Ausflugstipp

So schön ist Schöneberg: Ein Spaziergang durch den Kiez 

Vom Innsbrucker Platz geht es durch das jüdische Viertel bis zum Regenbogenkiez am Nollendorfplatz.

Das U-Bahn-Gebäude am Rudolph-Wilde-Park ähnelt einer Orangerie. Im Hintergrund das Rathaus Schöneberg.

Das U-Bahn-Gebäude am Rudolph-Wilde-Park ähnelt einer Orangerie. Im Hintergrund das Rathaus Schöneberg.

Foto: Simone Jacobius

Berlin. Es ist ein kurzer Ausflug, der einen Blick auf die vielen Facetten Schönebergs gewährt. Die gut vier Kilometer lange Tour beginnt am Innsbrucker Platz. Seine Nordseite wird von einem Marmorbrunnen geschmückt. Der wurde 1981 aufgestellt und ist eine Nachbildung des Wasserspiels, das vor einem der bekanntesten Altstadthäuser Innsbrucks stand, dem Trautson-Haus aus dem Jahr 1541.

Wir folgen der Innsbrucker Straße. Am Haus Nr. 24 erinnert eine Gedenktafel an den berühmten jüdischen Fotografen Helmut Newton. Am Haus daneben (Nr. 23) hängt eine Tafel in Gedenken an Renee Sintenis, eine Bildhauerin aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Tour führt über die Carl-Zuckmayer-Brücke in den Rudolph-Wilde-Park. Der östliche Bereich des Parks, dicht am Rathaus Schöneberg, ist der repräsentative mit dem goldenen Hirschen, dem Schöneberger Wappentier, der auf einer Säule inmitten eines Fontänen-Brunnens thront. Auf seiner Westseite wirkt der Park naturbelassen mit Ententeich und alten Bäumen. Unter der Brücke befindet sich der U-Bahnhof Schöneberg, der einer Orangerie ähnelt.

Das Bayerische Viertel war Wohnort vieler Prominenter

Am Ende der Straße erreichen wir den Bayerischen Platz und das Bayerische Viertel, das von 1900 bis 1914 angelegt wurde. Die stattlichen Gebäude dort haben verzierte Türmchen, gestufte Giebel und Sprossenfenster. Die Bewohner waren Ärzte, Rechtsanwälte, höhere Beamte, Künstler und Intellektuelle. Darunter viele namhafte wie Albert Einstein, Alfred Kerr, Rudolf Breitscheid, Erwin Piscator oder Inge Deutschkron. Auch Marcel Reich-Ranicki und Gisèle Freund wuchsen dort auf. Schöneberg hatte 1933 mehr als 16.000 jüdische Einwohner, von denen viele im Bayerischen Viertel lebten.

Der Platz selbst wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und 1958 neu gestaltet. In einem gläsernen Kubus auf dem Bahnhof gibt es Informationen über das frühere jüdische Viertel und das dezentrale Denkmal „Orte des Erinnerns“ mit 80 Informationstafeln, die an Laternenmasten im Viertel montiert sind. Es geht nun rechts in die Westarpstraße hinein. An deren Ende stand einst eine Synagoge. Ein Gedenkstein erinnert daran.

Wir folgen der Münchener Straße nach links. Nachdem wir die Martin-Luther-Straße überquert haben, erreichen wir den Viktoria-Luise-Platz mit seinem Brunnen in der Mitte und den ihn umgebenden Kolonaden. Seit 1982 steht der Platz unter Denkmalschutz und ist ein beliebter Treffpunkt der Anwohner. Eingerahmt wird der Platz von hochherrschaftlichen Häusern aus der Jahrhundertwende und netter Gastronomie. Auch Regisseur Billy Wilder lebte kurzzeitig im Haus Nummer 11.

Hinein in den Regenbogenkiez

Weiter geht es die Motzstraße entlang in Richtung Nollendorfplatz, hinein in den sogenannten Regenbogenkiez. Bereits in den 20er-Jahren gab es in diesem Teil Schönebergs, in der Gegend um Fugger-, Motzstraße und Nollendorfplatz, Tanzlokale nur für Herren. Das war der Auftakt für das schwul-lesbisch geprägte Quartier. Während der Zeit des Nazionalsozialismus wurden alle derartigen Vergnügungsstätten geschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Kiez allmählich seine alte Attraktivität für die homosexuelle Community zurück.

Der Ausflug endet am Nollendorfplatz, der nach Plänen von Peter Lenné angelegt wurde und durch das 1905/06 gebaute Theatergebäude „Metropol“ geprägt ist. Das Haus wurde kürzlich als Konzerthalle und Club wiedereröffnet. Zentrum des Platzes aber ist der Hochbahnhof, der das Ensemble dominiert.

Tipps und Infos auf einen Blick

Sehenswert Vor dem Rathaus Schöneberg hielt am 26. Juni 1963 US-Präsident John F. Kennedy seine legendäre Rede. Das Gebäude, das bis 1991 Sitz des Abgeordnetenhauses und des Regierenden Bürgermeisters war, kann besichtigt werden. Mo. 8–15 Uhr, Di./Do. 10–18 Uhr, Mi. 8–14 Uhr, Fr. 8–13 Uhr.

Flohmarkt am John-F.-Kennedy-Platz Sonnabend und Sonntag bieten Hunderte Händler und Privatpersonen ab 8 Uhr Antiquitäten und diverse Gebrauchtwaren an.

Einkehr Im Ratskeller aus dem Jahr 1914, der auch Drehort für die Fernsehserie „Babylon Berlin“ war, werden auch externe Gäste bewirtet. Mo.–Do., 7–14.30 Uhr, Fr., 7–14 Uhr, Tel.: 782 83 26, www.gerresheim-berlin.de

Streckenverlauf Die Gesamtlänge des Ausflugs beträgt 4,2 Kilometer. Für den Spaziergang sollte eine Stunde eingeplant werden.