Verwaltung

Bezirksamt will Personalmangel gezielt angehen

Ab 2020 werden neben den zurzeit unbesetzten Stellen weitere 176 nötig. Die Personalsituation entspannt sich also nur langsam.

Eine Mitarbeiterin in ihrem Büro im Schöneberger Rathaus. Dieser ist einer der bereits sanierten Räume.

Eine Mitarbeiterin in ihrem Büro im Schöneberger Rathaus. Dieser ist einer der bereits sanierten Räume.

Foto: Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Neue Verwaltungsaufgaben benötigen auch mehr Personal. Im Bezirksamt stehen deshalb ab dem nächsten Jahr 176 zusätzliche Stellen zur Verfügung. Sie kommen zu den bisher noch immer unbesetzten Stellen hinzu. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), außerdem Leiterin des Fachbereichs Finanzen, Personal und Wirtschaftsförderung, gibt sich optimistisch: Die schlimmen Zeiten hätte der Bezirk hinter sich gelassen.

Der Stellenplan 2020 weist 346 unbesetzte Stellen aus. Darunter sind auch die, die erst mit dem kommenden Jahr geschaffen werden. Die Bilanz der neu eingestellten Mitarbeiter macht den Missstand deutlich: Im laufenden Haushaltsjahr konnten nur 125 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Darunter sind 33 Personen für den Bereich Facility Management (Liegenschaftsamt). Wichtig, um den dringend notwendigen Schulbauplänen nachzukommen. Hinzukommen die Übernahmen von 13 Auszubildenden sowie die Entfristung von 19 bisher befristeten Stellen.

Gründe für den wachsenden Personalbedarf sind unter anderem in den neuen Aufgabenbereichen, die der Berliner Senat vorgibt, zu suchen. In anderen Bereichen bestehe „ein dringender Nachholbedarf“, so Angelika Schöttler. Etwa im Straßen- und Grünflächenamt. Aufgrund der Schulbauoffensive der Bezirke seien auch im Bereich Facility Management dringend weitere Mitarbeiter nötig.

Freie Stellen in allen Bereichen

Unbesetzte Stellen gibt es allerdings in allen Verwaltungsbereichen. Durchschnittlich sind etwa 11 Prozent aller Stellen unbesetzt. Mit zurzeit 37 freien Stellen ist das Amt für Soziales mit am schlimmsten betroffen. Das entspricht 15,8 Prozent. Im Ordnungsamt fehlen bei einer Quote von 16,4 Prozent sowie von 14,6 Prozent im Amt für Stadtentwicklung und Bauen fehlt in diesen Ämtern überdurchschnittlich viel Personal.

Den größten Bereich in der Verwaltung nimmt das Jugendamt ein. Hier sind derzeit 31 Stellen offen. Die Situation habe sich durch Neueinstellungen aber verbessert, sagt Angelika Schöttler. Vor allem in den regionalen Sozialdiensten (RSD), also dort, wo direkter Kontakt und Unterstützung durch Sozialarbeiter geschieht, sei die Lage angespannt. Neue Mitarbeiter werden weiter dringend gesucht. In Kürze könnten außerdem im Schul- und Sportamt neun neue Mitarbeiter begrüßt werden. Im Gesundheitswesen sind es drei neue Ärztinnen. Für den Bürger vor allem spürbar wird der Personalmangel meist bei Ordnungs- und Bürgeramt, wenn sie auf Termine lange warten müssen.

Trotz positiver Entwicklungen, eine Herausforderung ist es auch in Zukunft neues Personal zu gewinnen. Dafür werden viele einzelne Bereiche angefasst. Im Ergebnis habe man feststellen müssen, sagt Angelika Schöttler, dass sich beispielsweise das Besetzungsverfahren in seiner Dauer von mehr als vier Monaten nicht mehr optimieren lasse.

Angelika Schöttler (SPD): Qualifiziertes Personal ist schwer zu finden

Nach Angelika Schöttler seien andere Probleme viel grundlegender: Etwa überhaupt erst qualifiziertes Personal zu finden. Hinzu kämen kurzfristige Absagen, die mit dem langen Einstellungsverfahren einhergehen können, und lange Kündigungsfristen der ausgewählten Kandidaten.

Damit es trotzdem gelingt, gibt es diverse Ansätze. So soll beispielsweise das Bewerbungs- und Stellenmanagement des Bezirks personell besser aufgestellt werden. Der Bezirk plant unter anderem eine Werbekampagne für sich als Arbeitgeber. Aber auch hier ist man noch dabei, die nötigen personellen Bedarfe zu erfüllen.

Um Quereinsteigern das nötige Fachwissen nahezubringen, wolle man ein zentrales Quereinsteigerprogramm auflegen, so die Bezirksbürgermeisterin. Konzentrieren wolle man sich zudem auch auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und dem Jobcenter, Traineeprogramme, duale Studiengänge und Stipendien sowie die Einführung des mittleren Verwaltungsdienstes.

Hat sich ein Bewerber für die Stelle beim Bezirk entschieden, gilt es ihn zu halten. Darum bemühe man sich derzeit darum, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Gesundheitsmanagement, Sozialberatung oder Büroausstattung werden neu angegangen.

Auf Bezirksebene wird schlechter bezahlt

Um für neue Mitarbeiter überhaupt attraktiv zu sein, müssen sich die Bezirke vor allem mit dem Thema Vergütung beschäftigen. Gehälter in der Bezirksverwaltung liegen meist unter denen in Behörden bei Land und Bund. „Es gibt die grundsätzliche Absichtserklärung, dass gleiche Arbeitsgebiete auf Senats- und Bezirksebene auch gleich bezahlt werden. Allerdings ist es sehr schwierig umzusetzen, da es selten Abgleiche gibt“, so Angelika Schöttler. Die Anforderungen in den einzelnen Bezirken seien zudem aber selten wirklich deckungsgleich. „Hier stehen wir erst am Anfang der Diskussion, wie diese allgemeine Absichtserklärung konkret umgesetzt werden kann.“

Der Bezirk steht aber nicht nur in Konkurrenz mit übergeordneten Behörden. Gehälter und Arbeitsbedingungen können von Bezirk zu Bezirk variieren. Deshalb dürfe es keinen personellen Wettstreit zwischen den Bezirken um geeignete Mitarbeiter (etwa über tarifliche Eingruppierung für bestimmte Aufgaben) geben, sagt Jan Rauchfuß, SPD-Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg.

Stattdessen müsse es zu einer „Harmonisierung“ zwischen den Bezirken kommen. Als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses hat er einen besonderen Fokus auf die Arbeit des Jugendamtes gelegt: „Bis das erreicht ist, setze ich mich dafür ein, dass das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg seine Stellen am oberen Ende des Gefälles vergüten kann und tarifäre Möglichkeiten wie die Vorwegnahme von Erfahrungsstufen nutzen darf.“

Auch für Reinhard Frede, FDP-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksverordnetenversammlung, macht die aus seiner Sicht „kümmerliche“ Bezahlung das Kernproblem aus. Er glaubt, dass es trotz neu geschaffener Stellen und Einstellungen auch in Zukunft einen spürbaren Missstand geben wird. Deutlich zu registrieren sei dies im Bereich Facility Management, etwa bei Sanierung und Neubau von Schulen.