge aus dem Publikum machen die angespannte Lage im Kiez deutlich: Müll und Fäkalien im öffentlichen Raum und in Wohnhäusern, direkte Ansprache durch Prostituierte, öffentlicher Geschlechtsverkehr und dadurch verursachter Lärm erhitzen die Gemüter.

Anwohnern am Straßenstrich kommen viele Themen zu kurz

Die Wahrnehmung der Anwesenden ist verschieden. Für viele im Raum ist die Lage weit dramatischer als durch Schöttler und König geschildert. Die Themen Jugendschutz, Gewaltsituationen und offensichtliche Zwangsarbeit kämen zu kurz, man werde mit diesen Maßnahmen den Problemen nicht gerecht. Andere zeigen sich toleranter und verständnisvoller für die Nöte der Arbeitenden, zumeist Frauen. Sie betonen die Notwendigkeit gezielter Hilfsangebote.

Auch Stephan von Dassel (Grüne) gehen die geplanten Maßnahmen nicht weit genug. Für die Anwohner würden diese kaum Verbesserung bringen.

Auch interessant: Kurfürstenkiez: „Wir dulden da Zwangsprostitution“

Am 7. November wird es die letzte Sitzung des Rundes Tisches geben. Ob Gelder für die geplanten Projekte bereitgestellt werden, darüber entscheidet das Abgeordnetenhaus im Zuge der Haushaltsdebatte im Dezember.

Mehr zum Thema:

Vorschlag aus Mitte: Sex-Boxen am Tempelhofer Feld

So viele Prostituierte sind offiziell in Berlin gemeldet